BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Corona-Krise: So geht es weiter an Bayerns Schulen | BR24

© pa/Dpa/Peter Kneffel

München: Schülerinnen einer vierten Klasse waschen sich am Morgen im Schulhof der Klenzeschule unter Aufsicht gründlich die Hände.

3
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Krise: So geht es weiter an Bayerns Schulen

Ein Freizeitprogramm für die Sommerferien, im Herbst ein "Regelbetrieb mit Hygieneauflagen", Lernstandskontrollen und Förderangeboten: Das bayerische Kabinett hat beschlossen, wie es für die Schüler im Freistaat in Corona-Zeiten weitergehen soll.

3
Per Mail sharen

Die bayerische Staatsregierung sucht für die Schulen im Freistaat nach Wegen für eine Rückkehr zu mehr Normalität trotz Corona. Bis zu den Ferien soll es bei der bisherigen Linie der behutsamen Öffnung bleiben, wie Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) in München sagte. Genau elf Wochen vor dem Start des neuen Schuljahrs beschloss das Kabinett aber ein "Bündel von Maßnahmen" für den Herbst. Im Idealfall sollen dann wieder alle Schüler gleichzeitig unterrichtet werden. Ein Überblick.

Vor den Sommerferien: Wechsel von Unterricht und "Lernen zu Hause"

Am Fahrplan bis zu den Sommerferien will Kultusminister Piazolo nicht mehr rütteln. Das habe er mit allen Verbänden bereits besprochen - Lehrern, Eltern und Schülern. Bis Ende des Schuljahres bleibe es beim Wechsel zwischen Unterricht in der Schule unter hohen Hygienestandards und dem Lernen zu Hause.

Das laufende Schuljahr sei zwei kein normales, "aber auch kein verlorenes". Alle Abschlüsse sollen laut Piazolo gewährleistet werden. Wichtig sei dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und ihm selbst, dass alle Schüler fair behandelt werden. Deswegen werde es "ein großzügiges Vorrücken auf Probe" geben, aber auch eine "Nachberatung mit den Eltern".

Zum Ende des Schuljahres soll - "so weit das möglich ist - der vermittelte Lernstoff" erfasst werden. Das sei wichtig für alle, die die Klasse wechseln oder einen neuen Lehrer bekommen. Für den neuen Lehrer sei dann klar, welche Inhalte schon vermittelt wurden und welche noch nicht.

Betreuung den Sommerferien

In den Sommerferien will die Staatsregierung zusätzliche "freizeitpädagogisch orientierte Ferienangebote" ermöglichen. Nach Angaben Staatskanzlei wird der Freistaat einmalig Fördermittel bereitstellen, um in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jugendring bereits bestehende Programme auf lokaler und kommunaler Ebene zu ergänzen.

Hintergrund sei, dass viele Eltern während der Schulschließungen ihren Urlaub schon aufgebraucht hätten, um in dieser Zeit ihre Kinder zu betreuen, erläuterte der Kultusminister. Die Angebote sollen sich vor allem an die Jahrgangsstufen eins bis sechs richten. Der Bedarf werde derzeit unverbindlich abgefragt, sagte Piazolo.

Vier Szenarien für den Schulstart nach den Sommerferien

Für das neue Schuljahr entwickelte das Kultusministerium mehrere Modelle: Das "Szenario 1" sieht die angestrebte Rückkehr zum Regelbetrieb vor, es wurden aber auch Alternativ-Szenarien aufgestellt, um auf neue Entwicklungen beim Infektionsgeschehen sofort reagieren zu können.

Szenario 1 - "Regelbetrieb unter Hygieneauflagen": Im Herbst sollen nach dem Willen des Kultusministers wieder alle Schüler gleichzeitig im Unterricht sitzen - statt nur halbe Klassen im Wechsel. "Ziel ist es, einen Regelbetrieb mit Hygieneauflagen im September, am 8.9. mit Schulbeginn, zu starten", sagte Piazolo. "Das bedeutet: so viel Normalität wie möglich bei so viel Gesundheitsschutz wie nötig." Voraussetzung dafür ist aber, dass sich das Infektionsgeschehen positiv entwickelt.

Wenn wieder die ganze Klasse im Klassenzimmer sitze, könne das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen den Schülern nicht mehr eingehalten werden, erläuterte der Minister. Dies solle durch Hygienevorschriften abgefedert werden, die zusammen mit dem Gesundeitsministerium entwickelt würden. Geplant seien zudem Corona-Tests insbesondere für Lehrer.

