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Corona-Mutanten: Immer mehr Verdachtsfälle in Bayern | BR24

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Mutierte Coronaviren machen Bayern zu schaffen

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    Corona-Mutanten: Immer mehr Verdachtsfälle in Bayern

    Bayreuth, Hof, Kitzingen - und nun auch Buchloe: Die Verdachtsfälle von hochansteckenden Corona-Mutanten in Bayern häufen sich. Nach Bayreuth ist nun auch das Klinikum Buchloe wegen eines Virusvarianten-Falles stark betroffen.

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    Von
    • Petra Zimmermann

    Während die Corona-Fallzahlen in Bayern sinken, überschlagen sich die Meldungen zu den hochansteckenden Corona-Mutanten im Freistaat. Nur wenige Fälle sind bislang tatsächlich bestätigt, doch das könnte sich bald ändern.

    Dabei sind zwei Mutationen gerade besonders im Fokus: Die britische Variante B.1.1.7 und die südafrikanische Variante B.1.351. Das Klinikum Bayreuth meldete 23 Verdachtsfälle, in einem Altenheim in Selb (Landkreis Wunsiedel) könnten sich fünf Bewohner mit der britischen Variante infiziert haben und im Landkreis Neu-Ulm gibt es einen Verdacht zur dänischen Mutation - und das ist nur eine kleine Auswahl von Verdachtsfällen der vergangenen Tage in Bayern.

    Aufnahmestopp in Klinikum Buchloe wegen Mutationsfall

    Um welche Art der Mutation es sich bei einem Fall am Klinikum Buchloe handelt, ist derzeit laut Krankenhaus noch völlig offen. Klar ist, dass die St.-Josefs-Klinik in Buchloe nun keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufnimmt, nachdem vergangene Woche ein Patient mit einer Variante des SARS-CoV-2-Virus eingeliefert wurde.

    44 Fälle von Virus-Mutation im Landkreis Wunsiedel

    Im Landkreis Wunsiedel sind 44 Fälle des mutierten Coronavirus aufgetreten, derzeit sind 30 Fälle davon bestätigt. Bei 14 Fällen handelt es sich noch um Verdachtsfälle, das teilt das Landratsamt mit. Die Fälle sind keinem Cluster zuzuordnen – vielmehr handelt es sich um ein diffuses Geschehen, das sich auf zahlreiche Orte im Landkreis erstreckt, so heißt es weiter. Als Grund für den hohen Anstieg wird die gezielte Testung nach Mutationen genannt.

    Wegen mehrerer Verdachtsfälle einer Corona-Mutation müssen die Abschlussklassen in Stadt und Landkreis Hof anders als im Rest Bayerns weiter im Distanzunterricht lernen. 14 Verdachtsfälle auf Mutanten zählt der Landkreis derzeit, um welche es sich handelt, ist auch hier noch unklar und wird derzeit weiter untersucht. Beim Unternehmen Alukon wurde die Produktion zwischenzeitlich eingestellt und eine Reihentestung unter den Beschäftigten vorgenommen.

    Britische Variante in mehreren Landkreisen nachgewiesen

    Am Klinikum Bayreuth gibt es nach 23 Verdachtsfällen auf die hochansteckende britische Corona-Variante ebenfalls einen Aufnahmestopp. Mitarbeitende sollen nur noch in Ausnahmefällen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen oder sind in Quarantäne. Ähnliche Regeln gelten für Angestellte eines Unternehmens im Landkreis Hof und des Altenheims in Selb.

    In Kitzingen wurde die britische Variante bei drei Saisonarbeitern eines Weinguts festgestellt, im Landkreis Dillingen laufen derzeit noch Untersuchungen bei drei Verdachtsfällen, bei denen man von einer britischen Mutation ausgeht. Das Ergebnis der endgültigen Gensequenzierung stehe allerdings noch aus, teilt das dortige Landratsamt mit. Die Fälle stünden in Verbindung mit Reiserückkehren aus der Slowakei und Moldawien. In Oberbayern sind derzeit Fälle in München und Erding bekannt.

    Nachgewiesen wurde die britische Variante inzwischen auch in mehreren niederbayerischen Landkreisen: Sowohl im Landkreis Regen und Freyung-Grafenau als auch im Landkreis Dingolfing-Landau fand man das mutierte Virus. Dabei handelt es sich um vier Fälle aus zwei verschiedenen Familien. Die betroffenen Personen seien in Quarantäne.

    Südafrikanische Variante: Rosenheim, Nürnberg, Fürth

    In Nürnberg gibt es derzeit fünf bestätigte Fälle der britischen Corona-Mutation und sechs Fälle der südafrikanischen Variante. Das teilte das Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg dem BR auf Anfrage mit. Demnach sind alle fünf Fälle der britischen Variante im einem Pflegeheims nachgewiesen worden, die südafrikanische Variante sowohl in einem Pflegeheims als auch in Privathaushalten. Einen Fall gibt es zudem in Rosenheim.

