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Bildrechte: BR/Hermann Scholz

Busreisen laufen langsam an

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Corona-Krise: Wie geht es den Reisebusunternehmen?

Trotz Millionen-Hilfe macht die Reisebusbranche ernste Zeiten durch. Durch strenge Corona-Regeln im März waren Busreisen verboten. Seit Juni sind sie wieder erlaubt, laufen aber nur langsam an. Klassenfahrten oder Reisen zu Fußballspielen fallen weg.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Hermann Scholz

Weingartner Reisen aus Gündlkofen bei Landshut ist ein Familienunternehmen. Vater Christian, Mutter Liane und Tochter Lucie führen den Betrieb mit mehreren Reisebüros und Reisebussen. Von den zehn Bussen sind fünf allerdings abgemeldet – im Moment finden vielleicht einmal pro Woche Reisen mit dem Bus statt. Die Weingartners retten sich, indem sie ihre Busse als Schulbusse einsetzen oder im Nahverkehr fahren.

Kurzarbeit hilft, kostet aber Mitarbeiter

Seit im März die Busreisen von einem Tag auf den anderen nicht mehr stattfinden durften, sind die 45 Mitarbeiter von Weingartner Reisen in Kurzarbeit. Eine große Hilfe, sagt Christian Weingartner. Aber nicht nur.

Gerade Mitarbeiter, die ein Haus gebaut haben, hätten gemerkt, dass sie mit dem Geld nicht mehr zurechtkommen, erzählt Liane Weingartner. Diese Mitarbeiter hätten den Betrieb dann verlassen.

"Die haben, Gott sei Dank, für sich einen anderen Job gefunden. Und haben aber trotzdem noch Kontakt zur Weingartner-Familie, und sagen mir alle drei, vier Wochen: wenn's wieder aufgeht, Frau Weingartner, dann komm ich fei wieder." Liane Weingartner

Vom Touristik-Bachelor zur Schulbusfahrerin

Auch Tochter Lucie Weingartner hätte sich ihren Berufseinstieg wohl anders vorgestellt. Sie hat vor drei Monaten ihren Bachelor in "International Business Tourism Management" in Heidelberg gemacht.

Ihre Bachelor-Arbeit schrieb sie schon darüber, wie Reisebusunternehmen mit der Corona-Krise fertig werden. Sie wollte für ein Jahr in den Betrieb ihrer Eltern zurückkehren. Lucie beherrscht Englisch und Spanisch fließend. Jetzt fährt sie einen der Schulbusse. Und sagt, sie habe ja noch Glück: keiner ihrer Kommilitonen habe ein Jobangebot.

16 Bundesländer, 16 verschiedene Regeln

Wenn Lucie Weingartner nicht gerade Schulbus fährt, kümmert sie sich im Büro um die Reisen, die stattfinden. Die Planung wird immer komplizierter, erklären die Weingartners. Die Lage ändert sich täglich. Regionen werden zu Risikogebieten. Landkreise werden zu Corona-Hotspots - Fahrgäste aus diesen Regionen dürfen die Weingartners womöglich nicht befördern.

Dazu kommt: jedes Bundesland erlässt seine eigenen Corona-Regeln für Busreisen: Maskenpflicht, Abstandsregeln, Hygienevorschriften. Und die ändern sich immer wieder, bei Nichtbeachtung drohen Strafen. Eine Fahrt quer durch Deutschland erfordert auf einmal viel mehr Aufwand als früher.

Busunternehmen droht Milliarden-Verlust

Ein Problem, das die ganze Branche hemmt, meint der Geschäftsführer des Landesverbandes Bayerischer Omnibusunternehmen, Stephan Rabl. Drei Milliarden Euro werden die Unternehmen in Bayern dieses Jahr verlieren, schätzt er. Diese Summe steht gegen die 170 Millionen Euro, die der Bund den Unternehmen als Hilfe zahlt.

"Im Großen und Ganzen ist es der Tropfen auf den heißen Stein. Partizipieren von der Hilfe können nur diejenigen Unternehmen, die ihre Fahrzeuge fremd finanziert haben", sagt Rabl. Die könnten entsprechende Hilfen einfordern.

"Alle anderen, (wie es in Bayern häufig üblich ist), die ihre Fahrzeuge eigenfinanziert haben, weil sie vorher gut gewirtschaftet haben, können da leider kein Geld abrufen." Stephan Rabl, Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen

Die Weingartners versuchen, optimistisch zu bleiben. Den Winter über wird das Geschäft wohl so bleiben wie jetzt: praktisch tot. Aber ab April könnte es wieder losgehen. Den Sommerkatalog für Reisen 2021 entwerfen sie jedenfalls schon mal.

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