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Die Schäffler 2019 bei einem Auftritt auf dem Münchner Viktalienmarkt

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    Corona-Lichtblick: Münchner Schäffler planen Auftritt noch 2021

    Nach der Pest-Epidemie wollten sie die Menschen mit Musik und Tanz wieder aus den Häusern locken. Dass die Schäffler auch in diesem Jahr tanzen wollen, darf also als gutes Omen gewertet werden. Eigentlich treten sie nur alle sieben Jahre auf.

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    • BR24 Redaktion

    Die Münchner Schäffler wollen noch in diesem Jahr wieder tanzen, obwohl ihr nächster regulärer Auftritt erst 2026 ansteht. "Vor einiger Zeit habe ich einen Anruf aus der Staatskanzlei bekommen. Da haben sie mir gesagt: Der Herr Ministerpräsident möchte, dass der erste Tanz nach Corona vor ihm stattfindet", sagte der Vereinsvorsitzende Wilhelm Schmid dem "Münchner Merkur".

    Das erste Mal sollen die Schäffler 1517 getanzt haben, nachdem die Stadt eine Pestwelle überstanden hatte. Der Brauch mit dem 23 Minuten langen Tanz hat sich bis in die Gegenwart erhalten, allerdings treten die Schäffler eigentlich nur alle sieben Jahre auf.

    Im Sommer zu heiß für Schäfflertanz

    "Wir werden dieses Jahr noch tanzen", betonte Schmid. "Aber erst nach dem Sommer. Denn es ist so: Unser Gwand ist ein reines Wintergwand. Bei null Grad ist es angenehm, aber im Sommer ist es unseren Tänzern nicht zuzumuten, in wollenen Strümpfen, Bundhose, Lederschurz und Weste aufzutreten. Darüber tragen wir eine dicke Joppe."

    Pest und Corona - Beide verbreiteten sich mit Reisenden

    Auf die Frage nach Parallelen zwischen der Corona- und der Pestzeit antwortete Schmid: "Die Pest kam auch aus China." Der zweite Vorstand Christian Baumann ergänzte: "Um genau zu sein, war es die hintere Mongolei." 1340 sei die Pest dort ausgebrochen. "Bis der Schwarze Tod über die Kaufleute, die auf der Seidenstraße unterwegs waren, bis nach Caffa, einer Hafenstadt auf der Krim, vorgedrungen ist, sind zwei Jahre vergangen. Dort gab es einen großen Ausbruch, worauf die italienischen Kaufleute mit ihren Schiffen heimgefahren sind. Natürlich hatten sie Ratten an Bord." So sei die Pest nach Europa gekommen.

    Nur noch ein Fassmacher in München

    Der Name der Schäffler stammt vom Handwerksberuf der Fassmacher. Wilhelm Schmid gilt als letzter Vertreter seiner Zunft in der Landeshauptstadt. Heute ist seinen Angaben zufolge bei den Schäfflern "vom Bänker bis zum Busfahrer alles dabei".

    Bis 1956 habe es aber strenge Vorschriften gegeben: "Man musste von Beruf gelernter Schäffler sein, man musste in seinem Beruf arbeiten, seit mindestens zwei Jahren in München wohnen, man musste geborener Bayer und ledig sein und man musste einen guten Leumund haben." Später habe man Bierfässer aus Alu statt Holz eingeführt, seit 1977 dürften auch Nicht-Schäffler mitmachen.

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