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Corona-Lockerungen: Söder warnt vor "Öffnungsrausch" | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch warnt Ministerpräsident Söder (CSU) vor einem Öffnungsrausch. Im Interview mit dem BR macht er klar, dass aber das Tempo beim Impfen steigen muss.

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Corona-Lockerungen: Söder warnt vor "Öffnungsrausch"

Bayerns Ministerpräsident Söder hat erneut vor einem überstürzten Ausstieg aus dem Lockdown gewarnt. Dem BR sagte er mit Blick auf die Bund-Länder-Beratungen in der kommenden Woche, man dürfe jetzt nicht in eine Art Öffnungsrausch verfallen.

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Von
  • Hans-Georg Sperl
  • BR24 Redaktion

Ab Montag werden in Bayern einige Beschränkungen gelockert, obwohl die Infektionszahlen wieder steigen. Ministerpräsident Söder sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Wir brauchen Vorsicht mit Perspektive." Man würde spüren, dass die Menschen in einer unsicheren Stimmung seien. Auf der einen Seite sei der Wunsch groß nach mehr Freiheit, auf der anderen Seite müsste man sehen, dass die Inzidenzen leicht stiegen.

Schutzmaßnahmen mit Augenmaß

Söder betonte, in Bayern "ist die Situation viel stabiler als anderswo. Wir liegen ganz weit vorne, was die guten Zahlen betrifft." Trotzdem müsse man aufpassen und mit Augenmaß, mit Schutzmaßnahmen, mit Maskenkonzepten, mit Testkonzepten umfangreicher Art die Lage weiter beobachten. "Dann kann man das auch vertreten", so Söder.

Angesprochen auf die Bund-Länder-Runde zu Corona am kommenden Mittwoch und die Frage, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, noch ein wenig zu warten mit Lockerungen, um ein einheitliches Vorgehen in Deutschland zu gewährleisten, sagte Bayerns Ministerpräsident: "Die meisten anderen Bundesländer haben das bereits gemacht, was wir getan haben. Wir haben nach wie vor die stärksten Maßnahmen. Wir haben Ausgangssperren in den Hotspots. Wir haben die FFP-2 Maskenpflicht, die die meisten gar nicht haben."

"Wir brauchen eine kluge Öffnungsmatrix"

In anderen Bundesländern sei schon im Einzelhandel eine Menge erlaubt, so Söder. Er nannte das Beispiel "Click and Meet". Bayern sei diesbezüglich sehr vorsichtig. Wahr sei auch, dass Bayern besser dastehen würde als viel andere, so Söder. "Wir brauchen eine kluge Öffnungsmatrix, die eine planbare Entwicklung hat, bei der man vorausschauend erkennen kann. Wenn mehr passiert, dann darf weniger geöffnet werden und wenn die Infektionszahlen nach unten sich entwickeln oder stabil sind, dann kann auch mehr passieren".

Man dürfe jetzt nicht in eine Art Öffnungsrausch verfallen und so eine dritte Welle riskieren. Er plädiere für regionale Differenzierungen der Einschränkungen, falls etwa einzelne Städte oder Landkreise sehr niedrige oder hohe Inzidenzen aufwiesen.

Söder will Reihenfolge ändern, wenn Impfdosen übrig bleiben

Bezüglich der Debatte über die Freigabe des AstraZeneca Impfstoffs für alle, sagte Söder: "Am Ende muss jede Impfdose so schnell wie möglich verimpft werden. Denn jeder Geimpfte ist ein Schutz für sich, aber auch für andere, weil er die Infektion nicht weitergeben kann." Sollte AstraZeneca Impfstoff übrigbleiben, sollten diese Dosen freigegeben werden, betonte Söder. So könne "derjenige, der geimpft werden will, sich auch impfen lassen kann. Dann erhöhen wir den Schutz und erhöhen den Schutz auch schneller, als wenn wir ewig darauf warten".

Ähnlich äußerten sich auch die Ministerpräsidenten von Sachsen und Baden-Württemberg, Kretschmer und Kretschmann, auch sie sprachen sich für eine Lockerung der Impfreihenfolge aus, wenn Impfstoff wie der von AstraZeneca übrigbleibe.

Söder will Vielzahl von "Impfstationen" schaffen

Söder rechnet damit, dass ab April sehr viel Impfstoff kommt. Deshalb, so der bayerische Ministerpräsident, solle man sich überlegen Impfstationen zu machen, "in Bereichen, wo man viel machen kann, an Universitäten, an Schulen, so weit es zulässig ist, und dann aus der festen, starren Priorisierung eine Empfehlung machen. Ansonsten dauert es endlos, bis wir einen entsprechenden Schutz für die Bevölkerung haben.“

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Ministerpräsident Söder hat sich für mehr Pragmatismus bei den Corona-Impfungen ausgesprochen. Angesichts Hunderttausender Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs, die in Gefrierschränken lagern, plädiert er dafür, die strikte Impfreihenfolge zu lockern.

Zum Thema Impfdosen für Tschechien verwies Söder auf die Pressekonferenz am Montag, den 1. März. Bekannt wurde bisher bereits, dass Sachsen, Bayern und Thüringen Tschechien mit Corona-Impfstoff aushelfen wollen. Ab Montag sei die Lieferung von insgesamt 15.000 Impfstoff-Dosen an das Nachbarland geplant, sagte Sachsens Regierungssprecher Ralph Schreiber am Sonntag.

Zuvor hatte MDR Aktuell darüber berichtet. Die tschechische Regierung werde demnach über die weitere Verteilung entscheiden. Tschechien hat gegenwärtig die höchste Infektionsrate in der ganzen EU. Das Land mit 10,7 Millionen Einwohnern registrierte seit Beginn der Pandemie rund 1,2 Millionen Infektionen. Mehr als 20.000 Corona-Patienten sind bislang gestorben.

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