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Die Eltern sind positiv, das Kind aber negativ. Viele Eltern müssen ihre Kinder trotz einer Covid-Erkrankung zuhause betreuen.

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    "Verloren gefühlt": Corona-kranke Eltern mit Kind in Quarantäne

    Ein positiver Corona-Test ist immer eine schlechte Nachricht für Betroffene. Wenn Corona aber Eltern erwischt, dann wird es kompliziert. Wie ein Elternpaar aus Franken trotz Covid-Erkrankung seine kleine Tochter betreut hat.

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    Von
    • Sümeyye Uğur

    Berkan und Lena hatten Corona und gleichzeitig ein Kleinkind zu betreuen. Ihre Namen haben wir geändert, weil sie anonym bleiben wollen. Das Virus hat es ihnen schwergemacht. Sie hatten Ende letzten Jahres zwei Wochen lang hohes Fieber – 40 Grad – und kamen nur schwer aus dem Bett hoch. Ihre einjährige Tochter war gemeinsam mit ihnen in Quarantäne. Für die Familie waren das zwei lange, anstrengende Wochen.

    Corona-Quarantäne: "Es war die Hölle"

    Berkan erinnert sich noch genau an diese Zeit. Er erzählt davon, dass sie als Eltern ziemlich an ihre Grenzen gekommen sind:

    "Wir waren echt regelrecht eingesperrt und alleine gelassen. Wir haben uns verloren gefühlt und haben einfach nur Angst gehabt, dass wir keine Kraft mehr haben - und eigentlich hatten wir auch gar keine Kraft mehr. Wir waren regelrecht am Limit. Es war die Hölle!"

    Tochter war negativ, aber Kontaktperson

    Angesteckt haben sie sich über Lenas Arbeit – eine Kita. Eines der Kinder war erkrankt, schnell machte sich auch bei Lena Corona bemerkbar. Schlappheit, Kopfweh, Fieber – sie war positiv. Ihr Mann Berkan hatte es kurz danach auch. Nur die kleine Tochter war negativ, musste aber trotzdem mit in Quarantäne, weil sie Kontaktperson ersten Grades war.

    Corona und das Kind betreuen? Wie soll das klappen? Die beiden haben das Gesundheitsamt und ihre Ärzte um Rat gefragt, weil sie nicht wussten, wie sie das schaffen sollen. Die hatten aber keine Lösung parat, also waren sie auf sich allein gestellt und mussten ihre kleine Tochter zuhause betreuen.

    Im Wechsel betreuen und auch mal den Fernseher einschalten

    "Ich habe bei mir auf Funktion eingestellt, ich habe gesagt, ich muss jetzt funktionieren, egal wie. Ich muss einfach funktionieren", erzählt Berkan. Sie hätten sich gerne auskuriert in den Wochen, aber das war nicht möglich. Im Wechsel haben sie versucht, ihre Kleine zu betreuen und bei Kräften zu bleiben.

    Die Erzieherin Lena gibt zu, dass sie in der Zeit auch das erste Mal den Fernseher für die einjährige Tochter eingeschaltet haben. Es liefen dann zwar nur Tier-Dokus, erzählt sie, aber ein schlechtes Gewissen hat sie trotzdem deswegen.

    Vorschlag des Amts: Kind isolieren, nur mit Maske in der Nähe sein

    "Da haben Sie eine schwere Prüfung", habe ihr betreuender Arzt gesagt - und das Gesundheitsamt habe geraten, ihre Tochter nach Möglichkeit in einem anderen Zimmer zu isolieren und nur mit Maske in ihrer Nähe zu sein. Am Anfang haben die beiden das sogar gemacht, aber vergeblich.

    Die Vorgaben des Gesundheitsamts fanden die beiden ziemlich unrealistisch bei einem Kleinkind – erst recht bei einer Einjährigen. Informationen, an wen sie sich in dieser Notsituation wenden können und wo sie Hilfe bekommen können, kamen bei den Eltern nie an.

    Sozialgesetzbuch gibt Regeln vor

    Und das, obwohl es eigentlich Möglichkeiten gibt – zumindest theoretisch. So etwas regelt das Sozialgesetzbuch. Das Bayerische Landesjugendamt sagt auf Anfrage: Kinder können in Notsituationen temporär in einer Pflegefamilie oder einer Jugendhilfeeinrichtung betreut werden.

    Auch kann man mit Absprache der Ämter versuchen, das Kind bei Verwandten, Bekannten oder auch Freunden der Familie unterzubringen. Außerdem gilt: Als erstes die Krankenkasse informieren und eine Haushaltshilfe beantragen, die auch Kinderbetreuung beinhalten kann.

    Wer ist zuständig?

    Sollten Eltern hier nicht weiterkommen oder auf Grund eines plötzlich eintretenden Ereignisses keine Möglichkeit bestehen, mit der Krankenkasse zu sprechen, helfen auch die Jugendämter weiter. Diese haben einen Notdienst, der Rund um die Uhr besetzt ist. Einige Jugendämter haben im Zuge der Corona-Krise gemeinsam mit den Gesundheitsämtern sogar Möglichkeiten geschaffen, dass Familien, die wegen einer Covid-19-Erkrankung in eine Klinik eingeliefert werden, dort zusammen bleiben können.

    Bisher keine einheitliche Regelung

    Die Recherche hat aber gezeigt: Eine einheitliche Vorgehensweise gibt es trotzdem nicht. Die Jugend- und Gesundheitsämter sprechen sich je nach Einzelfall und Alter der betroffenen Kinder ab, um so eine Lösung zu finden. Das klappt an manchen Orten besser als an anderen.

    Berkan und Lena haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen und einfach für ihre Tochter da zu sein, egal wie schlecht es den beiden ging. Wie schafft man das mit Corona?

    "Im Liegen. Also wir haben uns einfach nur hingelegt und versucht, mit Bauklötzen zu spielen, mit einer Hand und mit der anderen haben wir uns ausgeruht. Also versucht, mit letzter Kraft noch ein bisschen zu spielen oder Bücher umzublättern, um Aufmerksamkeit für die Kleine heraus zu holen. Es ging einigermaßen und wenn einer nicht mehr konnte, ist der andere eingesprungen."

    Hilfe durch Nachbarschaft und Freunde

    Ihre Tochter habe das gut mitgemacht, erzählen die beiden. Wahrscheinlich hat sie gemerkt, dass es ihnen Eltern nicht gut geht. Ohne die Solidarität und Hilfe von ihren Nachbarn und Freunden hätten sie es mit Kleinkind in der Quarantäne nicht geschafft, sagen sie. Medikamente kaufen, Essen und Einkäufe vor die Tür stellen – so haben sie die Zeit gut überbrückt.

    Zwei Wochen später sind Lena und Berkan wieder gesund. Das erste, was sie gemacht haben, war, direkt raus in die Natur zu gehen:

    "Es war so surreal, dass wir es einfach nicht fassen konnten, dass wir jetzt draußen sind. Wir waren so glücklich, obwohl es ein bewölkter Tag war. Keiner war draußen, weil es zu kalt war eigentlich, aber wir wollten trotzdem raus und haben Spaß gehabt."

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