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Corona: Lage auf Intensivstationen in Bayern weiter angespannt | BR24

© dpa-Bildfunk

Blick in ein Intensivbett-Zimmer.

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    Corona: Lage auf Intensivstationen in Bayern weiter angespannt

    Die Zahl der Corona-Neuinfektionen geht zwar etwas zurück, doch auf den Intensivstationen in Bayern macht sich das noch nicht deutlich bemerkbar. In manchen Regionen sind mehr als die Hälfte der Intensiv-Patienten Covid-19-Kranke.

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    Von
    • David Herting
    • Achim Winkelmann
    • Annika Svitil
    • Bastian Kellermeier
    • Viktoria Wagensommer

    Die Zahl der Corona-Neuinfektionen geht langsam zurück - für Bayern weist das Robert Koch-Institut (RKI) derzeit eine Inzidenz von 114,9 aus. 2.689 neue Infektionen und 139 neue Todesfälle wurden zuletzt innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Doch die Lage auf den Intensivstationen ist in einigen Regionen Bayerns immer noch angespannt. 729 Covid-19-Fälle werden laut Intensivregister aktuell (Stand: 22.02., 17.00 Uhr)im Freistaat behandelt, 429 davon, also mehr als die Hälfte, muss invasiv beatmet werden. Von 3.403 zur Verfügung stehenden Intensivbetten sind derzeit noch 426 frei. Das entspricht 12,5 Prozent.

    Unterfranken: Noch überall Intensivbetten frei

    Auf den Intensivstationen in Unterfranken bleibt die Lage trotz insgesamt rückläufiger Zahlen angespannt. Aber es sind noch überall Intensivbetten frei. Nach Zahlen des DIVI-Meldesystems des Robert-Koch-Instituts liegen die Anteile der Covid-Patienten gemessen an der Zahl der Intensivbetten in den meisten Landkreisen in Unterfranken Ende der Woche bei rund 20 Prozent. Einzig im Landkreis Miltenberg liegt der Wert bei 66,67 Prozent, weil dort sechs von neun Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sind. Das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau versorgt derzeit 60 Covid-Patienten, neun davon auf der Intensivstation. Sechs Betten sind dort noch frei. "Weil die Zahlen seit mehreren Tagen rückläufig sind, hat sich die Lage dadurch entspannt", sagt Kliniksprecherin Annika Hollmann.

    Angespannt bleibt die Lage im Würzburger Klinikum Mitte und im Universitätsklinikum. Im Klinikum Mitte werden derzeit 21 Covid-19-Patienten behandelt, sagt Sprecherin Daniela Kalb. Vier von ihnen werden auf der Intensivstation versorgt, drei davon müssten beatmet werden. Planbare Operationen sind weiterhin eingeschränkt, die Notfallversorgung aber sichergestellt. "Die Lage bleibt daher weiterhin angespannt und ist für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer andauernden Belastung verbunden", so Kalb. Im Würzburger Uniklinikum sind derzeit 14 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt, vier dafür geeignete Intensivbetten sind frei. "Die Intensivstationen sind, auch durch Non-Covid-Patienten, weiterhin extrem stark belastet", sagt Sprecherin Susanne Just.

    Mittelfranken: Kein Aufatmen trotz rückläufiger Zahlen

    Die Kliniken in Nürnberg, Fürth und Erlangen sind noch weit von einer Entspannung entfernt. Das bestätigten die jeweiligen Kliniksprecher auf Nachfrage dem Bayerischen Rundfunk. Sabine Stoll, Pressesprecherin des Klinikums Nürnberg, erklärte, dass die Situation zwar im Vergleich zu Weihnachten oder dem Jahreswechsel besser, aber dennoch weiterhin angespannt sei. Einige der insgesamt 120 Intensivbetten im Nord- und Südklinikum seien noch frei, dies sei jedoch nur möglich durch die Einschränkungen auf den Nicht-Covid-Stationen, so Stoll. 40 Corona-Patienten würden derzeit intensivmedizinisch behandelt, acht davon hingen an einer Lungenersatzmaschine. Insgesamt gäbe es derzeit in den Nürnberger Kliniken knapp 160 Corona-Patienten.

    Professor Joachim Ficker, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Pneumologie, meint zu der aktuellen Entwicklung, dass der Lockdown eine erste kleine Wirkung zeige. Eine Entspannung sei aber noch nicht eingetreten: "Wir arbeiten immer noch im Krisenmodus. Wir rechnen damit, dass wir gerade bei der Betreuung von schwerstkranken Covid-Patienten, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen, in den nächsten Wochen auf demselben hohen Niveau bleiben und dass die Routineversorgung noch für längere Zeit eingeschränkt bleibt."