    Auch dänische Mutante schon bestätigt

    In einem Augsburger Labor wurde vor kurzem erstmals die dänische Variante des Coronavirus nachgewiesen. Eine der Proben stammt aus dem Raum Neu-Ulm, eine aus Ansbach. Zudem wurde die dänische Mutation bei sieben Patienten und Mitarbeitern der Kreisklinik Bad Reichenhall bestätigt. Dem Augsburger Labor zufolge könnte es sein, dass diese Mutante das Immunsystem leichter umgeht.

    Vermutliche Mutation legt Bäckerei in Pähl lahm

    Eine Bäckerei in Pähl (Lkr. Weilheim-Schongau) hat wegen zahlreicher Corona-Fälle ihren Betrieb eingestellt. Laut Gesundheitsamt gebe es wohl erste Anzeichen, dass es sich um eine ansteckendere, mutierte Form des Virus handeln könnte, so der Bäckerei-Chef. Bis das final geklärt sei, können aber bis zu zwei Wochen vergehen.

    Virus-Mutanten in Landkreisen Altötting und Landsberg am Lech

    Bei einem Ehepaar aus dem westlichen Landkreis Altötting wurde im Labor ebenfalls eine Virusmutation nachgewiesen. Nach Erkenntnissen des Gesundheitsamtes gibt es keinerlei Kontaktpersonen. Das Ergebnis der weiteren Differenzierung (britische, südafrikanische oder brasilianische Mutation) wird derzeit noch ermittelt.

    Das Landratsamt Landsberg am Lech meldet eine Person, die mit der britischen Virus-Mutante infiziert ist. Sie befinde sich bereits seit dem 20. Januar in Quarantäne und zeige keine Symptome. Dies ist der zweite bestätigte Fall im Landkreis Landsberg am Lech . Der erste bestätigte Infektionsfall mit der britischen Sars-CoV-2 Virusvariante wurde im Januar gemeldet und war im Rahmen einer rückwirkenden Untersuchung einer Probe vom Dezember festgestellt worden.

    Warum gibt es so viele Verdachtsfälle auf Mutationen in Bayern?

    Vermutlich gab es auch vor den nun bekanntgewordenen zahlreiche Fälle, aber es hat sie schlichtweg keiner untersucht. Erst seit 19. Januar werden zumindest fünf Prozent aller positiven Corona-Ergebnisse bundesweit im Hinblick auf eine Mutationen analysiert. Die Methoden dafür müssten gerade erst in einer Reihe von privaten und staatlichen Laboren in Bayern etabliert werden, erklärte eine LGL-Sprecherin. Aber auch diese Labore können meistens nur mit einem PCR-Verfahren eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Mutation herausfinden - es handelt sich also um Verdachtsfälle.

    Wie gefährlich sind die Mutationen?

    Viren mutieren ständig. "Es ist quasi eine Überlebensstrategie", erklärt Christoph Spinner, Oberarzt für Infektiologie am Klinikum rechts der Isar. Da den Überblick zu bekommen, sei nahezu unmöglich - aber auch gar nicht so entscheidend. Nur weil sich das Virus verändert, sei es nicht automatisch ansteckender oder habe schlimmere Krankheitsfolgen. Theoretisch könne sich ein Virus auch in eine günstigere Richtung entwickeln.

    Und auch eine Sprecherin des LGL äußert sich zurückhaltend bezüglich der Gefährlichkeit der Mutationen: "Mit der Bewertung von Varianten muss man grundsätzlich vorsichtig sein: Es gab bereits Tausende von Mutationen im Laufe der Pandemie", so die Sprecherin. Ob eine Variante beispielsweise besonders ansteckend sei, lasse sich nur mit zahlreichen Experimenten und Daten bestimmen.

    Besorgniserregend seien in Bayern momentan die Varianten, die zuerst in Großbritannien und Südafrika nachgewiesen wurden. "Man befürchtet eine leichtere Übertragbarkeit, was in letzter Konsequenz eine stärkere Belastung des Gesundheitssystems zur Folge hätte", teilte die Sprecherin mit. Hinweise auf einen schwereren Krankheitsverlauf gebe es nicht. Ob die "dänische" Variante gefährlicher ist als andere, ist noch unklar.

    Tirschenreuth mit höchster Inzidenz, Regensburg mit niedrigster

    Für Bayern wurden dem RKI innerhalb der letzten 24 Stunden 1.281 Infektionen gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt nun bei 92. (Stand 1.2.2021, 07.30 Uhr)

    Der Landkreis Tirschenreuth weist dabei Montagfrüh laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) weiterhin den höchsten Inzidenz-Wert in Bayern auf und ist am Wochenende sogar über den Wert von 300 gestiegen – er liegt aktuell bei 316,5. Zudem hat der Landkreis dem RKI zufolge deutschlandweit den zweithöchsten 7-Tage-Inzidenz-Wert pro 100.000 Einwohner.

    Die Stadt Regensburg dagegen liegt am Montag laut RKI mit einem Inzidenz-Wert von 34,6 unter dem wichtigen Grenzwert von 50 und weist damit bayernweit den niedrigsten Wert auf.

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