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Corona in Konservenfabrik: Wohin mit den Gurken? | BR24

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Viele Gurken könnten unverarbeitet bleiben - nach der Schließung der Konservenfabrik in Mamming. Wohin mit ihnen, jetzt in der Haupterntezeit?

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Corona in Konservenfabrik: Wohin mit den Gurken?

Die Mamminger Konservenfabrik, derzeit wegen eines Corona-Ausbruchs geschlossen, ist ein großer Anbieter am Essiggurken-Markt. Für zahlreiche Gurkenanbauer in der Region ist der Absatz weggebrochen. Wohin mit den Gurken, jetzt in der Haupterntezeit?

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Ein Gurkenfeld im Landkreis Deggendorf. Landwirt Manfred Asbeck bricht eine Gurke von der Pflanze ab, sie ist fast so groß wie seine Hand. "Das sind jetzt solche Salatgurken, die schon zu groß werden", sagt Asbeck. Denn der Landwirt erzeugt Gurken zum Einlegen für Konserven, Essiggurken. Je kleiner desto besser.

Die kleinen Gurken müssen alle drei bis vier Tage geerntet werden. Sonst werden sie zu groß, können schlecht verkauft werden – und viel schlimmer: An der Pflanze wachsen keine neuen Gürkchen nach, denn sie steckt die ganze Energie in die Großen, nicht abgeernteten.

Was nicht verkauft wird, wird möglicherweise weggeworfen

Eigentlich liefert Manfred Asbeck an die Konservenfabrik in Mamming. Aber die ist geschlossen, weil sich mehr als 150 Beschäftigte mit Corona infiziert haben.

"Wir haben jetzt einfach weiterpflücken müssen. Und wir müssen schauen: Können wir die Gurken verkaufen oder nicht? Oder müssen wir sie wegschmeißen?" Manfred Asbeck, Landwirt

Die Ernte, sagt Asbeck, könne eben nicht mehrere Tage stoppen.

Größtes zusammenhängendes Gurken-Anbaugebiet Deutschlands

Dass die Konservenfabrik gerade stillsteht, hat viele Landwirte in der Region erst einmal aus der Bahn geworfen. In Niederbayern liegt das größte zusammenhängende Gurken-Anbaugebiet Deutschlands. Das bayerische Landwirtschaftsministerium schätzt die Situation für die Landwirte als kritisch ein.

Die Bauern würden jetzt unter Hochdruck nach anderen Fabriken suchen, sagt Franziska Rintisch vom Bayerischen Bauernverband. Aber die anderen Konservenfabriken haben feste Lieferverträge, feste Lieferpartner.

"Wir sind gerade in der Hochsaison der Gurken. Die ernten rund um die Uhr, die verarbeiten rund um die Uhr. Und da zusätzlich noch was aufzunehmen, ist sehr schwierig." Franziska Rintisch, Bayerischer Bauernverband

Mamminger Konservenfabrik hat wichtige Stellung am Markt

Mamming sei nur schwer zu ersetzen, heißt es auch vom Verband der bayerischen Sauerkonservenindustrie. Täglich seien dort große Mengen verarbeitet worden, die Fabrik habe eine wichtige Stellung am deutschen Markt.

Gerade gebe es Gesprächsrunde um Gesprächsrunde, erzählt der Verbandsvorsitzende Stefan Tarnowski am Telefon. Alle versuchten im Rahmen der Kapazitäten die Absätze zu organisieren. Es gebe eine große Solidarität.

Andere Fabriken versuchen, einzuspringen

Diese Solidarität hat auch Landwirt Asbeck erlebt. Vor wenigen Tagen musste er noch Gurken entsorgen, jetzt aber hat er seine Gurken an benachbarte Fabriken verkaufen können.

"Die waren jetzt solidarisch mit uns und haben das aufgenommen. Ich hoffe, dass das jetzt so weitergeht, dass man unsere Ware einmachen kann und verarbeitet wird." Manfred Asbeck, Landwirt

Viele Landwirte sind verunsichert, scheuen Kamera und Mikrofone. Einzig Landwirt Asbeck hat sich bereit erklärt, mit dem BR zu sprechen. Auch, weil ihn eine Sache sehr stört: Wie gerade über die Arbeitsbedingungen der osteuropäischen Erntehelfer geredet wird.

"Die Leute kommen alle freiwillig, haben alle einen Arbeitsvertrag, sind gut untergebracht, da kommen seit Jahren immer die gleichen", sagt Manfred Asbeck: "Das ist schwierig, wenn dann dargestellt wird in den Medien, die Landwirte machen das große Geschäft." Er brauche gute, zuverlässige Mitarbeiter, deshalb müsse er sie auch anständig behandeln – sonst kämen sie im nächsten Jahr nicht mehr, erzählt der Landwirt.

Umfangreiches Hygiene-Konzept bei Saisonkräften

Rund 150 Arbeiter beschäftigt Manfred Asbeck im Moment und ist damit ein mittelgroßer Betrieb in Niederbayern. Am Tag erntet er zwischen 50 und 90 Tonnen – Gemüse für bis zu 180.000 Gläser Essiggurken. Die Gurkenernte geht nur per Hand, das ist aufwendig und teuer. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat strenge Hygieneregeln für die Saisonkräfte erlassen. Um das einzuhalten, hat Landwirt Asbeck mehrere neue Küchen installieren lassen.

Geerntet wird in festen Gruppen von 20 Leuten, die untereinander nicht wechseln dürfen. Diese Gruppen haben dann auch jeweils feste Duschzeiten. Auf dem Hof stehen Desinfektionsspender und es gilt Maskenpflicht. In der vergangenen Woche wurde Asbecks Hof wie alle Gurkenbetriebe in der Region auf Corona getestet. Alle Ergebnisse waren negativ.

Noch bis Ende August wird geerntet

Gute Nachrichten, aber dennoch bleibt die Anspannung. Fragt man Manfred Asbeck danach, wie es ihm geht, antwortet er, im Moment sei alles ein bisschen schwierig:

"Weil man immer nicht weiß, hat man einen Fall oder was passiert morgen. Man hat halt immer ein bissl Angst, wie geht’s weiter." Manfred Asbeck, Landwirt

Die Gurkensaison geht noch bis Ende August. Welche Auswirkung die Schließung der Mamminger Konservenfabrik noch auf den Markt haben wird, bleibt offen.

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