    In Erlangen sei eine positive Entwicklung im stationären Bereich des Klinikums erkennbar, sagt Johannes Eissing, Sprecher des Uni-Klinikums. Die Zahlen der Belegbetten mit Covid-19-Patienten gehe leicht zurück. Währenddessen sei aber die Zahl der Corona-Intensivpatienten gleich hoch geblieben. Konkret sind von 120 Intensivbetten im Uni-Klinikum Erlangen aktuell rund 110 belegt, 26 mit Covid-19 Patienten.

    Im Klinikum Fürth beobachte man seit rund einer Woche den Rückgang an Corona-Patienten auf der Normalstation, so Manfred Wagner, Pandemiebeauftragter des Klinikums Fürth. In Zahlen werden dort aktuell 30 Personen behandelt, in der Spitze waren es 70. Auf der Intensivstation liegen weitere elf Corona-Patienten. Da die Intensivstation in Fürth nur 28 Betten personell betreuen kann, sei die Situation weiterhin belastend. Vor allem, weil die übrigen Intensivbetten auch für andere Patienten benötigt werden.

    Aktuell meldet das DIVI-Intensivregister für Nürnberg insgesamt zwölf freie Betten, für Erlangen neun, Ansbach sechs, Schwabach eins. In Fürth gibt es hingegen kein freies Intensivbett, genauso wenig wie im Landkreis Roth.

    Oberfranken: Auslastung unterschiedlich

    Die Auslastung der Intensivstationen in Oberfranken ist regional sehr unterschiedlich, insgesamt aber angespannt. In Stadt und Landkreis Hof stehen laut dem DIVI-Intensivregister aktuell (22.01.20, 16.00 Uhr) insgesamt fünf Intensivbetten zur Verfügung. Von den aktuell 41 Intensivpatienten in beiden Häusern sind acht mit dem Coronavirus infiziert.

    Im Klinikum Bayreuth werden derzeit knapp 100 Covid-Patienten behandelt, davon sieben auf der Intensivstation. Sechs von insgesamt 58 Intensivbetten sind aktuell frei. Im Bayreuther Landkreis hingegen sind die Kapazitäten bereits erschöpft: Die sechs Intensivbetten der Sana-Klinik Pegnitz sind belegt. Im benachbarten Kulmbach ist nur noch ein Intensivbett frei. Hier benötigen von 37 Covid-Patienten sechs eine Intensivbehandlung.

    Etwas entspannter ist die Lage in Bamberg. Im dortigen Klinikum werden 49 Covid-Patienten behandelt, acht von ihnen auf der Intensivstation. Im Landkreis Bamberg sind die Intensivbetten ebenfalls gut ausgelastet, laut Landratsamt können die Kapazitäten aber bei Bedarf erhöht werden.

    Oberpfalz: Engpässe in Amberg, Weiden und Landkreis Schwandorf

    Die Lage auf den Intensivstationen in der Oberpfalz bleibt angespannt - besonders in den Städten Amberg und Weiden sowie dem Landkreis Schwandorf. Laut dem DIVI-Intensivregister des Robert-Koch-Instituts gibt es in den Krankenhäusern der Stadt Amberg und Weiden sowie dem Landkreis Schwandorf nur noch wenige freie Intensivbetten. Der Anteil an Covid-19-Patienten bei der Belegung der Intensivbetten ist in Amberg und Weiden aber im Vergleich zu Schwandorf gering.

    In Amberg sind derzeit (Stand 22.01.2021, 13.22 Uhr) zwei Intensivbetten frei, 33 sind belegt. Der Anteil an Covid-19-Patienten liegt mit vier Patienten bei 11,5 Prozent. Vier freie Intensivbetten gibt es noch in Weiden, 49 sind bereits belegt, davon sieben (rund 19 Prozent) mit Covid-19-Patienten. In Schwandorf ist der Anteil an Covid-19-Patienten bei der Belegung der Intensivbetten vergleichsweise am höchsten: rund 30 Prozent befinden sich in intensivmedizinischer Behandlung. Von den insgesamt 23 Intensivbetten ist nur noch eines frei.

    Niederbayern: Viele Corona-Patienten in Roth und Landshut

    Eine hohe Belegung mit Corona-Patienten auf den Intensivstationen verzeichnen derzeit vor allem die Landkreise Passau, Mühldorf am Inn, Landshut, Straubing-Bogen und Roth. In diesen Kommunen beträgt der Anteil der Corona-Patienten auf den Intensivstationen mehr als 50 Prozent. Besonders hoch ist der Wert in den Landkreisen Roth und Landshut mit jeweils gut 66 Prozent. Dies sind zumindest zum Teil die Regionen, in denen oder in deren Umgebung die 7-Tage-Inzidenz noch sehr hoch ist.

