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Wegen Corona wurden nahezu alle Anlässe abgesagt, bei denen Mann oder Frau Tracht anlegen, die Tracht wurde zum Ladenhüter. Auf Handel und Hersteller wirkt sich das massiv aus.

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Corona-Lockdown setzt Trachten-Boom jähes Ende

Ob Oktoberfest, Gillamoos oder Patronatstag der Gebirgsschützen: Wegen Corona wurden nahezu alle Anlässe abgesagt, bei denen Mann oder Frau Tracht anlegen, die Tracht wurde zum Ladenhüter. Auf Handel und Hersteller wirkt sich das massiv aus.

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Das Straubinger Volksfest, der Gillamoos in Abensberg, das Herbstfest in Regensburg, und auch das Oktoberfest – dazu noch die unzähligen Trachtenfeste: Von Patronatstag der Gebirgsschützen, Gautage der Trachtler bis unzähligen Festumzügen - alles ist abgesagt wegen der Corona-Angst. Keine Volksfeste, keine Umzüge, keine Feiern bedeutet – die Tracht bleibt dieses Jahr vielfach im Schrank – auf den Kauf von neuen Trachten verzichten viele. Dementsprechend düster ist die Lage bei Trachtenverkäufern und Trachtenherstellern.

Krise trifft Produzenten mit zeitlichem Versatz

Noch laufen die Nähmaschinen in Farchant bei der Trachtenmanufaktur Grasegger, doch die Frage ist, wie lange noch. Den Lockdown spürt man hier mit zeitlichen Versatz. Erst jetzt gibt es weniger zu tun, von den 45 Mitarbeitern sind nur noch eine handvoll da und Geschäftsführer Franz Grasegger sieht die Lage in den nächsten Monaten noch düsterer: Die letzten Aufträge seien jetzt abgearbeitet, aber die wegen dem Lockdown abgesagten Feste würden sie in der Trachtenproduktion erst jetzt so richtig spüren. Daher rechnet Grasegger für die nächsten Monate mit einer Flaute. Bisher sei alles ohne Kurzarbeit gelaufen - die Mitarbeiter hätten Überstunden abgebaut oder Urlaub genommen. Doch wenn weiter so wenig neue Aufträge reinkämen, sei Kurzarbeit über den Sommer wahrscheinlich.

© BR /Martin Breitkopf

Glaubt, dass die große Flaute erst noch kommt: Franz Grasegger

Ware stapelt sich im Lager

So voll wie jetzt war das Lager in Farchant noch nie. Unzählige Dirndl, Janker und Trachtenhemden warten auf Kunden. Das Problem: Das Kapital ist somit auch gebunden – hängt sprichwörtlich hier rum und keine Löhne oder Kredite können damit bezahlt werden. Franz Grasegger greift an einen Ständer voller grauer Trachtenjacken. Er erklärt, das seien Jacken für den Bergrettungsdienst in Österreich. Die Jacken würden noch ausgeliefert, aber weitere Vereinstrachten seien eher die Ausnahme. Wegen abgesagter Feste hätten auch viele Vereine Bestellungen gecancelt oder bis auf weiteres verschoben, so Franz Grasegger.

Oktoberfest-Absage trifft auch den Handel

Den Volksfest-Lockdown spürt auch Daller Tracht in Oderding bei Weilheim. Normalerweise würde jetzt für Hochzeiten und Frühlingsfeste eingekauft, doch es herrscht gähnende Leere im Laden. Dafür ist auch hier das Lager bis zum Anschlag voll. Und mit der Absage des Oktoberfestes fällt jetzt auch noch das wichtigste Trachten-Event in diesem Jahr aus, so Geschäftsführer Benedikt Daller. Die Wiesn sei wie die fünfte Jahreszeit für die Trachtenindustrie. Die Absage sei ein schwerer Schlag gewesen - aber auch nachvollziehbar, gesteht Benedikt Daller ein.

© BR / Martin Breitkopf

Die fünfte Jahreszeit fällt aus: Benedikt Daller

Hoffnung auf einen Nachholeffekt

Daller Tracht ist eines der ältesten Trachtenhäuser in Bayern und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter in sechs Filialen. Nach dem Trachtenboom der letzten Jahre kommt jetzt der jähe Absturz. Doch für Benedikt Daller gibt es auch einen Lichtblick - schließlich unterliegen Trachten keinem aktuellen Trend wie andere Modeartikel. So hofft Daller auch auf einen Nachholeffekt, wenn die Coronagefahr abebbt. Seine Hoffnung ist, dass dann die ein oder andere Feier und manches Fest nachgeholt werden. Daller hofft deshalb auf eine steigende Nachfrage, sobald wieder mehr Normalität einkehrt.

Neuer Boom durch Lust auf "Normalität"?

Auch im Trachtenhaus Grasegger in Garmisch-Partenkirchen blickt man nach vorn. 80 Mitarbeiter sind hier beschäftigt und die freuen sich zur Zeit über jeden Kunden. Franz Grasegger bleibt optimistisch. Für ihn hat es Tracht schon immer gegeben und sie wird es auch weiter geben. Wenn jetzt alle zusammen halten würden, werde nach der Krise das Verlangen nach Normalität um so größer sein. Und da spielen Volksfeste, Umzüge und Feiern eine große Rolle, so Grasegger. Ja, er glaubt an einen neuen Trachtenboom wenn der ganze Virus-Spuk rum ist.

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