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Click & Meet: Terminvergabe beim Münchner Einzelhandel | BR24

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München hat den Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten. Das heißt: Geschäfte müssen Termine fürs Einkaufen vergeben. Der Einzelhandelsverband befürchtet nun einen Shopping-Tourismus ins Umland.

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Click & Meet: Terminvergabe beim Münchner Einzelhandel

Die 7-Tage-Inzidenz liegt über 50 und der Münchner Einzelhandel muss auf Terminvergabe ausweichen. Diese Möglichkeit wird zwar ganz gut angenommen. Aber der Handelsverband Bayern spricht von einem "Tropfen auf den heißen Stein“.

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Von
  • Birgit Grundner
  • Gerhard Brack
  • Ursula Trischler

München hat am Wochenende die 7-Tage-Inzidenz von 50 überschritten. Das heißt: Geschäfte müssen Termine fürs Einkaufen vergeben. Bei "Click & Meet" gilt: ein Kunde pro 40 Quadratmeter darf nach vorheriger Anmeldung im Geschäft shoppen. "Bei aller Unklarheit und Komplexität – es ist halt eine Möglichkeit wieder Kunden zu bekommen“, sagt Wolfgang Fischer, der Sprecher der Innenstadtvereinigung der Münchner Geschäftsleute. Und diese Chance würden die meisten Geschäfte heute wahrnehmen. Die Geschäfte am Rindermarkt etwa, also im Herzen der Münchner Innenstadt, hätten fast alle offen. Diese "Personal Shopping Möglichkeit", so Fischer, werde von den Kunden auch "ganz gut angenommen".

Tropfen auf den heißen Stein

Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern, nennt die Möglichkeit, dass Geschäfte für Click& Meet öffnen, lediglich einen "Tropfen auf den heißen Stein“. Für viele größere Geschäfte sei es zu aufwendig, Personal dafür abzustellen. Für kleinere Läden wie etwa Brautmodengeschäfte sei das Modell aber durchaus interessant. In Geschäften mit Bekleidungwaren wie Schuhen oder Hemden, da bräuchte der Kunde am ehesten die Beratung vor Ort und die Möglichkeit "Dinge anzuprobieren“. Für solche Läden würde Click & Meet am ehesten Sinn machen. 50-60 Prozent der Händler in München hätten sich bislang an "Click & Collect“ beteiligt, so Ohlmann. Wie viele davon bei "Click & Meet“ mitmachen sei derzeit noch unklar.

"Herber Nackenschlag" für Münchner Einzelhandel

Viele Geschäfte hätten bis zuletzt gehofft, doch noch öffnen zu können, sagt Ohlmann. "Das ist ein herber Nackenschlag für den Einzelhandel. Bis Samstagabend haben die alle geplant: aufmachen, aufmachen, aufmachen!" Jetzt steht fest: Die Hoffnungen waren umsonst. "Die haben die Mitarbeiter aus dem Lockdown und aus dem Urlaub zurückgeholt, um den Kunden wieder etwas bieten zu können."

Es waren vergebliche Investitionen. Denn jetzt dürfen die Läden doch nur sehr eingeschränkt in München öffnen. Denn überall, wo die Inzidenz zwischen 50 und 100 liegt, gilt für den Einzelhandel: Kunden dürfen nur in den Laden, wenn sie vorher einen Termin vereinbart haben, es gilt das sogenannte "Click & Meet"-System. Dabei müssen jedem Kunden im Laden mindestens 40 Quadratmeter pro Person zur Verfügung stehen.

Diese Regeln gelten unter Inzidenzwert 50

In Regionen mit einer Inzidenz unter 50 dürfen die Geschäfte ab Montag auch ohne Terminshopping fast normal wieder öffnen. Als Ladengeschäft gilt dabei nicht nur der klassische Einzelhandel. Auch Handwerksbetriebe mit Publikumsverkehr dürfen aufmachen, beispielsweise Uhrmacher, Schneidereien und Fotostudios. Pro zehn Quadratmeter Fläche darf nur ein Kunde in den Laden gelassen werden. Wichtig ist ein Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen den Kunden. Das Tragen von FFP2-Masken bleibt natürlich für Kunden Pflicht.