    Oberbayern: Nur wenige freie Intensivbetten

    Die Intensivstationen in Oberbayern haben trotz der rückläufigen Infektionszahlen laut dem DIVI-Intensivregister in sieben Landkreisen/Städten nur wenige freie Intensivbetten. Der Anteil der freien Betten an der Gesamtzahl der Intensivbetten liegt im Landkreis Miesbach bei 7,69 Prozent, im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bei 8,33, im Landkreis Weilheim-Schongau bei 9,09 Prozent, im Landkreis Dachau bei 3,57, im Landkreis Altötting bei 4,76 und in der Stadt Rosenheim bei 6,9 Prozent. Schlusslicht ist der Landkreis Traunstein mit einer freien Intensivbetten-Quote von 2,27 Prozent - dort ist nur noch ein einziges Intensivbett (von 44 vorhandenen) frei. Am besten steht derzeit der Landkreis München mit einer Quote von 60 Prozent da - dort sind also von zehn verfügbaren Betten sechs frei.

    Bei der Zahl der Covid-19-Patienten in Intensivbetten hat der Landkreis Mühldorf am Inn die höchste Quote: hier sind 50 Prozent der Betten mit diesen Patienten belegt. Dagegen haben weder der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm noch der Landkreis München derzeit überhaupt Covid-Patienten auf der Intensivstation.

    In der Landeshauptstadt München sind aktuell von 511 Betten in der Stadt 459 belegt. Der Anteil der Covid-Patienten auf der Intensivstation beträgt dabei 20,16 Prozent, damit sind 103 Covid-19 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Die Pressesprecherin des Universitätsklinikums (TU) Rechts der Isar, Barbara Nazarewska, sagte zum BR: "Wir merken derzeit eine leichte Entspannung der Covid-Belegung. Nach wie vor haben wir aber eine hohe Auslastung in der Intensivbelegung."

    Schwaben: Lage besonders in Augsburg angespannt

    Trotz rückläufiger Corona-Infektionszahlen sind die meisten Intensivstationen in Schwaben stark ausgelastet. Für Kempten, den Landkreis Augsburg und den Landkreis Aichach-Friedberg meldet das DIVI-Meldesystems des Robert-Koch-Instituts, dass momentan keine Intensivbetten mehr frei sind. Zwischen einem und sechs Covid-Patienten werden in den Kliniken gerade intensivmedizinisch betreut. Im Klinikum Augsburg sind 31 Covid-Patienten auf der Intensivstation in Behandlung, 87 auf der Normalstation. Neun Intensivbetten sind noch frei. In Memmingen, den Landkreisen Oberallgäu, Unterallgäu, Dillingen und Aichach-Friedberg ist die Lage mit ein bis zwei freien Intensivbetten – was um die zehn Prozent der Gesamtkapazität entspricht – recht angespannt. Nur in den Landkreisen Ostallgäu und Neu-Ulm sind noch über 40 Prozent der Intensivbetten frei.

    Kein Weihnachts- und Silvesterpeak

    Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) teilte derweil mit, dass Weihnachten und Silvester in Deutschland zu keiner Verschärfung bei den schweren Fällen der Infektion mit dem Coronavirus geführt habe. Es sei auf den Intensivstationen kein "Weihnachts- und Silvesterpeak" zu erkennen, sagte der Präsident der Vereinigung, Gernot Marx, in Berlin. Dennoch warnte er:

    "Wir sind noch weit weg von einer Situation, in der man von einer Entspannung sprechen kann." Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

    Laut Marx sind in Form einer sinkenden Zahl von Intensivpatienten erste positive Wirkungen des Lockdowns auf den Intensivstationen zu erkennen. Dennoch sei die Situation "weit weg von einer Entspannung". Marx appellierte, sich weiter konsequent an die Kontaktbeschränkungen zu halten. Sollte sich die in Großbritannien aufgetauchte Variante des Coronavirus auch in Deutschland ausbreiten, drohe eine große Belastung.

    Das RKI zählt in Bayern noch in sieben Landkreisen und kreisfreien Städten eine Zahl von mehr als 200 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche. Vor rund einer Woche waren es noch 30 Landkreise und kreisfreie Städte. Die höchsten Werte weist das Institut dabei für die Stadt Ansbach mit 289,5 und die Landkreise Wunsiedel mit 262,9 und Regen mit 246,7 aus - gefolgt von den Landkreisen Berchtesgadener Land (224,7), Tirschenreuth (220,7), Passau (204,5) sowie der Stadt Coburg mit 202,1.

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