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Corona-Intensivmedizin: Krankenhäuser unter Druck | BR24

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Als der Teil-Lockdown angekündigt wurde, kritisierten Teile der Ärzteschaft die pauschalen Maßnahmen. Klinikärzte auf bayerischen Corona-Stationen begrüßen die Maßnahmen aber. Denn die Zahl belegter Intensivbetten steigt wieder, ebenso die Belastung.

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Corona-Intensivmedizin: Krankenhäuser unter Druck

Als der Teil-Lockdown angekündigt wurde, kritisierten Teile der Ärzteschaft die pauschalen Maßnahmen. Klinikärzte auf bayerischen Corona-Stationen begrüßen die Maßnahmen aber. Denn die Zahl belegter Intensivbetten steigt wieder, ebenso die Belastung.

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Von
  • Thomas Kiessling

Noch haben die bayerischen Intensivstationen Kapazitäten frei. Aber die ersten Kliniken nähern sich schon der Belastungsgrenze. Denn es geht nicht nur um die reine Zahl der Intensivbetten und Beatmungsgeräte, sondern vor allem darum, wie viel geschultes Pflegepersonal zur Verfügung steht. Diese Zahl ist begrenzt.

Zahl der Intensivpatienten steigt rapide

Vor einem Monat gab es einen Corona-Patienten auf der Intensivstation des Klinikums rechts der Isar in München. Mitte Oktober stieg die Auslastung an, in den letzten Tagen ging sie weiter nach oben. Die meisten Patienten liegen im künstlichen Koma und müssen beatmet werden. Es wird immer schwieriger - etwa bei Ausfällen - Pflegepersonal zu finden. Auf der Station macht man sich Sorgen, dass das Personal in den kommenden Wochen nicht reichen wird, wenn die Infektionszahlen weiter steigen - und damit auch die Zahl der Intensivpatienten.

"Es ist sehr ungewiss, wie es jetzt weitergeht. Ich blicke da wirklich mit großer Angst entgegen, weil ich tatsächlich nicht weiß, inwiefern kann ich mein Personal noch mehr fordern." Carolin von Ritter-Zahony, Stationsleitung Intensiv, Klinikum rechts der Isar, München

Stationsleiterin Carolin hätte derzeit eigentlich Urlaub, kommt aber trotzdem in die Station, weil zu viel Arbeit liegengeblieben ist. Der Ärger über die angespannte Personalsituation wird immer größer.

"Die Untersetzung seitens der Regierung ist einfach nicht vorhanden. Wir werden letzten Endes totgeschwiegen. Jetzt in der zweiten Welle kommt es mir einfach viel mehr so vor, als sei es völlig selbstverständlich, dass wir jetzt hier wieder alles geben – was wir natürlich tun, aber selbstverständlich ist das nicht." Carolin von Ritter-Zahony, Stationsleitung Intensiv, Klinikum rechts der Isar, München

Geschultes Personal wird knapp

Am Klinikum Nürnberg hat sich die Zahl der Corona-Patienten in den letzten zwei Wochen fast verdoppelt. Betten mit Beatmungsgeräten sind noch ausreichend vorhanden, geschultes Personal wird allerdings knapp. Denn die Zeit über den Sommer habe nicht gereicht, neues Personal zu finden und auszubilden, erklärt Prof. Joachim Ficker, Chefarzt der Pneumologie im Klinikum Nürnberg. Er hält die Maßnahmen des Teil-Lockdowns für dringend notwendig.

"Ich gehe davon aus, dass jetzt hoffentlich dieser partielle Lockdown in etwa zwei Wochen seine Wirkung zeigt. Wenn das gelingt, kommen wir gut rum. Wenn es nicht gelingt, dann müssen wir tatsächlich planbare Operationen wieder reduzieren, um Kapazitäten für Corona-Patienten zu schaffen." Prof. Joachim Ficker, Chefarzt Pneumologie, Klinikum Nürnberg

Ernste Lage in Augsburg

Besonders drastisch ist die Zahl der Corona-Patienten in Augsburg angestiegen. Vor zwei Wochen lagen noch zehn Corona-Patienten auf der Intensivstation der Uniklinik Augsburg. Bis heute hat sich die Zahl mehr als verdreifacht. Die vorhandenen Kapazitäten sind ausgeschöpft, heißt es.

Belastungsgrenze in Bayern bald erreicht?

Anfang Oktober lagen 57 Corona-Patienten auf bayerischen Intensivstationen. Seitdem hat sich die Zahl der schwererkrankten Menschen nahezu versechsfacht. Der Krankenhausverband Bayern stellt fest, dass auch auf Normalstationen immer mehr Patienten mit Corona im Krankenhaus liegen.

"Wir müssen diesen Trend aufhalten, weil wenn es zwei, drei Wochen so weitergehen würde, könnten wir an eine Belastungsgrenze kommen." Siegfried Hasenbein, Krankenhausverband Bayern

Angst vor Triage

In der Schweiz und in Belgien wurde laut Medienberichten die sogenannte Triage bereits vollzogen. Das heißt, Ärzte mussten entscheiden, welche Patienten auf der Intensivstation behandelt werden und welche nicht. In Deutschland ist die Situation weniger dramatisch. Trotzdem blicken Ärzte mit Sorge auf die kalte Jahreszeit: Menschen halten sich wieder mehr in Innenräumen auf, Abstand halten ist dort oft schwierig. In der zweiten Welle steht man vor neuen Herausforderungen.

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