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Corona in Bayern: Sorge wegen Mutanten, Besserung in Altenheimen | BR24

© pa/dpa

Symbolbild: Corona-Test

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Corona in Bayern: Sorge wegen Mutanten, Besserung in Altenheimen

Eine schlechte Nachricht zur Corona-Lage in Bayern - aber auch eine sehr gute: Der zunehmenden Verbreitung der ansteckenderen Mutationen steht ein deutlicher Rückgang der Infektionen in Pflegeheimen gegenüber. Die Impfteams kommen dort gut voran.

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Von
  • Petr Jerabek

Der bayerische Staatskanzleichef Florian Herrmann übernimmt nach der Videoschalte des bayerischen Kabinetts die Rolle des Mahners. Er zeichnet zu Beginn der Pressekonferenz ein eher ernüchterndes Bild des Infektionsgeschehens in Bayern: Es sei "keine starke Verbesserung" festzustellen, vielmehr zeige sich bei den Zahlen "unterm Strich letztlich eine Seitwärtsbewegung". Das Virus verbreite sich weiter, es mutiere und verzeihe keinen Fehler. Herrmanns Fazit: "Wir sind schlechtweg noch nicht über den Berg."

Ein wichtiger Aspekt seien besonders die Mutationen, betonte Herrmann. "Die setzen sich einfach im Verhältnis durch." Der Staatskanzleichef verweist auf Zahlen des Münchner Labors Becker & Kollegen, das positive Tests auf eine Genveränderung untersucht. In der vergangenen Woche wurde sie laut Herrmann bei 151 von 365 positiven Proben festgestellt, also in 41,4 Prozent der Fälle. "Das heißt jetzt nicht, dass das alles die britische Variante ist", sagte der Minister. "Aber die Zahl ist schon sehr sehr hoch." Vier Wochen zuvor habe der Anteil noch bei 6,2 Prozent gelegen.

Söder: Mutation nimmt zu

Repräsentativ für Bayern sind diese Zahlen zwar nicht. Das Labor selbst weist darauf hin, dass es sich um Ergebnisse aus dem Raum München sowie dem Umland handle, die auch durch "Clusterbildung" - also Ausbruchsgeschehen in Einrichtungen oder Krankenhäusern - beeinflusst würden. Dennoch sind die Daten ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die ansteckenderen Virus-Varianten in Bayern immer weiter ausbreiten.

"Dass die Mutation zunimmt, ist belegbar", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits am Montag. Während er Anteil der britischen Mutation an den nachgewiesenen Infektionen Anfang des Jahres noch bei rund fünf Prozent gelegen habe, "sind wir jetzt mittlerweile bei 28 Prozent", erläuterte Söder. "Allein innerhalb einer Woche war das eine Zunahme von 20 auf 28 Prozent."

Landesamt: "Datenlage noch im Aufbau"

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das die Daten zu den Mutationen für Bayern sammelt, nennt auf Anfrage keine bayernweite Zahl. Die Laborbetreiber in Bayern seien erst seit 11. Februar verpflichtet, ihre Laborergebnisse zu den Mutationen de LGL zu melden. "Demzufolge befindet sich die Datenlage noch im Aufbau", teilte das LGL mit, nennt aber beispielhaft Daten aus mehreren bayerischen Corona-Hotspots. Sie zeigen allesamt, das der Anteil der "Proben mit Verdacht auf die UK-Variante" in der vergangenen Woche deutlich über dem Niveau der Vorwochen lag.

Erkrankungen in Pflegeheimen: Rückgang um zwei Drittel

Wer die Pressekonferenz der Staatsregierung weiter verfolgt, hört Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) rund 20 Minuten später aber eine sehr erfreuliche Entwicklung schildern: "Was sehr positiv ist, sind die Alten- und Pflegeheime: Da haben sich die Neuinfektionen wirklich drastisch verringert", erläutert der Minister.

Die Zahlen, die ein Sprecher des Gesundheitsministerium auf BR24-Nachfrage nennt, belegen das. Am 5. Januar habe es unter den Bewohnern von Pflegeeinrichtungen noch 6.949 Erkrankungen gegeben. Am 11. Februar seien es nur noch 2.411 gewesen - das entspreche einem Anteil von 1,9 Prozent der Menschen, die in den Heimen leben. Somit habe es innerhalb von etwas mehr als einem Monat einen Rückgang "von fast zwei Dritteln oder 65 Prozent" gegeben.

