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Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Am Sonntag ging's dann auch in Bayern los: Die ersten Impfungen wurden vorgenommen. Lange hatte man drauf gewartet, die Vorbereitungen waren getroffen und trotzdem ging auch einiges schief ...

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Corona-Impfungen: Wie es zu den Pannen in Bayern kam

Am Sonntag wurde deutschlandweit mit den Impfungen gegen Corona begonnen. Doch in Bayern gab es vielerorts Probleme: Es kamen Zweifel auf, ob der Impfstoff ausreichend gekühlt war. Das sind die Hintergründe.

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Von
  • Andreas Neukam
  • Magdalena Latz

Tag zwei nach dem Start der größten Impfaktion in der Geschichte der Bundesrepublik: Inzwischen wird in ganz Bayern gegen Corona geimpft. Bis Montagnachmittag wurde bereits 6.000 Menschen im Freistaat das Vakzin verabreicht, wie Gesundheitsministerin Melanie Huml mitteilte.

Doch an Tag eins verlief in einigen Regionen nicht alles so reibungslos wie geplant. In Teilen Oberfrankens und Schwabens verzögerte sich das Impfen, weil es Ungereimtheiten bei der Kühlung des Impfstoffs gegeben hatte. Aus Sicherheitsgründen wurde der Start deshalb verschoben.

Kontrollgerät in Transportboxen falsch platziert

In Oberfranken kam es in allen Landkreisen außer in Bamberg zu Problemen. Der Impfstoff sollte in Transportboxen aus den Verteilzentren Bayreuth und Bamberg bei einer Temperatur zwischen zwei und acht Grad Celsius ausgeliefert werden. Ein Kontrollinstrument überwachte die konstante Temperatur. Die Aufzeichnungen des Gerätes zeigten jedoch auch Temperaturen von bis zu 14 Grad an.

Die Ursache ist nach Angaben der Regierung von Oberfranken inzwischen geklärt: Zu den Abweichungen bei der Temperatur war es demnach aufgrund der fehlenden Vorkühlung des Messgeräts und dessen Platzierung in der Box gekommen. Das betätigte auch Christian Meißner, der Vorsitzende des Bezirksverbandes Oberfranken des Bayerischen Landkreistages: "Das kennen sie vom eigenen Kühlschrank. Unten ist der Impfstoff, da war es wahrscheinlich kalt. Deswegen sagen alle, wahrscheinlich wäre es möglich, ihn zu verimpfen. Das Gerät, das die Temperatur aufzeichnet, war relativ weit oben, da war es wärmer, aber das sind eben die Temperaturen, die uns vorliegen."

Neuer Impfstoff in Oberfranken ausgeliefert

Zwar hatte die herstellende Firma Biontech noch in der Nacht die Qualität der Impfdosen bestätigt und die Dosen freigegeben. Dennoch bestehe ein Restzweifel, weswegen die Charge vom Sonntag nicht verwendet werde, sagte Meißner. "Und zwar einfach deswegen, um das Vertrauen der Bevölkerung in die ganze Impfkampagne nicht zu gefährden."

Nach zunächst anderslautenden Ankündigungen wurde in den von der Panne betroffenen Regionen am Montag also entschieden, dass diese erste Lieferung nicht verwendet wird. Die 1.000 Dosen gingen zunächst wieder ins Depot. Sie werden nun von Biontech nochmals fachlich geprüft und bewertet.

Am Montagnachmittag ging es dann im Großteil Oberfrankens aber trotzdem los mit den Impfungen, nachdem eine neue und frische Lieferung Impfdosen eingetroffen war. In Bayreuth beispielsweise kamen laut Mitteilung 400 neue Dosen des Impfstoffes an, die in einem Seniorenheim direkt vergeben werden sollten.

Impfstoff in Schwaben war wohl durchgehend tiefgefroren

Auch in Schwaben verlief der Start der Impfkampagne teilweise holprig. Hier waren die Landkreise Augsburg und Dillingen betroffen. Auch sie hatten Unregelmäßigkeiten bei der Kühlung entdeckt. Zweifel seien den Verantwortlichen beim Verladen des Impfstoffs gekommen, wie es hieß.

Eventuell sei der Impfstoff aufgetaut und dann wieder eingefroren worden, befürchtete der Dillinger Landrat Leo Schrell zunächst. Es habe sich dann aber bei der Überprüfung des Kontrollgeräts, also des Datenloggers, herausgestellt, dass dem nicht so gewesen sei und der Impfstoff durchgehend tiefgefroren war und "deshalb unbedenklich verimpft werden konnte", erklärte Schrell. Erste Impfungen wurden deshalb gestern noch nachgeholt.

Im Landkreis Augsburg hatte die Verzögerung beim Impfbeginn noch einen anderen Grund: ein Mitarbeiter hatte versehentlich auf den Reset-Knopf an der Box gedrückt, was dazu geführt habe, dass in der Aufzeichnung zunächst einige Zeit fehlte. Auch das konnte geklärt werden.

💡 Unterbrechung der Kühlung - ein Gesundheitsrisiko?

Nach Angaben des Herstellers Biontech muss der Impfstoff für einen längeren Zeitraum bei minus 70 Grad gelagert werden. In den Impfzentren kann das Vakzin in den Lieferboxen oder in Kühlschränken bis zu fünf Tage bei zwei bis acht Grad aufgehoben werden. Die eigentliche Impfung könne bei Zimmertemperatur erfolgen, heißt es.

Wenn der Impfstoff zu warm wird, beginnen sogenannte Degradationsprozesse, sagt Leif Erik Sander, Immunologe an der Charité in Berlin auf Anfrage von BR24. Das heißt, die im Impfstoff enthaltene mRNA werde nach und nach in kleine Stücke abgebaut. Je nachdem, wie lange der Impfstoff nicht entsprechend gekühlt werde, verringere sich die Wirksamkeit. "Von einer Gefährdung ist aber nicht auszugehen", so Sander.

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Was passiert mit dem Corona-Impfstoff, wenn die Kühlkette unterbrochen wurde? Eine Einschätzung von BR-Wissenschaftsexpertin Jeanne Turczynski.

Aufklärungsbögen könnten Impfaktion weiter verzögern

Doch nicht nur wegen unterbrochener Kühlketten besteht Unmut. Auch eine aktualisierte Version des Aufklärungsbogens zur Covid-19 Schutzimpfung könnte in manchen Senioren- und Pflegeheimen für weitere Verzögerungen sorgen. Das bayerische Gesundheitsministerium besteht darauf, dass dieser ausgefüllt werden muss.

Betroffen sind Männer und Frauen, für die ein Betreuer die Einwilligung zur Impfung erteilt hat – meist handelt es sich um Menschen mit Demenz oder bei denen Angehörige der Impfung zustimmen müssen. In den meisten Fällen hatten Betreuer und Angehörige den Aufklärungsbogen mit Stand 9. Dezember zum Impfstoff von BioNTech/Pfizer vorliegen.

Am 22. Dezember hatte das zuständige Robert Koch-Institut den Bogen aufgrund der Erfahrungen unter anderem aus Großbritannien aktualisiert. Nun wird auf weitere Nebenwirkungen hingewiesen, "die in wenigen Einzelfällen aufgetreten sind", fasst das Bayerische Gesundheitsministerium auf BR-Anfrage die wesentliche Änderung zusammen.

Im gesamten Freistaat gehen die Impfungen unterdessen weiter. In München etwa sollen am Dienstag Mitarbeiter der Unikliniken Großhadern sowie Rechts der Isar Impfstoff verabreicht bekommen.

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