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Archivbild: Die Eingangstür mit aufgeklebten Wichteln steht am 24.04.2013 in der Wichtel Akademie in München (Bayern) offen.

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Lollitests an Kitas: Städtetag verärgert über Staatsregierung

In bayerischen Kitas sollen PCR-Pooltests möglich werden - wenn sich die jeweilige Kommune um alles kümmert. Der Bayerische Städtetag kritisiert diese Entscheidung: Die Staatsregierung wecke "voreilig" Erwartungen, die sich kaum erfüllen ließen.

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Von
  • Petr Jerabek
  • Ute Rauscher

Die Überschrift ließ aufhorchen: "PCR-Lollitests in Kitas - Bayern führt höheren Standard ein", meldete die "Augsburger Allgemeine" unter Berufung auf Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Am Mittag verkündete dann Familienministerin Carolina Trautner (CSU) die Details: Künftig könnten die Kommunen selbst entscheiden, ob sie weiterhin Berechtigungsscheine für Antigen-Schnelltests ausgeben oder auf PCR-Pooltests in der Einrichtung umstellen wollen. "Der Freistaat wird die Kosten pauschal übernehmen, wenn sich eine Kommune zusammen mit den Trägern eben für die Pooltests entscheidet, diese in eigener Verantwortung beschafft, anbietet und auch durchführt."

Das bedeutet zusammengefasst: Die Kommune muss sich um die aufwändige Logistik kümmern, der Freistaat zahlt dann. Eine zentrale Steuerung wie bei den Grund- und Förderschulen sei "aus logistischen Gründen nicht umsetzbar", sagte Trautner dazu.

Beim Bayerischen Städtetag stößt dieses Vorgehen der Staatsregierung auf großen Unmut: "Leider weckt die Staatsregierung - wie schon so oft in den letzten Wochen und Monaten – mit voreiligen Versprechungen Erwartungen bei Eltern, Kindern und Erzieherinnen und Erziehern, die dann die Kommunen erfüllen müssen, aber so schnell kaum erfüllen können", sagte der Geschäftsführer des Bayerischen Städtetags, Bernd Buckenhofer, dem Bayerischen Rundfunk.

Städtetag erwartet "Fülle an Problemen"

Buckenhofer zufolge wäre es sinnvoll, die Tests nach dem Vorbild der Grundschulen mit einer übergeordneten Logistik auf Landesebene zu organisieren. "Der Freistaat selbst will diese Aufgabe für die Kitas nicht übernehmen und schiebt die Umsetzung nun an die Kommunen weiter", kritisierte der Städtetags-Geschäftsführer und warnte: "In der Praxis werden sich wegen der kleinräumigen Struktur der Kitas eine Fülle an Problemen aufwerfen."

"Nicht flächendeckend zu schaffen"

Grundsätzlich begrüßt es der Städtetag zwar, dass die PCR-Pooltests als Alternative zu den Antigen-Schnelltests der Kita-Kinder vom Freistaat gefördert werden sollen. Sie gelten als verlässlicher. Das angekündigte Prozedere werfe aber bei den Städten und Gemeinden viele Fragen und Bedenken auf, hieß es. Denn anders als bei den Schnelltests brauche es hier aber eine "überörtliche Logistik für den zeitnahen Transport der Poolteststreifen in die zu beauftragenden Labore, die entsprechende Test-Kapazitäten vorhalten müssen – soweit sie nicht bereits durch die hohe Zahl an Grundschul-Tests gebunden sind".

Dies sei durch die Träger und die Gemeinden ohne planerische staatliche Unterstützung nicht flächendeckend zu schaffen. Die Erfahrungen mit der Organisation der PCR-Pooltests an Grund- und Förderschulen zeigten, dass es eine staatlich koordinierte Wegeplanung brauche, die einen längeren Zeitraum als Vorlauf in Anspruch nehmen werde. Hinzu kommen laut Städtetag Vergabeverfahren, die ebenfalls Zeit in Anspruch nehmen.

Der Städtetag geht daher davon aus, dass die PCR-Pooltests in vielen Kitas so schnell nicht kommen werden: "Insofern werden kurzfristig die Antigen-Schnelltests in den Kitas weiter überwiegend Anwendung finden." Dabei geben die Einrichtungen Berechtigungsscheine an Eltern aus, mit denen diese in der Apotheke Antigen-Schnelltests für ihre Kinder erhalten.

SPD kritisiert Abschiebung der Verantwortung

Kritik kommt auch von der SPD-Familienexpertin im Landtag, Doris Rauscher: Die Staatsregierung verschiebe durch die Wahlmöglichkeit die Verantwortung auf die Kita-Leitungen, beklagte sie. "Es wäre einfacher, wenn es klare Vorgaben und ein einheitliches Testverfahren gäbe", betonte Rauscher.

Grundsätzlich befürwortet die SPD-Fraktion die Einführung von PCR-Pooltests in Kitas. "Wir haben sie bereits seit Mai gefordert, und uns wurde immer nur erklärt, warum es nicht geht. Nun kommen sie, doch leider viel zu spät." Kita-Kinder seien besonders gefährdet, weil sie engen Körperkontakt untereinander und zu den Erzieherinnen und Erziehern hätten.

Grüne: Ankündigung schnell umsetzen

Die Grünen-Fraktion kritisierte, dass die Pooltests für Kita-Kinder erst eingeführt würden, nachdem "der Druck von außen zu hoch" geworden sei. Eltern, Erzieherinnen, Erzieher und Fachverbände seien sich einig gewesen, dass die sogenannten Lollitests "die beste und sicherste Art" seien, kleine Kinder und ihre Familien zu schützen, betonte der Sprecher für frühkindliche Bildung, Johannes Becher.

Die Familienministerin habe noch in der vergangenen Woche behauptet, dass diese Art der Tests hier nicht möglich sei. Nun müsse die Ankündigung schnell in die Tat umgesetzt und die versprochene Kostenübernahme durch den Freistaat vollumfänglich gewährleistet werden, forderte Becher.

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