BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Krise sorgt für Verwerfungen auf dem Milchmarkt | BR24

© BR/Johanna Schlüter

Einige Molkereien konnten von gestiegener Nachfrage in Supermärkten profitieren.

9
Per Mail sharen

    Corona-Krise sorgt für Verwerfungen auf dem Milchmarkt

    Die Corona-Krise hat viele Branchen in Bayern ziemlich durcheinander gebracht. Die Lebensmittelproduktion ist da keine Ausnahme. Bei Milch und Milchprodukten sind die Auswirkungen auf die Molkereien allerdings höchst unterschiedlich.

    9
    Per Mail sharen

    Die Nachfrage nach Lebensmitteln in den Supermärkten ist seit Beginn der Corona Krise größer als sonst. Auch bei Milch und Milchprodukten. Das hat nicht unbedingt nur etwas mit Hamsterkäufen zu tun. Die Menschen sind mehr Zuhause, arbeiten im Home-Office und versorgen sich daheim, statt in Kantinen zu essen. Darum wird mehr eingekauft - auch mehr Milch und Milchprodukte. Molkereien, die hauptsächlich Käse und Milchprodukte für den Lebensmitteleinzelhandel produzieren, konnten daher bislang von einer gestiegenen Nachfrage profitieren, wie beispielsweise die Molkerei Hochland in Schongau. Dabei waren es vor allem die Handelsketten, die sich zu Beginn der Corona-Maßnahmen für die steigende Nachfrage wappnen wollten und sich quer über alle Produktgruppen von Hartkäse bis Feta eingedeckt haben, berichtet Hochland-Marketingvorstand Thomas Brunner.

    Nachfrage-Plus pendelt sich ein

    Manche Handelsketten hätten zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen die doppelte oder gar dreifache Menge geordert. "Zeitweise hatten wir fast Lieferengpässe und mussten samstags und sonntags rund um die Uhr arbeiten, um die Nachfrage einigermaßen bedienen zu können", so Brunner. Inzwischen habe sich das Nachfrage-Plus aber bei zehn bis 15 Prozent eingependelt. Auf der anderen Seite hat die Molkerei, wie viele andere auch, massive Einbrüche bei den Lieferungen an die Gastronomie. Die ist entweder geschlossen oder kann nur To-go anbieten, es wird nur ein Bruchteil der normalen Mengen bestellt. Hochland konnte das im März noch mit dem Plus aus dem Einzelhandel ausgleichen. Doch auch das ändert sich seit April.

    Absatz für die Gastronomie fehlt

    Wer überwiegend für die Systemgastronomie, etwa für Fastfoodketten, produziert, hat es gerade schwer, wie zum Beispiel die Goldsteig Bayerwald Käsereien in Cham. Hauptgeschäftsführer Andreas Kraus berichtet, ein Teil des Geschäfts sind sonst große Gebinde, etwa zwei oder drei Kiloeimer Mozzarella für die Gastronomie. Die würde jetzt nicht mehr gebraucht. "Damit fallen die Bestellungen weg und das führt dann zu den Problemen, dass uns der Absatz fehlt", so Kraus. Gleichzeitig könne dieser nicht eins zu eins durch die zusätzliche Nachfrage aus dem Einzelhandel ersetzt werden. Denn die Menschen kaufen für zuhause nicht dieselben Produkte, die sie in der Gastronomie essen würden und eben auch keine Großpackungen.

    Schwierigkeiten beim Export

    Auch der Export, auf den die bayerische Milchindustrie insgesamt angewiesen ist, bereitet Probleme. Die Nachfrage wäre zwar da, aber bei der Logistik gibt es Schwierigkeiten. Abfertigungen an den Grenzen dauern länger, Container werden nicht im Zeitplan entladen, kehren nicht zurück und fehlen für weitere Lieferungen. Wegen stark rückläufiger Exporte nach China und Südeuropa hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) bereits vor Wochen vor deutlichen Milchüberschüssen und Preisverfall gewarnt. Der Verband fordert eine Drosselung der Milchmenge, weil derzeit insgesamt mehr Milch produziert werde als benötigt.

    Milchpreis in Bayern bisher noch stabil

    Was den Milchpreis in Bayern angeht, ist die Situation aber offenbar noch nicht so dramatisch wie befürchtet. Anfang der Woche wurden die Gelder für die im März angelieferte Milch ausbezahlt. Verglichen mit dem Vormonat, so Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger Bayern, ist der Milchpreis im März gleichgeblieben. Es habe bislang nur eine einzige bayerische Molkerei gegeben, die auf die Situation preislich reagieren musste. Alle anderen hätten die Auszahlungen an die Milchbauern gleich belassen. Einzelne Molkereien konnten den Milchpreis sogar minimal erhöhen.

    Anders als etwa in den USA und Großbritannien musste bislang in Bayern auch keine Milch vernichtet werden. Alles wurde verarbeitet. Wie sich die Situation weiterentwickelt, wird maßgeblich davon abhängen, wie sich schrittweise Lockerungen der Corona-Maßnahmen auf die Exporte und die Nachfrage aus Gastronomie und Hotellerie auswirken.