BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Der Inzidenzwert für Schweinfurt liegt mittlerweile über dem Grenzwert von 50, daher wird dort weniger gelockert als anderswo.

3
Per Mail sharen

    Corona-Lockerungen: Schweinfurt im letzten Moment ausgebremst

    Lockerungen im Corona-Lockdown: Ab Montag dürfen viele Einzelhändler wieder öffnen, sofern der Inzidenzwert unter der Grenze von 50 liegt. Dieser Wert war ausgerechnet in Schweinfurt, das über Wochen mit niedrigen Zahlen geglänzt hatte, ein Hemmnis.

    3
    Per Mail sharen
    Von
    • Klaus Hanisch

    Deutschlandweit niedrigster Corona-Inzidenzwert – damit hatte Schweinfurt vor kurzem Schlagzeilen gemacht. Am 15. Februar kam die Stadt auf einen Wert von 3,7. Wochenlang war die Inzidenzrate in Schweinfurt sehr niedrig und stabil unter dem Grenzwert von 50. Doch ausgerechnet jetzt, wenn es bayernweit Corona-Lockerungen gibt, ist die 7-Tage-Inzidenz in der unterfränkischen Stadt über diesem Grenzwert.

    Statt kompletter Öffnung nur "Click & Meet"

    Deshalb galt für Geschäfte in Schweinfurt an diesem Montag: Zwar wieder offen, aber doch nicht so ganz. "Click & Meet" lautete das Zauberwort. Einlass nur nach vorheriger Terminabsprache. Vor mancher Ladentür in der Schweinfurter City wurden Kunden von Inhabern und Personal um Geduld gebeten, bevor sie eintreten durften. Dass der Inzidenzwert im letzten Moment auf über 50 gesprungen ist, fanden viele Händler in Schweinfurt sehr ärgerlich. Zumal in der Nachbarstadt Würzburg "Konkurrenz-Geschäfte" uneingeschränkt öffnen durften.

    Schweinfurter Händler: "Chaos und Verunsicherung"

    Der Schweinfurter Händler Klaus Pfrang zeigte sich unzufrieden: "Am besten wäre es gewesen, bis Ende März alle Läden geschlossen zu lassen und nach Ostern wieder komplett und ohne Einschränkungen zu öffnen". Mit den jetzigen Regelungen sei jedoch "Chaos entstanden", meint Pfrang, und das "verunsichert Kaufleute wie Kunden gleichermaßen." Keiner wisse genau, was im Augenblick gelte, und alles könne in ein paar Tagen schon wieder ganz anders sein. Gerade in Schweinfurt mit seinen knapp 50.000 Einwohnern würden schon wenige neue Infektionsfälle bewirken, dass der Inzidenzwert erheblich steigt.

    Ladenbesitzer froh, überhaupt aufmachen zu dürfen

    Auch für Läden für Bekleidung oder Schuhe war ein schwieriger Tag in Schweinfurt. Sie blieben seit Monaten auf ihrem modischen Sortiment sitzen, nun zählt nach dem langen Lockdown jeder Euro. Er habe alles anlaufen lassen, berichtet Axel Schöll, der ein Schuh-Geschäft führt: "Lieferanten liefern wieder, ich habe meine Mitarbeiter zurückgeholt, die Ware ausgepackt und eingeräumt." Schöll zeigt sich froh darüber, dass er seinen Laden überhaupt wieder aufmachen darf. Doch findet er den Stufenplan "sehr willkürlich" und "alle Regelungen nicht mehr verständlich." Nach seinen Worten habe sich im Einzelhandel letztes Jahr kein Kunde angesteckt. Zudem sei das Hygienekonzept ausgereift: Maskenpflicht für Personal und Kundschaft, Desinfektionsmittel am Eingang, Kontaktverfolgung sowie lediglich einem Kunden auf 40 Quadratmeter Verkaufsfläche.

    Kritik an Unterschieden bei Öffnung

    Völlig unakzeptabel findet Axel Schöll, dass Blumenläden, Friseure oder Buchhandlungen anders behandelt werden als Textil- und Schuhgeschäfte. Schöll ist zugleich Kreisvorsitzender des Einzelhandelsverbandes. Die Lage für seine Kollegen nennt er "schwierig und sehr bedrohlich." Trotz staatlicher Überbrückungshilfen mussten Geschäfte bereits schließen, bis Jahresende würden wohl weitere Ladeninhaber aufgeben müssen. Zudem gelte für seine Branche, wie für alle Händler: "Wir wollen lieber selbst Geld verdienen, als auf Hilfe angewiesen zu sein."

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!