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Corona-Kontaktnachverfolgung: Die überlasteten Gesundheitsämter | BR24

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Hochbetrieb im Gesundheitsamt

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    Corona-Kontaktnachverfolgung: Die überlasteten Gesundheitsämter

    "Contact Tracing", die Nachverfolgung von möglichen Covid-Kontaktpersonen, soll helfen, Infektionsketten zu durchbrechen. In Bayern leisten das die Mitarbeiter von 71 staatlichen und fünf kommunalen Gesundheitsämtern. Viele arbeiten am Anschlag.

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    "Haben Sie Geschmacksverlust oder Halskratzen…?" - die Corona-Symptome werden von den 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitsamt Miltenberg vielfach täglich abgefragt. Gerade ist ein positiver Corona-Fall bekannt geworden, der über 100 Kontaktpersonen hatte. Jetzt muss nachtelefoniert und in kürzester Zeit getestet werden.

    Die Arbeitsbelastung ist enorm, das sagt auch der Miltenberger Landrat: "Als Gesamtverantwortlicher blicke ich sorgenvoll auf die Menschen im Gesundheitsamt, weil grenzenlos ist das natürlich nicht leistbar", so Marco Scherf, Grünen-Landrat des unterfränkischen Landkreises.

    Hunderte Überstunden: "Alles dreht sich nur noch um Corona"

    Mancherorts ist die Situation noch gravierender. Ein Mitarbeiter eines Gesundheitsamtes, der anonym bleiben will, erzählt:

    "Die normale Kontrollfunktion des Gesundheitsamtes ist derzeit nicht mehr möglich. Alles dreht sich nur noch um Corona. Dazu kommt, dass viele Mitarbeiter an der Belastungsgrenze sind und hunderte Überstunden vor sich herschieben." Mitarbeiter eines Gesundheitsamtes

    Auch die Staatsregierung kennt die Missstände. Sie weiß, dass die Nachverfolgung nicht immer klappt. Nach der Kabinettssitzung am Dienstag kündigte Ministerpräsident Markus Söder an:

    "Wir werden die Gesundheitsämter stärken müssen. (...) Und zwar werden wir noch mal 2.000 zusätzliche Abordnungen machen für alle Gesundheitsämter in Bayern: davon 1.000 Beamtenanwärter und 1.000 aus der Polizei." Markus Söder, Ministerpräsident

    Im Laufe dieser oder der nächsten Woche soll die Verstärkung in den bayerischen Gesundheitsämtern ankommen.

    Wie viel Entlastung bringen die Aushilfskräfte den Gesundheitsämtern?

    Aus Sicht des anonymen Gesundheitsamts-Mitarbeiters wird das aber nicht nur Entlastung bringen: Es sei schön, wenn die Hygienekontrolleure Unterstützung bekommen - ungelernte Kräfte hätten aber oft nicht das richtige Verständnis für die Corona-Nachverfolgung.

    Dem stimmt auch Landrat Scherf zu. Man sei zwar dankbar über mehr Personal. Das neue Personal müsse aber erst mal ausgebildet werden – zumindest im Crash-Kurs.

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    Das Rüstzeug der Contact Tracer: Telefon und Computertabellen.

    Gesundheitsämter zusammengespart: die Fehler der Vergangenheit

    Aus Scherfs Sicht rächt sich, dass die Gesundheitsämter über Jahre von der Staatsregierung vernachlässigt worden seien.

    "Man hat ganz sicher in der Vergangenheit den Fehler gemacht, dass man die Gesundheitsämter auf das minimal notwendigste herunter reduziert hat - plus, dass die Stellen teilweise sehr schwer zu besetzen waren bzw. nicht besetzt wurden." Marco Scherf, Landrat Miltenberg

    In Miltenberg wäre der Leiter des Gesundheitsamtes eigentlich gerade in den Ruhestand gegangen. Jetzt hat er um sechs Monate verlängert. Wie es danach weitergeht, weiß man hier im Moment noch nicht.

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