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Corona-Infektion überstanden – und die Spätfolgen? | BR24

© pa/dpa/Soeren Stache

Zwei Mountainbikes.

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    Corona-Infektion überstanden – und die Spätfolgen?

    Langsam spazieren gehen – statt extreme Mountainbike-Touren zu fahren: Seitdem Sebastian Heupel an Covid-19 erkrankt war, musste er sich viele Wochen in Geduld üben. Seine Lunge war nicht mehr voll funktionsfähig, mögliche Spätfolgen nicht absehbar.

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    Das Virus traf den Familienvater völlig überraschend und hat ihn vor große Herausforderungen gestellt. Heute ist er dankbar, dass es ihm wieder gutgeht. Immer wieder muss er im Bekanntenkreis von seiner Erkrankung erzählen. Viele wollen von ihm wissen, was die Krankheit mit ihm gemacht hat.

    Völlig überraschend: Corona-positiv

    Es war kurz vor den Sommerferien: Eigentlich wollte Sebastian Heupel gleich nach dem letzten Schultag mit seinen Kindern in den Urlaub starten. Plötzlich bekam der Münchner leichtes Fieber. Er ging zum Arzt. Der führte routinemäßig einen Corona-Test durch. "Als der Anruf kam, dass mein Test positiv war, bin ich aus allen Wolken gefallen", erzählt der 46-Jährige. Denn er hatte sich korrekt an die Hygiene-Regeln gehalten, er war zuvor nicht im Ausland unterwegs, war nicht groß beim Feiern, hatte ganz normal seinen Alltag gelebt, mit Familie, Arbeit und Freizeit. "Dass ich es gekriegt habe, war einfach ein blöder Zufall."

    Warten aufs Gesundheitsamt

    Während sein Fieber stieg, versuchte er, das Gesundheitsamt zu erreichen und alle Kontaktpersonen. Er bekam die Diagnose zu einem ungünstigen Zeitpunkt: an einem Freitag, vor dem Wochenende. Bis sich nach endlosen Telefon-Warteschleifen dann jemand vom Amt bei ihm gemeldet hatte, um ihm konkrete Tipps zu geben, dauerte es zwei Tage. "Als es mir am schlimmsten ging, ich am meisten Hilfe gebraucht hätte, war ich ziemlich allein vom Gesundheitsamt gelassen." Seine Töchter blieben bei seiner Ex-Frau, Freunde stellten ihm Essen vor die Tür.

    Sportler sorgt sich wegen Langzeitfolgen

    So schlapp wie in den ersten vier Tagen seiner Corona-Erkrankung hatte er sich sein ganzes Leben noch nicht gefühlt. Sebastian Heupel ist eigentlich ein sehr aktiver Mensch, ein ambitionierter Mountainbiker. Zu seinen Lieblingstouren zählt die Umrundung des Karwendelgebirges mit rund 2.000 Höhenmetern und etwa 70 Kilometern. Als er so unerwartet krank wurde, fing er an, sich zu sorgen: "Man hört dann in sich rein und denkt: Kommt jetzt die Atemnot? Kommt jetzt der Husten? Kommt jetzt noch irgendwas?"

    Das Gesundheitsamt hatte ihn davor gewarnt, die Krankheit auf die leichte Schulter zu nehmen. Laut aktueller Forschung können bei Corona die Symptome zwar schnell abklingen – aber wiederkommen. Auch nach zehn Tagen könnten die Symptome nochmal stark auftreten, so erklärte es das Gesundheitsamt Sebastian Heupel. Sorgen machte ihm seine Lunge: Vor Corona hatte der Sportler über 100 Prozent Lungenvolumen, drei Wochen nach Krankheitsbeginn nur noch 75 Prozent.