Szenario 2 - Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht: Sollte die Urlaubssaison zu einem spürbaren, aber "maßvollen" Anstieg der Corona-Infektionen in Bayern führen, würden die Schulen nach Angaben Piazolos zum derzeitigen Modell zurückkehren - dem Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht. Dann würde auch wieder das Abstandsgebot im Klassenzimmer gelten, es gäbe eine Notbetreuung, und die Lehrpläne müssten angepasst werden

Szenario 3 - regionale Schulschließungen: Bei einer stärkeren lokal begrenzten Corona-Ausbreitung sollen die Schulen in einem solchen Hotspot vorübergehend geschlossen werden. Für die Schüler gäbe es dann einen "kurzfristig anberaumten Distanzunterricht", sagte der Minister.

Szenario 4 - eine zweite Corona-Welle: Im Fall einer zweiten Corona-Welle in Bayern käme es laut Piazolo wieder zu flächendeckenden Schulschließungen. "Das würde natürlich bedeuten: überall Distanzunterricht", betonte der Freie-Wähler-Politiker. Dies sei das Szenario, "das wir uns am wenigsten wünschen".

Lernstandserhebungen und Förderangebote

Das neue Schuljahr soll Piazolo zufolge mit einer "Phase des Ankommens" starten. Sollte der Regelbetrieb wieder aufgenommen werden können, werde bei den Schülern zu Beginn der jeweilige "Lernstand" festgestellt. Für Schüler mit Wissenslücken werde es eine "Heranführungsstrategie" geben, kündigte der Minister an.

Je nach Schuljahr werde es für eine Dauer von acht oder 13 Wochen spezielle Förderangebote für jene Schüler geben, die auf Probe in die nächste Jahrgangsstufe vorgerückt seien, die ein Lerndefizit in einem Kernfach oder Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hätten. Dafür gebe es ein Budget an Lehrerstunden, das aber auf Kosten des Wahlunterrichts gehen werde.

© BR

Ab Herbst sollen wieder alle Schülerinnen und Schüler regulär den Unterricht besuchen, wenn auch unter besonderen Hygieneauflagen. Das hat Kultusminister Piazolo heute bekanntgegeben.

Digitalisierung wird ausgebaut

Die Digitalisierung an den Schulen soll weiter ausgebaut werden. Sie habe in den vergangenen Wochen einen Schub bekommen, diesen Schwung wolle man mitnehmen, sagte Piazolo. So werde der Distanzunterricht in der Schulordnung verankert. Grundsätzlich sichergestellt sein solle dabei künftig eine fachliche Betreuung der Schüler. Es werde regelmäßigen Kontakt zwischen Lehrern und Schülern geben sowie eine Feedbackkultur. Vorgesehen sie auch eine Kontrolle von Arbeitsergebnissen.

Um die technischen Voraussetzungen weiter zu verbessern, sei ein digitales Gesamtpaket geschnürt worden, betonte Piazolo. Zentrale Bausteine seien die Schulplattform Mebis sowie ein ergänzendes Werkzeug zur onlinebasierten Kommunikation für die weiterführenden Schulen. Laut Staatskanzlei sollen alle Schüler die Möglichkeit haben, auch zu Hause mit digitalen Medien zu lernen. Wer zu Hause keinen Zugang zu einem geeigneten digitalen Endgerät habe, solle dies bei der Schule befristet ausleihen können.

Das sagt die Opposition

Der SPD-Landtagsfraktion geht die Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen zu langsam. "Der normale Präsenzunterricht sollte immer oberste Priorität haben - und das nicht erst nach den Sommerferien", betonte SPD-Bildungsexpertin Simone Strohmayr. "In Gebieten mit wenigen Corona-Fällen hätte man längst zum Regelbetrieb übergehen können." Im Fall steigender Corona-Zahlen sollte es ihrer Meinung nach keine flächendeckenden, sondern nur punktuelle Einschränkungen an brisanten Hotspots geben. Das angekündigte Förderangebot begrüßt die SPD-Fraktion - beklagt aber, dass noch viele Fragen offen seinen.

Die Grünen-Fraktion fordert derweil Bildungs- und Betreuungsangebote in den Sommerferien. Kultusminister Piazolo schiebe die Verantwortung von sich weg und plane nur freizeitpädagogische Angebote vor, die in der Verantwortung der Kommunen lägen, kritisierte Grünen-Bildungsexpertin Gabriele Triebel. "Es ist unsere Aufgabe, Lehren und Lernen zu gestalten. In Zeiten der Corona-Krise heißt das, in Zusammenarbeit mit den Kommunen Angebote für Betreuung und Bildung zu machen, beispielsweise zum Nachholen des Stoffes für alle Schülerinnen und Schüler, nicht nur für die, die auf Probe vorrücken." Sie fordert daher ein Konzept für eine "Sommerschule 2020".

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!