BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Nicolas Armer
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Nicolas Armer

Maskenpflicht in der Schweinfurter Keßlergasse

29
Per Mail sharen

    Corona in Schweinfurt: Vom "Musterknaben" zum "Sorgenkind"

    Die Stadt Schweinfurt hat sich in Sachen Corona-Inzidenz vom bundesdeutschen "Musterknaben" zum "Sorgenkind" entwickelt. Aktuell liegt der Wert bei 162,8. Mitte Februar hatte die Stadt noch den niedrigsten Wert in ganz Deutschland.

    29
    Per Mail sharen
    Von
    • Ralph Wege
    • Norbert Steiche
    • BR24 Redaktion

    Mitte Februar hat Schweinfurt bundesweit Schlagzeilen gemacht: Mit einem Wert von 3,7 hatte die Stadt die niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz in ganz Deutschland. Jetzt, nur fünf Wochen später, nähern sich die Werte allmählich der 200er-Marke. Aktuell zählt die Stadt Schweinfurt mit einer Inzidenz von 162,8 zu den 50 am stärksten betroffenen Regionen in Deutschland. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts hervor. Schon im Herbst hatten Stadt und Landkreis Schweinfurt über Wochen den Inzidenzwert von 200 überschritten.

    Werden Kontakte bewusst verschwiegen?

    Die Ursache für die hohen Inzidenzwerte der Stadt Schweinfurt ist nicht eindeutig ermittelbar. Das Gesundheitsamt konnte keinen Hotspot ausmachen, sagte Jan von Lackum, Schweinfurts Ordnungsreferent, zu BR24. Darüber hinaus sei es zu keinem Ausbruch in einem Pflegeheim gekommen. Von Lackum ergänzte, dass die Infektionen zwar bis in familiäre Kreise nachvollziehbar gewesen seien, allerdings nicht bis zu einem "Patienten 1". "Das liegt sicher teils an unmöglicher Kenntnis über alle Kontakte, teils an mangelnder Erinnerung an alle Kontakte und teils auch an bewusstem Verschweigen von Kontakten. Gerade Letzteres zeugt von wenig Verantwortungsbewusstsein", so der Ordnungsreferent weiter. Infektionsketten könnten nur anhand der Angaben der Betroffenen erfragt werden.

    Gesundheitsamt überprüft alternative Corona-Apps

    Laut von Lackum prüfen die Stadt und das Landratsamt gemeinsam mit dem Gesundheitsamt, ob zur Ermittlung von Infektionsketten auch auf alternative Apps zurückgegriffen werden kann. Zu diesen Apps würden beispielsweise Luca oder das Schweinfurter Produkt regy.me zählen. Aber auch dann sei die Schwachstelle der Mensch, so der Ordnungsreferent: "Werden die Apps nicht flächendeckend eingesetzt, werden sie keine spürbaren Vorteile bringen."

    Freie-Wähler Stadtrat Labus kritisiert Stadtverwaltung

    Der Schweinfurter Freie-Wähler-Stadtrat Stefan Labus wirft der Stadtverwaltung Untätigkeit vor. Vergangene Woche hatte er eine FFP2-Maskenpflicht in der gesamten Innenstadt gefordert. Das war in einem Stadtrats-Ausschuss abgelehnt worden. Labus kritisiert, dass die Stadt keine weiteren, leicht umsetzbaren Maßnahmen ergriffen habe, um eine Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. "Die Videobotschaft von Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) vom 19. März zur Lage in Schweinfurt zeigt wieder einmal mehr die Hilfslosigkeit von Oberbürgermeister und Ordnungsreferent Jan von Lackum", so die Kritik von Labus.

    Verschärfte Corona-Regeln in Schweinfurt

    Bereits seit dem vergangenen Dienstag überschreitet die Stadt Schweinfurt den Inzidenzwert von 100. Die Folge: Schließungen im Einzelhandel seit Samstag. Schulen sind erneut im Distanzunterricht. Abschlussklassen seien davon ausgenommen. Wechselunterricht oder auch Präsenzunterricht darf stattfinden, soweit dabei der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden kann. Auch Kindertageseinrichtungen bleiben geschlossen. Es ist lediglich eine Notbetreuung möglich. Einzelheiten hat die Stadt auf ihrer Homepage veröffentlicht.

    Laut Stadt gilt für die Schulen das sogenannte Stichtagsprinzip. "Immer freitags entscheidet der an diesem Tag aktuelle Inzidenzwert darüber, welche Unterrichtsform in der darauffolgenden Woche stattfinden darf", so die Stadt.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!