Vier von fünf Pflegeheim-Bewohnern schon geimpft

Dieser Rückgang ist laut Holetschek auf mehr Testungen und Beratung, aber auch die Impfungen in den Alten- und Plegeheimen zurückzuführen. Mehr als 98 Prozent der Einrichtungen in Bayern seien bereits von mobilen Impfteams aufgesucht worden. "81 Prozent der Bewohner sind schon mit der Erstimpfung versorgt", erläutert der Minister. Das sei sehr wichtig, "weil wir genau sei schützen wollen". Und der Minister fügte hinzu: "Auch beim Klinikpersonal in der höchsten Priorisierungsstufe sind wir schon mit 77 Prozent gut dabei."

Erzieher und Lehrer sollen ab nächster Woche geimpft werden

Holetschek geht zudem davon aus, dass schon nächste Woche mit den Impfungen von Kita-Erziehern, Grund- und Förderschullehrern begonnen werden kann, um sie vor Infektionen im Zuge der Schul-Öffnungen zu schützen. Ob diese Berufsgruppen durch mobile Teams oder in Impfzentren geimpft werden, müsse noch besprochen werden. Beides sei denkbar. Die Vorbereitungen könnten aber noch im Laufe der Woche abgeschlossen werden, sagte der Minister.

Die Gesundheitsministerkonferenz hatte sich am Montag gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf eine Änderung der Impfverordnung geeinigt. Demnach sollen Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen sowie die Kita-Beschäftigten von der Priorisierungsgruppe 3 in die Gruppe 2 vorrücken.

Staatsregierung will Impfkapazität bis April mehr als verdoppeln

Insgesamt haben im Freistaat laut Holetschek 899.836 Menschen eine Impfung erhalten. Das sei eine "gute Zahl", die zeige, wie leistungsfähig die bayerischen Impfzentren seien. "Wir werden uns aber jetzt schon darauf vorbereiten, dass, wenn mehr Impfostoff da ist, wir mehr Kapazität brauchen", erläuterte der Minister. Derzeit seien 46.000 Impfungen am Tag möglich, ab April sollen es laut Holetschek 111.000 sein. Hinzu sollen noch "relativ zügig" die Hausarztpraxen und die Betriebsärzte kommen.

In dieser Woche soll sich eine bayerische Impfkommission konstituieren, die künftig auch Einzelfall-Entscheidungen bei den Impfungen ermöglichen soll.

Mehr als fünf Millionen Selbsttests bestellt

Zusätzlich zu PCR-Tests und den Antigen-Schnelltests, die von "geschultem Personal abgenommen" werden, will Bayern künftig auch auf Selbsttest setzen. "Wir haben uns schon 5,3 Millionen der Selbsttest gesichert als Kaufoption - sobald die zugelassen sind." Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüfe noch die Aussagekraft der Selbsttests. "Wenn die Zulassung da ist, können wir, glaube ich, sehr schnell die Tests auch haben, weil da wird schon produziert. Dann werden sie ein wichtiger Bereich sein unseres Testsystems."

Dreiklang aus Testen, Impfen und Lockern

Holetschek verweist auf den von Söder am Montag geforderten Dreiklang aus "Testen, Impfen und Lockern". Ein paar vorsichtige weitere Lockerungen hat das bayerische Kabinett heute beschlossen: Am Montag dürfen Gartencentern, Blumenläden, Baumärkte und Kosmetikstudios öffnen. In Kommunen mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 wird zudem Einzelunterricht an Musikschulen wieder erlaubt.

Die Staatsregierung will, auch angesichts der ansteckenderen Virus-Variationen, zwar vorerst an einem vorsichtigen Corona-Kurs festhalten. Sie macht aber Hoffnung: Wenn es gelingt, durch Impfungen und vermehrte Schnelltests Pflegeheime, Schulen, aber auch beispielsweise Geschäfte besser zu schützen, dann kann es auch schneller Öffnungen geben.

© BR

"Wir sind noch nicht über den Berg", sagte Staatskanzleichef Herrmann angesichts der ansteckenden Mutationen des Coronavirus. In einem Münchner Labor seien bereits über 40 Prozent der Proben auf die Mutationen zurückzuführen.

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