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Corona-Inzidenz: "Bester Wert" oder "nicht ausreichend"? | BR24

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Was sagen die Corona-Inzidenzzahlen auch?

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    Corona-Inzidenz: "Bester Wert" oder "nicht ausreichend"?

    Während Ministerpräsident Söder die Inzidenzwerte nach wie vor als beste Grundlage für Corona-Entscheidungen sieht, fordern Freie Wähler und FDP weitere Kriterien. Auch Söders eigene Fraktion zeigt sich neuerdings dafür offen - vorsichtig jedenfalls.

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    Von
    • Maximilian Heim

    Wie viele Menschen dürfen sich treffen? Welche Schüler dürfen zurück in die Schule? Wo darf der Einzelhandel öffnen? Weitreichende Entscheidungen wie diese, treffen Bund und Länder in der Corona-Pandemie abhängig vom sogenannten Inzidenzwert. Dieser Wert bildet in einer Region die Zahl der positiven Corona-Tests der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner ab. Kritiker sagen: Der Inzidenzwert allein sage nicht genug aus über das Infektionsgeschehen, auch andere Parameter müssten einbezogen werden.

    Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betonte in seiner Regierungserklärung, die Inzidenz sei "nach wie vor der mit Abstand beste und verlässlichste Wert. Er ist vergleichbar, er gilt überall, er ist justiziabel vor den Verwaltungsgerichten." Auch sei der Inzidenzwert das "früheste Warnsignal überhaupt": Erst steige die Inzidenz, dann ergebe sich "das Hineinwachsen in die Krankenhäuser und leider auch in die Mortalität". Der Ministerpräsident erklärte: "Wer auf Todesraten wartet, hat die Zeit verpasst, zu handeln."

    CSU und Freie Wähler: Weitere Indikatoren prüfen

    Allerdings wachsen in der Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern die Zweifel daran, viele Corona-Maßnahmen allein am Inzidenzwert auszurichten. In einem von beiden Fraktionen heute gemeinsam im Landtag eingereichten Dringlichkeitsantrag ist eine vorsichtige Abkehr von Söders Fokus auf die Inzidenzwerte zu erkennen.

    Formuliert ist das ziemlich behutsam: Angesichts der "neuerlichen Ausweitung von Testkapazitäten" gelte es zu prüfen, "ob und welche weiteren Indikatoren und Erkenntnisse den Inzidenzwert als zentralen Bezugspunkt für Öffnungsstrategien ergänzen können".

    Freie Wähler warnen vor "ideologischer Engführung"

    Die vorsichtige Wortwahl dürfte vor allem an den CSU-Abgeordneten liegen, nicht am Koalitionspartner. Denn die Fraktion der Freien Wähler fordert schon länger eine Abkehr von der reinen Inzidenzzahl. In einem Mitte der Woche vorgelegten Papier heißt es, der Inzidenzwert schwanke allzu sehr mit der Testzahl. Bei mehr Tests sei von einem sprunghaften Anstieg der Inzidenz auszugehen, argumentieren die Freien Wähler, "selbst bei in Wahrheit konstantem oder sogar rückläufigem Infektionsstatus". Sogar von "ideologischer Engführung" ist die Rede.

    Freie-Wähler-Fraktionschef Florian Streibl plädierte im Anschluss an Söders Regierung ebenfalls dafür, angesichts von immer mehr Impfungen weitere Parameter zu beachten. Als Beispiele nannte er die Belegung der Intensivbetten und Sterbezahlen.

    FDP: Zwischen Altersgruppen unterscheiden

    Auch die bayerische FDP-Fraktion verweist auf die vermutlich steigende Zahl der Tests, wenn bald mehr Schnell- und Selbsttests zur Verfügung stehen. Deshalb schlägt Fraktionschef Martin Hagen eine Bereinigung des Inzidenzwerts vor - auch die Anzahl an Tests solle dabei berücksichtigt werden.

    Den Inzidenzwert alleine hält Hagen nicht für ausreichend. Dieser gebe "generell kein umfassendes Bild der Lage", sagte er im Landtag. Zum Beispiel mache es einen erheblichen Unterschied, ob sich 50 junge und gesunde Menschen infizieren oder 50 alte Menschen mit Vorerkrankungen.

    Hagen: Auch Impfen und Intensivbetten berücksichtigen

    "In dem Maße, wie wir jetzt Schritt für Schritt die Risikogruppen durchimpfen, sinkt automatisch der Anteil von schweren und tödlichen Verläufen", betonte Hagen. Entsprechend entspanne sich die Situation auf den Intensivstationen. Deshalb fordert die FDP-Fraktion, neben den Infektionszahlen auch die Krankenhauskapazitäten und den Impffortschritt zu berücksichtigen. "Das ermöglicht eine schnellere Rückkehr zur Normalität als die reine Fixierung auf Inzidenzwerte", sagte Hagen.

    Der FDP-Politiker verwies auch auf ein Strategiepapier des Robert-Koch-Instituts vom 18. Februar (ganz nachzulesen hier). Darin steht: "Die automatische Kopplung der Intensitätsstufen an einen einzelnen Indikator (wie z. B. Inzidenz) ist nicht ausreichend, um die Komplexität des Infektionsgeschehens sowie die tatsächliche Belastung des Gesundheitssystems und die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung durch Covid-19 abzubilden."

    Söder will beim Inzidenzwert bleiben

    Dass Söder sich von den Zweifeln am alleinigen Fokus auf den Inzidenzwert beeindrucken lässt, ist allerdings nicht in Sicht. Er habe noch von keinem gehört, "der eine andere Formel entwickelt hätte, wo sieben, acht Zahlen zusammengebracht werden können", sagte Söder heute. Für den Ministerpräsidenten ist daher klar: "Wir orientieren uns an der wissenschaftlich und gesetzlich legitimierten Zahl. Und das ist die Inzidenz."

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