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In Bayern werden die Intensivbetten knapper

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Corona-Krise: In Bayern werden die Intensivbetten knapp

Die Situation in Bayerns Krankenhäusern wird immer ernster. Mehrere Landkreise müssen neue Intensivpatienten bereits abweisen. Betroffen sind vor allem ländliche Regionen. Aber auch in den Metropolen spitzt sich die Lage allmählich zu.

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  • Christoph Dicke
  • BR24 Redaktion

In Bayern werden wegen der Corona-Krise die Intensivbetten knapp. Mehrere Landkreise meldeten am Samstag, kein einziges freies Intensivbett sei mehr zu haben - das geht aus dem deutschlandweiten Register der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hervor. Überhaupt keine freie Betten gibt es demnach in den Landkreisen Würzburg, Landshut, Regen, Aichach-Friedberg, Landsberg-Lech, Altötting und Fürstenfeldbruck. Viele andere Kommunen meldeten nur noch ein bis zwei freie Intensivbetten.

Noch 300 freie Intensivbetten für schwere Covid-19-Fälle

Die bayerische Staatsregierung sieht aktuell noch keinen akuten Notstand, ist aber in Alarmstimmung. "In der Gesamtbetrachtung stehen bayernweit noch ausreichend Allgemein- wie auch Intensivbetten-Kapazitäten zur Verfügung", betonte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Die Zahl der freien Intensivbetten mit invasiver Beatmungsmöglichkeit für besonders schwer erkrankte Corona-Patienten liegt nach Humls Worten aber nur noch bei rund 300, sagte sie bereits gestern Nachmittag.

"Vereinzelt ist die Situation – abhängig vom jeweiligen lokalen Infektionsgeschehen – dementsprechend bereits sehr ernst", sagte die Ministerin.

Patienten müssen verteilt werden

Wenn in einem Landkreis keine Betten mehr frei sind, bedeutet dies nicht, dass keine Behandlung mehr möglich wäre. Aber neue Intensivpatienten müssen zum Teil über weite Entfernungen in andere Krankenhäuser gebracht werden. Bayernweit waren laut Intensivregister am Samstag noch 13 Prozent der gut 3.400 Intensivbetten frei. Abgesehen davon wurden Mitte der Woche knapp 3.500 Corona-Patienten auf Allgemeinstationen behandelt.

Auch Metropolen sind betroffen

Die Landkreise, die keine freien Betten mehr haben, sind überwiegend ländlich geprägt, dort gibt es ohnehin weniger Intensivbetten als in den Großstädten. Doch auch in München und Nürnberg spitzt sich die Situation zu. So meldeten die Krankenhäuser der Landeshauptstadt von 517 nur noch 37 freie Intensivbetten, das entspricht einem Leerstand von sieben Prozent, weit weniger als üblich. In Nürnberg waren von insgesamt 147 Intensivbetten lediglich 18 nicht belegt.

Fehlendes Personal als Problem

Die bayerischen Krankenhäuser haben zwar eine Notfallreserve von 1.159 weiteren Intensivbetten gemeldet, die bei Bedarf aufgestellt werden könnten. "Dies bedeutet aber unter anderem, dass aufschiebbare Behandlungen zurückgestellt und Personal-Notfallpläne in Kraft treten müssen", sagt Huml. Das würde demnach bedeuten, dass Mitarbeiter aus der Elternzeit oder dem Ruhestand zurückgeholt werden.

Nicht dringende Operationen zurückstellen?

Huml forderte den Bund auf, die vorgeschriebene Personaluntergrenze für die Pflege vorübergehend auszusetzen. Eine zweite Möglichkeit wäre, dass die Krankenhäuser nicht dringliche Operationen zurückstellen könnten. Dabei spielen aber auch die Finanzen eine Rolle: "Entscheidend für die Bereitschaft der Krankenhäuser, planbare Eingriffe zu verschieben, ist jedoch die Frage, in welchem Umfang sie hierfür Ausgleichszahlungen erhalten", sagte Huml dazu.

Experten rechnen erst im Frühjahr mit Entspannung

Intensivmediziner rechnen noch über Wochen mit einer angespannten Lage auf den Intensivstationen - ungeachtet der bald anlaufenden Impfungen. "Die Impfungen werden sich im geringen Umfang auch auf den Intensivstationen wohl erst ab März oder April positiv niederschlagen", sagte DIVI-Präsident Uwe Janssens der "Rheinischen Post".

Janssens verwies auf den geplanten Ablauf der Immunisierungskampagne. "Die erste Gruppe der Impfpersonen sind knapp neun Millionen Menschen, wir haben aber zwischen 15 und 21 Millionen vulnerable Personen in Deutschland, also Menschen, die älter sind oder eine Vorerkrankung haben." Diese gelten als besonders gefährdet für schwere Krankheitsverläufe bei einer Corona-Infektion.

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