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Corona-Lockdown im Kreis Rottal-Inn: Vorwürfe an Österreich | BR24

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Der Landrat des niederbayerischen Landkreises Rottal-Inn, Michael Fahmüller, sieht in der Nähe zu Österreich einen der Gründe für die enorm gestiegenen Corona-Zahlen in der Region.

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Corona-Lockdown im Kreis Rottal-Inn: Vorwürfe an Österreich

Erst das Berchtesgadener Land, jetzt der Landkreis Rottal-Inn: Wegen hoher Corona-Zahlen verhängt ein zweiter bayerischer Landkreis einen Lockdown. Landrat Fahmüller macht das benachbarte Österreich für die Lage mitverantwortlich.

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Wegen steigender Corona-Zahlen tritt auch im Landkreis Rottal-Inn am Dienstag ein faktischer Lockdown in Kraft: Es gelten Ausgangsbeschränkungen, Restaurants und Freizeiteinrichtungen müssen schließen, sämtliche Veranstaltungen außer Gottesdienste werden verboten. Auch Kindergärten und Schulen dürfen in den nächsten zehn Tagen nicht öffnen.

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte bei einer Pressekonferenz in Pfarrkirchen, die Zahlen in dem Landkreis seien so stark gestiegen, dass verschärfte Maßnahmen notwendig seien. Es müsse entschieden gehandelt werden, das Virus könnten nur alle gemeinsam in die Schranken weisen.

Laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Rottal-Inn derzeit bei 279,01 - das ist aktuell der höchste Wert aller Landkreise und kreisfreien Städte im Freistaat.

Landrat: Grenze zu Österreich

Der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU), erläuterte, innerhalb von zwei Tagen seien rund 110 neue Fälle hinzugekommen. Damit seien die Zahlen in eine Höhe gestiegen, "wo wir zum Schutz unserer Bevölkerung, insbesondere der Risikogruppen, und zur Verhinderung einer unkontrollierbaren Ausbreitung der Pandemie einen Lockdown verordnen müssen". Mittlerweile gebe es im kompletten Landkreis sehr hohe Werte.

Der erste große Corona-Ausbruch im Landkreis sei in einer Asylbewerberunterkunft im Raum Simbach gewesen, danach sei ein relativ großes Altenheim hinzugekommen. "Und man hat gemerkt die Grenze zu Österreich." Das könne man nicht beweisen, müsse es aber offen sagen, betonte der CSU-Politker. Denn Österreich habe zwischenzeitlich nicht so strenge Schutzmaßnahmen gehabt wie Bayern, es seien beispielsweise große Veranstaltungen möglich gewesen - mit "1.000 oder noch mehr" Menschen.

Neue Teststation an Grenze zu Österreich

Der Landrat kündigte an, noch diese Woche werde eine zusätzliche Teststation in Simbach am Inn eingerichtet, "um die Testung von den Grenzpendlern noch einfacher zu machen, aber auch um die Testkapazitäten im Landkreis Rottal-Inn noch weiter zu erhöhen". Gesundheitsministerin Huml versicherte, Ziel sei es, die Grenzen offen zu halten. Eben deswegen gebe es die Pflicht, dass Grenzpendler einmal in der Woche einen negativen Test vorlegen müssen.

Europaminister Herrmann trifft österreichische Amtskollegin

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte vergangene Woche in seiner Regierungserklärung eine entsprechende Testpflicht für Berufspendler aus ausländischen Corona-Hotspots angekündigt. Damit Grenzen offen bleiben könnten, müsse man für mehr Sicherheit sorgen, sagte er zur Begründung.

Gelegenheit zum bayerisch-österreichischen Austausch über die Vorwürfe aus dem Landkreis Rottal-Inn wird es gleich am Dienstag geben: Dann empfängt der bayerische Europaminister Florian Herrmann (CSU) in München seine österreichische Amtskollegin Karoline Edtstadler zu einem Gespräch. Dabei wird laut Staatskanzlei zwangsläufig auch Corona ein Thema sein.

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Ab Mitternacht gelten im Landkreis Rottal-Inn strenge Ausgangsbeschränkungen. Von morgen an schließen unter anderem Schulen und Kindergärten, Restaurants dürfen nur Essen zum Mitnehmen anbieten, Hotels nur noch Geschäftsreisende unterbringen.

Ausgangsbeschränkungen gelten zehn Tage

Vergangene Woche waren schon im Berchtesgadener Land - ebenfalls an der Grenze zu Österreich - ähnliche Einschränkungen beschlossen worden wie jetzt im Landkreis Rottal-Inn. Nach Angaben von Landrat Fahmüller kam die "dringende Empfehlung" zu einem Lockdown im Kreis Rottal-Inn aus dem Gesundheitsministerium. Die Einschränkungen gelten zunächst zehn Tage - bis einschließlich 5. November.

Das Verlassen der eigenen Wohnung ist in dieser Zeit nur noch aus triftigem Grund erlaubt. Dazu zählen der Weg zur Arbeit, Einkäufe, Arzttermine oder Besuche von Lebenspartnern. Sport im Freien ist nur mit Angehörigen des eigenen Haushaltes oder einer weiteren Person aus einem anderen erlaubt. Restaurants müssen schließen und dürfen Speisen nur zur Mitnahme verkaufen. In Hotels und Pensionen dürfen nur noch Geschäftsreisende übernachten, Touristen müssen abreisen. "Veranstaltungen jeglicher Art" sind verboten, außer Gottesdiensten. Freizeiteinrichtungen - von Bädern, über Kinos bis hin zu Fitnessstudios - müssen schließen.

Auch Schulen, Kindergärten und Krippen bleiben von Dienstag an geschlossen. Es wird lediglich eine Notbetreuung geben. In Kliniken und Pflegeheimen gilt ein Besuchsverbot. Zudem muss auf bestimmten öffentlichen Plätzen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

1.500 Menschen in Quarantäne

Sehr viele der Infizierten haben dem Landrat zufolge Corona-Symptome, teilweise leichte, zum Teil aber auch schwere. 17 Corona-Patienten würden stationär in Kliniken behandelt, drei von ihnen auf einer Intensivstation. Insgesamt seien 1.500 Menschen als Kontaktpersonen ersten Grades in Quarantäne.

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Der faktische Lockdown bedeutet weitgehende Einschränkungen für die Bewohner nun auch im Landkreis Rottal-Inn, so BR-Reporterin Nadine Cibu. Danach dürfen die Menschen nur noch aus einem triftigen Grund das Haus verlassen, Arbeit fällt darunter.

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