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Corona und Schule

Corona-Krise: Todesfälle in bayerischen Pflegeheimen | BR24

© BR/Johanna Schlüter

Symbolbild: Todesfälle in bayerischen Pflegeheimen

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    Corona-Krise: Todesfälle in bayerischen Pflegeheimen

    Trotz der Besuchsverbote haben sich in Seniorenheimen Menschen mit Corona infiziert - mit entsprechenden Folgen. Neben Würzburg, Schweinfurt und München sind auch Heime im oberpfälzischen Windisch-Eschenbach und im schwäbischen Harburg betroffen.

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    In Bayern sind zahlreiche ältere Menschen in Altersheimen am Coronavirus erkrankt. Sie haben sich trotz des bestehenden Besuchsverbots angesteckt. Bei ihnen ist der Krankheitsverlauf oft deutlich schlimmer als bei jüngeren Menschen. In manchen Seniorenresidenzen sind schon mehrere Personen gestorben.

    Viele Senioren im AWO-Heim Windischeschenbach angesteckt

    Für Andreas Maier, Landrat von Neustadt an der Waldnaab, ist es eine schwierige Situation: In seinem Landkreis haben sich mehr als die Hälfte der Bewohner des AWO-Seniorenheimes in Windischeschenbach mit dem Corona-Virus infiziert. Drei Bewohner sind daran verstorben. Zwei Senioren befinden sich derzeit in stationärer Behandlung. Und auch ein Teil der Pflegekräfte ist betroffen: mindestens 19 sind Corona-positiv – und einige Testergebnisse stehen noch aus.

    Corona-Virus: So schaffen es die Oberpfälzer

    "Eine Riesenherausforderung" – Betreuung aber "gesichert"

    Was gerade im AWO-Heim passiere, sei eine Riesenherausforderung für alle Beteiligten, so der Landrat. Er ist aber zuversichtlich, dass die Betreuung weiterhin gut gesichert wird: "Wir haben Freiwillige, die sich angeboten haben, wir haben Personal, das gesagt hat, jawohl, ich bin vielleicht ebenfalls Corona-positiv, ich würde positiv getestete Bewohnerinnen und Bewohner betreuen". Insgesamt hat das Seniorenheim 70 Plätze. Die infizierten Senioren wurden nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Weiden/Neustadt an der Waldnaab isoliert und versorgt. Laut Landrat Andreas Maier sei bisher sei noch völlig unklar, durch wen das Virus in die Einrichtung getragen wurde.

    Todesfälle im Harburger Ellen-Märker-Haus

    Wohl noch mehr Todesfälle könnte es mittlerweile in einem Pflegeheim im schwäbischen Harburg geben. Im Ellen-Märker-Haus sind seit Freitag neun Senioren verstorben. Laut dem zuständigem Landrat Stefan Rößle wurden bisher zwar nur zwei der Toten positiv auf das Corona-Virus getestet. Wegen des engen zeitlichen Zusammenhangs sei bei allen Todesfällen aber von einer Covid-19 Erkrankung als Ursache auszugehen.

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    Pflegedienstleiter Michael Kupke ist tief betroffen, innerhalb von nur vier Tagen ist jeder sechste Bewohner des Ellen-Märker-Hauses gestorben. "Das sind alles Menschen, die ich schon lange kenne, die mir sehr am Herzen liegen, oder die Angehörigen." Hilflosigkeit macht sich beim Pflegedienstleiter breit. Oft weiß das Personal nicht, wie es mit den weiteren Bewohnern des Pflegeheimes verfahren soll.

    Die Bewohner blieben zum größten Teil in den Zimmern, oft wäre es schwierig, auf die einzelnen Bedürfnisse einzugehen. Für Demenzkranke zum Beispiel könne die Situation besonders belastend sein. "Aber ich kann sie nicht einsperren, dann werden sie aggressiv", so Michael Kupke. Eine schwere Situation auch für die Angehörigen.

    Pflege-Experte Claus Fussek fordert kreative Lösungen

    Laut dem Pflege-Experten Claus Fussek sind jetzt kreative Lösungen gefragt, wie alte Menschen und ihre Angehörigen die Krise überstehen können. Angesichts des Besuchsverbots in Altersheimen plädiert er für verstärkte Kommunikation und Transparenz. Eine mögliche Lösung: das Personal durch andere Berufsgruppen, wie Psychologinnen und Seelsorger, zu entlasten – und dadurch die Kommunikation mit den sorgenden Angehörigen weiter zu gewährleisten.

    Claus Fussek rechnet damit, dass das Coronavirus die Pflege in Heimen an die Grenzen bringen wird. Kein ausreichender Schutz für Patienten und Pflegekräfte, Personalmangel, Einsamkeit: Diese Probleme seien nicht neu. Die Corona-Krise habe die Missstände nur intensiviert. Die Hoffnung hat er aber noch nicht aufgegeben und glaubt: "Wenn wir das gemeinsam schaffen, und das wird nur gemeinsam gelingen, muss das gesamte Pflegesystem auf den Prüfstand gestellt werden."

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