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Corona: Kein Zwang zu gestaffeltem Unterrichtsbeginn in Bayern | BR24

© dpa/pa

Schulbus-Haltestelle

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    Corona: Kein Zwang zu gestaffeltem Unterrichtsbeginn in Bayern

    Im Corona-Hotspot Stuttgart ist angeordnet worden, dass Schüler ab der achten Klasse frühestens um 8:45 Uhr in die Schule dürfen. So soll es weniger eng in Bus und Bahn werden. Ein Modell auch für Bayern? Nicht unbedingt, sagt der Kultusminister.

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    Ein Mittel, um steigenden Corona-Zahlen beizukommen, ist es, Zusammenballungen von Menschen zu verhindern. Um das - vor alle morgendliche - Gedränge in Bussen und Bahnen zu verringern, hat Stuttgart als erste Kommune in Deutschland jetzt angeordnet, dass Schüler morgens zu unterschiedlichen Zeiten zur Schule gehen müssen.

    Piazolo: Schon im August über gestaffelten Schulbeginn nachgedacht

    Die Idee ist nicht neu, sagte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (FW) dem BR. Schon im August habe sein Ministerium die Schulen im Freistaat gebeten zu prüfen, ob die morgendlichen Schülerströme durch veränderte Unterrichtszeiten entzerrt werden könnten. Das sei aber keine Anordnung wie in Stuttgart. Denn das könnten die Schulen nur vor Ort mit ihren Gegebenheiten klären.

    Rosenheim hält nichts vom Stuttgarter Modell

    Während zum Beispiel im Corona-Hotspot München die höheren Klassenstufen an einigen Schulen erst um 8:45 Uhr kommen, starten im Hotspot Rosenheim alle Schüler weiterhin um 8 Uhr. Das Stuttgarter Modell sei unrealistisch, sagte der Sprecher der Stadt Rosenheim, Thomas Bugl dem BR.

    "Diese Maßnahme wäre genau deshalb drakonisch, weil sie bewirken würde, dass wir die internen familiären Planungen unserer Schüler-Eltern von heute auf morgen über den Haufen werfen würden. Und weil wir die Busfahrpläne von heute auf morgen anpassen müssten." Thomas Bugl, Sprecher der Stadt Rosenheim

    Gestaffelter Beginn bringt Lehrplan durcheinander

    Die baden-württembergische Landeshauptstadt hat seit Mittwoch angeordnet, dass Schüler ab der Jahrgangsstufe 8 frühestens um Viertel vor Neun in die Schule dürfen. Ausnahmen könne es nur geben, wenn durch den versetzten Unterrichtsbeginn der Lehrplan nicht mehr eingehalten werden könne, heißt es in der Stuttgarter Allgemeinverfügung.

    Das aber sei schon dann der Fall, wenn eine Schule Ganztagsbetreuung anbiete, sagt die Direktorin der Balthasar-Neumann-Realschule in München-Hasenbergl, Andrea Taschner. Hier hatte man das Stuttgarter Modell in den ersten zwei Wochen des neuen Schuljahrs durchgeführt – allein schon wegen des Corona-Risikos durch Urlaubsheimkehrer.

    "Wir haben aber festgestellt: Das geht nicht auf Dauer. Weil der zeitversetzte Beginn mit der Mittagspause der Ganztagsschüler kollidiert. Daher mussten wir nach der zweiten Woche ganz normal mit dem Unterricht für alle wieder um acht beginnen." Andrea Taschner, Direktorin Balthasar-Neumann-Realschule, München-Hasenbergl

    Kommunen scheuen Umstellung auf versetzten Unterrichtsbeginn

    Denn bei sechs Stunden Unterricht würde für die höheren Klassenstufen, die später beginnen, der Schultag erst um 14 Uhr enden. Auf diese Corona-Maßnahme müssten sich Eltern, Lehrer und Nahverkehr wie in Stuttgart quasi über Nacht einstellen. Eine Herausforderung, die in den meisten bayerischen Kommunen gescheut wird.

    Sondertopf für Verstärkerlinien stößt an Grenzen

    Um die morgendliche Überfüllung von Schulbussen abzumildern, hatte die Staatsregierung einen Sondertopf für Verstärkerbusse aufgelegt. Das funktioniere in vielen Fällen, sagt Kultusminister Piazolo. Er sieht aber auch, dass mancherorts für Verstärkerlinien Fahrzeuge und Personal fehlen. Hier müsse nachgebessert werden, so der Minister.

    Den Schülerverkehr in der Früh durch gestaffelten Unterrichtsbeginn zu entzerren, hat die Stadt Rosenheim schon vor Corona versucht. Doch dazu müssten die Schulleitungen zustimmen. Konsens – Fehlanzeige.

    In Prien stehen Schüler noch früher auf

    Beim Ludwig-Thoma-Gymnasium und einigen Nachbarschulen in Prien am Chiemsee hat man sich schon vor Jahren darauf verständigt, den Unterrichtsbeginn zu verlegen: Aber nicht nach hinten, sondern nach vorn: Hier treten die Schüler in der Früh bereits um Viertel nach Sieben an.

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