    Familie vom Virus verschont

    Vater positiv, Töchter negativ: Obwohl Sebastian Heupel noch kurz vor seinem positiven Corona-Test engen Kontakt mit seiner Familie hatte, blieb diese vom Virus verschont. Das zeigt: Das Corona-Virus trifft nicht automatisch alle Mitglieder eines Haushalts. Auch seine Freunde und Arbeitskollegen ließen sich testen, Ergebnis negativ. Für den Münchner ein Mysterium. Letztlich ist er sehr dankbar dafür, dass seine Kinder gesund geblieben sind: Weniger Sorgen und insgesamt viel weniger Kontaktpersonen. Keine Schule, kein Sportverein musste eine Massentestung seinetwegen durchführen.

    Übrigens: Die Corona-App habe in seinem Umfeld gut funktioniert, erklärt Sebastian Heupel: "Diejenigen, mit denen ich vor der Quarantäne in einem Raum zusammen war, bekamen eine Warnung."

    Trotz Virus-Infektion: Vertrauen ins Leben

    Insgesamt drei Wochen war der Familienvater krankgeschrieben. Nach der Quarantäne wurde er auf Antikörper getestet, die wurden erfolgreich nachgewiesen. Etwa sechs Wochen musste er sich schonen, durfte nur langsam spazieren gehen, keine großen Touren machen – eine Geduldsprobe für den Sportler.

    Heute liegt seine Erkrankung drei Monate zurück. Mittlerweile hat Sebastian Heupel schon wieder eine kleine Bergtour unternommen. Er ist dankbar: "Der Körper hat es doch wieder gerichtet, das ist schon was, was einen für die Zukunft doch positiv stimmt." Auch wenn er nach den Testergebnissen davon ausgehen kann, dass er nun selbst Antikörper gegen Corona hat: Er will sich weiterhin an die Hygiene-Vorschriften halten, schon seiner Familie zuliebe.

    Immunologe Wendtner zu Langzeitfolgen von Corona

    1. Müdigkeit und Konzentrationsschwäche als Langzeitfolge

    Wie lange ein Patient mit den Folgen einer Corona-Erkrankung zu kämpfen hat, hängt auf jeden Fall vom Krankheitsverlauf ab. Wer auf einer Intensiv-Station behandelt werden musste, erholt sich langsamer als ein Patient, der nur leichte Symptome hatte. Über 80 Prozent der Schwerkranken haben auch nach drei Monaten noch Probleme, beobachtet Prof. Clemens Wendtner, Chefarzt Immunologie am Klinikum Schwabing in München: "Sie können sich weniger stark belasten, haben Konzentrationsschwächen und auch so etwas wie ein 'Foggy Brain'. Das heißt, man kann Dinge nicht so wahrnehmen, wie man sich das wünscht."

    2. Nachsorge auch für junge, fitte Patienten

    Wissenschaftler wie Prof. Wendtner erkennen zunehmend, wie wichtig es ist, auch junge Patienten weiter zu beobachten, die zu Beginn der Krankheit fit waren. Auch diese sollten regelmäßig einen Lungenfacharzt aufsuchen. Aber es gibt Hoffnung: "Bei den allermeisten jungen, fitten Patienten klingt das Krankheitsbild mit der Zeit ab, nur wenige bedürfen einer langfristigen Therapie", so Wendtner.

    3. Achtsamkeit im persönlichen Umfeld wichtig

    Die Gefahr bestehe, Langzeitfolgen von Corona zu tabuisieren, meint Prof. Clemens Wendtner. Ganz wichtig sei deshalb, Covid-19- Patienten auch im häuslichen Umfeld aufmerksam zu begleiten. Es gebe nach dem Klinik-Aufenthalt auch die Möglichkeit einer Heilbehandlung in einer Reha-Klinik. Insgesamt sei Corona noch viel zu wenig erforscht, so Clemens Wendtner: "Es gibt bislang noch keinen festen Zeitpunkt, wo wir sagen könnten, Covid 19 ist passé, und der Patient ist absolut gesund."

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