Corona-Shopping im Münchner Umland befürchtet

Im Münchner Umland gibt es Gegenden, in denen der Inzidenzwert am Montagmorgen noch unter 50 liegt, namentlich die Landkreise Dachau (40,0), Ebersberg (39,0), Erding (47,8), München Land (48,5) und Starnberg (48,3). Es ist zu befürchten, dass, wenn die Läden in München tatsächlich nur sehr eingeschränkt und nur nach Voranmeldung öffnen sollten, ein Corona-Shopping-Tourismus ins Münchner Umland einsetzt.

Einzelhandel: Politik hat "vom Einzelhandel keine Ahnung"

Von diesem Shopping-Tourismus geht jedenfalls Bernd Ohlmann vom Einzelhandelsverband Bayern aus: "Die Kunden brauchen nun Kompass und Nadel, um zu sehen, wo sie zum Einkaufen hinfahren können!" Es wird jetzt eine Massenbewegung einsetzen unter den Kunden, die fragen: wo haben Möbelhäuser offen, wo Technikmärkte, so Ohlmann zum BR. "Und da fahren die Leute dann hin: Da hat die Politik den Leuten die lange Nase gezeigt und wir kriegen genau den Tourismus mit vielen Menschenbewegungen, den man verhindern wollte. Wer diese Regelungen eingeführt hat, der hat vom Einzelhandel keine Ahnung."

Polizei will notfalls Maßnahmen ergreifen

Die Polizei geht nicht davon aus, dass es zu dieser Art Shopping-Tourismus kommt, erklärte sie am Sonntag auf Anfrage des BR. "Sollten sich aber Einsatzschwerpunkte bilden, beispielsweise in Form von Verkehrsbehinderungen aufgrund eines erhöhten Fahrzeugaufkommens, werden die Kräfte der örtlich zuständigen Polizeidienststellen der jeweiligen Situation angepasste Maßnahmen ergreifen", teilt das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit.

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Je nach Inzidenz dürfen Geschäfte nun öffnen - oder müssen schließen. Was bedeutet das für die Einzelhändler? Eine Einschätzung von Bernd Ohlmann vom Bayerischen Einzelhandelsverband.

Museen und Tierpark öffnen: Besuch nach Voranmeldung

Für die Planungen der Stadt München ändert sich dagegen durch den Inzidenzwert über 50 nur wenig. Denn die Stadt war bei den Vorbereitungen für die Wiedereröffnung ihrer Museen und des Tierparks Hellabrunn ab Montag ohnehin bereits vom Szenario "Inzidenzwert 50 - 100" ausgegangen. Das bedeutet, dass Besucher nur nach Terminvergabe kommen können.

Dieses Vorgehen hatte der Münchner Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) am Donnerstag ohnehin schon beschlossen. Da lag die Münchner 7-Tage-Inzidenz zwar noch bei 45,6. Allerdings war der Wert davor bereits kontinuierlich gestiegen.

Häuser im Tierpark bleiben geschlossen

Im Münchner Tierpark Hellabrunn steht die Öffnung nach 18 Wochen coronabedingter Zwangspause derweil fest. Die Besucherzahl ist aber begrenzt, und die Eintrittskarten müssen immer mindestens einen Tag im Voraus bei München Ticket gebucht werden. Außerdem gelten auf dem gesamten Gelände weiterhin die bekannten Abstands- und Hygieneregeln sowie die Kontaktbeschränkung.

Auf dem gesamten Tierparkgelände gilt nach aktualisierter Infektionsschutzverordnung FFP2-Maskenpflicht. Kinder unter sechs Jahren sind aber von der Maskenpflicht ausgenommen. Geöffnet sind nur die Außenanlagen, die Tierhäuser bleiben zu. Auch kommentierte Fütterungen und Führungen finden bis auf weiteres nicht statt.

Wie geht es weiter?

Für Landkreise oder kreisfreie Städte, die eine Inzidenz nahe an den Schwellenwerten haben, ist folgende Regel wichtig: Wird ein maßgeblicher Grenzwert (35, 50, 100) an drei aufeinanderfolgenden Tagen über- oder unterschritten, muss dies die zuständige Kreisverwaltungsbehörde unverzüglich bekanntmachen.

Die für den neuen Inzidenzbereich maßgeblichen Regelungen gelten dann für die betreffende Region ab dem zweiten Tag nach dieser amtlichen Bekanntmachung. Dies hat etwa besonders starke Auswirkungen sollte der Inzidenzwert von 100 überschritten werden: Dann gilt eine sogenannte "Notbremse" und sämtliche Lockerungen werden wieder zurückgenommen.

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