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Corona-Mutation im Klinikum Bayreuth: Wie es nun weitergeht | BR24

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Thomas Bollinger, Virologe am Klinikum Bayreuth, sieht einen "extrem eingeschränkten Versorgungszustand".

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Corona-Mutation im Klinikum Bayreuth: Wie es nun weitergeht

Wegen der Verdachtsfälle der britischen Corona-Variante am Klinikum Bayreuth gelten für mindestens eine Woche verschärfte Maßnahmen. Der Landrat spricht von einem "diffusen Infektionsgeschehen", die sogenannte "Pendelquarantäne" wurde aber gelockert.

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Von
  • Kristina Kreutzer
  • Lasse Berger
  • BR24 Redaktion

Die Verdachtsfälle in Bezug auf eine hochansteckende Coronavirus-Mutation aus Großbritannien schränken die beiden größten Krankenhäuser in Bayreuth ein. Für die beiden Häuser der Klinikum Bayreuth GmbH gilt ein Aufnahmestopp. Man sei in ständiger Absprache mit dem Gesundheitsministerium und der Regierung von Oberfranken, teilte Bayreuths Landrat Florian Wiedemann (Freie Wähler) dem BR auf Nachfrage mit.

Infektionen im Klinikum sind schwer nachzuverfolgen

Im Klinikum herrsche derzeit ein "diffuses Infektionsgeschehen", so Wiedemann. Man könne demnach nicht nachverfolgen, auf welchen Stationen sich womöglich die mutierte Virus-Variante ausgebreitet habe.

Solange die Lage so unklar sei, müsse auch an den "drastischen Maßnahmen" festgehalten werden. Die Pendelquarantäne für die Mitarbeiter und der Aufnahmestopp gelten laut Wiedemann mindestens für die folgenden sieben Tage. Eine Verlängerung sei denkbar.

UK-Mutation: Auswertung von Corona-Tests aufwendig

Derzeit seien knapp 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an der Bayreuther Klinikum GmbH an Covid-19 erkrankt. Hinzu würden weitere 80 Patienten kommen. Ein Vorabtest habe bei elf Personen den Verdacht auf die UK-Variante ergeben, so der Oberarzt und Virologe am Klinikum Bayreuth, Thomas Bollinger im BR-Gespräch.

Das Sequenzieren der Tests selbst dauere bis zu 14 Tage, da es sich um einen aufwendigen Prozess handle – vor allem auch in der Datenverarbeitung. Es sei wahrscheinlich, dass sich unter den elf Verdachtsfällen tatsächlich die UK-Variante befinde, so Bollinger. Ob sich alle elf Verdachtsfälle bestätigen, werde sich erst in den kommenden Tagen zeigen, wenn das endgültige Ergebnis vorliege, so der Oberarzt.

Isolationsstationen in Klinikum eingerichtet

Ob und wo sich die UK-Mutation auch außerhalb der Klinik verbreitet haben könnte, sei reine Spekulation. "Das sollte man in dieser Situation unbedingt unterlassen", so Bollinger im BR-Gespräch weiter. Geplant sind Proben nun aber auch in der Bevölkerung. Am Klinikum wurden mehrere Isolationsstationen eingerichtet.

"Die Mitarbeiter sind geschult", so Bollinger. "Auch wenn es in der Öffentlichkeit sehr spektakulär erscheint, ist es für uns Routine. Wir sind professionell genug, um auch mit der Verunsicherung bezüglich der Mutation umzugehen."

FFP2-Maskenpflicht und Pendelquarantäne

Die mehr als 3.000 Mitarbeiter befinden sich in sogenannter Pendelquarantäne. Das heißt: Sie dürfen zur Arbeit und nach Hause pendeln, im häuslichen Umfeld müssen sie aber eine Quarantäne einhalten.

Die strengen Auflagen wurden aber etwas gelockert: Logistische Probleme, die durch die Pendelquarantäne entstehen würden, habe man pragmatisch gelöst, hieß es. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollen überwiegend privat pendeln – wenn es gar nicht anders gehe, könnten sie doch mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen. Dabei sollen sie allerdings immer eine FFP2-Maske tragen. "Wenn man die Maske richtig trägt, hat man auch kein Übertragungsrisiko. Die Mitarbeiter werden diesbezüglich erneut geschult", so Bollinger.

Auch beispielsweise sein Kind an der Kita abzugeben, sei in Ordnung. "Das müssen wir den Kollegen und Kolleginnen ja auch zubilligen. Ansonsten werden ja ganz viele ihre Kinder nicht betreuen können. Und das würde bedeuten, dass sie dem Haus ausfallen. Und wir brauchen alle in der Patientenversorgung", so Bollinger weiter.

Krankenhaus steht im Kontakt mit den Behörden

Gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und den Behörden soll weiter sequenziert und analysiert werden, wo und in welchen Bereichen die UK-Variante noch vorkommen könnte. "Wenn wir einen genauen Überblick über das Ausbruchsgeschehen haben, werden wir das Vorgehen mit den Behörden anpassen", so der Oberarzt.

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Zwei Bayreuther Krankenhäuser schließen vorsorglich: 13 Mitarbeiter stehen im Verdacht, mit der hoch ansteckenden Coronavirus-Mutation aus Großbritannien infiziert zu sein. BR-Reporter Markus Feulner berichtet live, was bislang bekannt ist.

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