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Landsaid-Projektleiterin Carola Gerhardinger würde gerne zum Hilfseinsatz nach Griechenland aufbrechen.

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    Corona-Krise erschwert Griechenland-Hilfseinsatz von Landsaid

    Die Kauferinger Hilfsorganisation Landsaid möchte mit Ärzten in griechischen Lagern helfen. Flüchtlinge würden dort unter katastrophalen Bedingungen leben, kritisiert die Organisation. Doch Corona zwingt die Helfer im Moment zur Tatenlosigkeit.

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    Von
    • Florian Regensburger

    Die Hilfsorganisation Landsaid aus Kaufering kämpft nach eigenen Angaben mit Problemen bei der Vorbereitung eines Hilfseinsatzes in den Flüchtlingslagern auf dem griechischen Festland. Bis vor wenigen Tagen war ein Erkundungsteam, zu dem Landsaid-Projektleiterin Carola Gerhardinger gehört, in zwei der acht Lager rund um Thessaloniki unterwegs, um sich über die Lage dort zu informieren.

    "In Europa noch nicht gesehen"

    Im Gespräch mit dem BR berichtet Gerhardinger von "erschreckenden Zuständen", wie sie sie in zehn Jahren Tätigkeit bei der Hilfsorganisation "in Europa noch nicht gesehen" habe. Viele Familien mit kleinen Kindern lebten in Zelten, die beispielsweise "aus Pappdeckeln und Plastikplanen selbst zusammengeschustert" seien. Die Wohncontainer reichten bei Weitem nicht aus.

    Die Menschen litten häufig unter Mangelerscheinungen, entzündeten Wunden und Zahnproblemen, aber auch Hautkrankheiten wie der Krätze. Medizinisch würden sie "wenig bis gar nicht versorgt". Es mangele an sauberem Wasser und Nahrungsmitteln. Viele der Lagerbewohner seien schwer traumatisiert. Ein unkontrollierter Corona-Ausbruch habe zwar noch nicht stattgefunden, werde aber befürchtet.

    Lager nicht für den Winter geeignet

    Erschwerend stehe der Winter vor der Tür, die Camps seien jedoch kaum für winterliche Bedingungen geeignet. Die Kinder der Familien, die bis zu ihrer Registrierung oft mehrere Jahre in den Lagern lebten, hätten zwar theoretisch einen Zugang zum Bildungssystem, könnten also in Griechenland zur Schule gehen. Jedoch bräuchten sie dafür bestimmte Impfungen, die sie nicht bekämen, und sie sprächen zudem meist die Sprache nicht. Die Folge sei Perspektivlosigkeit.

    "Anstrengend und frustrierend"

    Eigentlich möchte Landsaid mit zwei medizinischen Teams nach Griechenland aufbrechen. Doch der Corona-Lockdown in Griechenland erschwere dies: "Wenn unsere medizinischen Teams vor Ort sind, aber das Haus nicht verlassen dürfen, können sie niemandem helfen", sagt Gerhardinger. Man könne nun nur abwarten, wie sich die Pandemie-Lage entwickele. Dies sei "anstrengend und frustrierend".

    Laut einem UNO-Bericht lebten auf dem griechischen Festland derzeit rund 75.000 Flüchtlinge, vor allem Familien aus Afghanistan, Syrien und Kurdistan.

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