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Corona-Krise verstärkt Vernachlässigungen und Ängste bei Kindern | BR24

© BR/Kilian Geiser

Seit der Corona-Pandemie kommen, laut Berufsverband Kinder- und Jugendärzte, in die Arztpraxen mehr Kinder, die vernachlässigt sind, an Depressionen leiden oder zum Beispiel Angstzustände haben. Mehr Gewalt gegen Kinder gibt es augenscheinlich nicht.

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Corona-Krise verstärkt Vernachlässigungen und Ängste bei Kindern

Seit der Corona-Pandemie kommen, laut Berufsverband Kinder- und Jugendärzte, in die Arztpraxen mehr Kinder, die vernachlässigt sind, an Depressionen leiden oder zum Beispiel Angstzustände haben. Mehr Gewalt gegen Kinder gibt es augenscheinlich nicht.

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Exzessiver Medienkonsum, Vernachlässigungen, Depressionen und Angstzustände sind Probleme, mit denen sich die Kinderärzte in Schwaben im Zuge der Corona-Krise verstärkt befassen müssen. Das erklärte Dr. med. Christian Voigt, Obmann für Augsburg und Nordschwaben im Berufsverband Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Aggressive Wutausbrüche und Essstörungen bei Kindern

Eltern berichten in den Praxen von aggressiven Wutausbrüchen bei Kindern, wenn sie versuchen, diese mitten in der Nacht vom Computerspielen abzuhalten ebenso wie von verschärften Essstörungen, die zu erheblichen Gewichtszunahmen führen.

Unter Ängsten und Sorgen der Eltern leiden oft auch Kinder

Immer wieder kämen in der aktuellen Situation negative Nachrichten zum Thema Corona und Ängste der Eltern, etwa die Sorge um den Arbeitsplatz, zusammen, sagte Voigt. „Wenn Menschen eingesperrt sind und ihren Arbeitsplatz verlieren, leiden oft die Kinder darunter“, erklärte der Kinderarzt. Gerade bei labilen Kindern mit labilen Eltern befördere das Angstzustände und Depressionen, erklärte der Kinderarzt.

Gewalt gegen Kinder hat offenbar nicht zugenommen

Eine Kollegin schilderte Voigt jüngst einen Fall eines Jungen, der von seiner Mutter mit einem Stock geschlagen wurde. Anzeichen für häusliche Gewalt sind in den Kinderarztpraxen aber die Ausnahme. Auch die Chefärztin der Kinder und Jugendpsychiatrie der Klinik Josefinum mit Standorten in Augsburg, Kempten und Nördlingen erklärte auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks, aktuell sehe man keine Anzeichen für einen Anstieg körperlicher Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Längst nicht alle Gewalttaten gegen Kinder kommen ans Licht

Kinderarzt Voigt, der selbst in Stadtbergen im Landkreis Augsburg tätig ist, betont in diesem Zusammenhang allerdings auch: „Wir sehen immer nur das, was die Familien uns zeigen.“ Viele Kinder fielen durchs Raster, weil sie nur zu zwingenden Terminen, etwa für einen Antrag im Kindergarten, zum Arzt gebracht würden.

Viele Probleme der Kinder werden sich erst in einigen Monaten zeigen

Während körperliche Verletzungen aber zumindest sofort registriert werden könnten, geht Voigt davon aus, dass sich viele anderen Auswirkungen der aktuellen Krise erst später zeigen werden. Er erwartet, dass die Kinderarztpraxen in etwa drei bis sechs Monaten mit vielen Fällen konfrontiert werden, die der Krise geschuldet sind oder durch sie massiv verschärft wurden.