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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Jan Kroölak

1,37 Millionen Impfdosen gegen Corona sind bislang in Bayern gespritzt worden, davon fast 924.000 Erstimpfungen. Umgerechnet auf die bayerische Bevölkerung bedeutet das: Gut sieben Prozent haben zumindest ihre erste Dosis erhalten.

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Corona-Impfung: Werden die Pläne für Bayern eingehalten?

Die Lieferpläne der Hersteller Biontech und Moderna werden größtenteils eingehalten, bei Astrazeneca gibt es Verzögerungen. Mehr als 80 Prozent des gelieferten Impfstoffes wird in Bayern verimpft - die Impfrate pro Tag ist aber noch unter dem Ziel.

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Von
  • Claudia Kohler

Im Dezember und Januar machten Lieferung und Verfügbarkeit der Corona-Impfstoffe in Bayern vor allem negative Schlagzeilen: Zuerst wurde durch einen Fehler beim Transport eine größere Menge unbrauchbar. Dann lieferte der Hersteller Biontech im Januar deutlich weniger Impfdosen als geplant.

Laut dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) kündigten Biontech und Pfizer damals aber an, bereits ab Februar die Lieferpläne wieder einhalten zu können. Wegen erhöhter Produktion, aber auch, weil seit der zweiten Januarwoche aus einer Ampulle des Biontech-Impfstoffes sechs statt fünf Impfdosen entnommen werden dürfen.

Eine Auswertung der Daten des BMG zeigt: Im Februar entsprach die Menge der gelieferten Impfdosen von Biontech und auch der Firma Moderna nach Bayern größtenteils den aufgestellten Lieferplänen. Beim seit 29. Januar zugelassenen Impfstoff des Herstellers Astrazeneca gab es Verzögerungen.

Impfstoff-Lieferungen im Februar größtenteils nach Plan

Anfang Februar veröffentlichte das BMG erstmals Lieferlisten, die nach Bundesland und Impfstoffhersteller aufschlüsseln, wieviel Impfdosen bereits geliefert wurden und wie viele in den folgenden Wochen eingeplant sind. Seit Ende März wird in diesen Listen auch ausgewiesen, wie viele Impfdosen insgesamt für die Arztpraxen reserviert sind.

Seit 17. Februar stellt das Ministerium über das Impfdashboard (ein Angebot in Kooperation mit dem Robert Koch-Institut) auch die Anzahl der tatsächlich erfolgten Lieferungen für die einzelnen Bundesländer zur Verfügung. Mehr zu den Daten, siehe unten.

Die folgende Grafik zeigt, wie die geplanten Impfstofflieferungen seit Anfang Februar im Vergleich zur Zahl der tatsächlichen Lieferungen ausgesehen haben:

Zu sehen ist, dass die Planung, die in den Lieferlisten zu einem bestimmten Zeitpunkt gezeigt wurde, und die tatsächliche Lieferung der Impfdosen sich im Februar größtenteils entsprachen. Im Märzgibt es verstärkt Diskrepanzen, verursacht vor allem durch die Lieferverzögerung beim Hersteller Astrazeneca. Dieser hatte im Januar bereits angekündigt, die mit der EU vereinbarte Menge an Impfdosen stark verzögert zu liefern - diese Meldungen wiederholten sich Mitte März.

Astrazeneca-Lieferungen verschieben sich nach hinten

Laut der Planungsliste, wie sie am 3. März vorlag, sollten im Zeitraum 1. bis 4. März von diesem Impfstoff 175.200 Dosen nach Bayern geliefert und die Gesamtzahl auf 496.800 erhöht werden. Diese Lieferung war bis zum 8. März allerdings noch nicht erfolgt, die Gesamtzahl blieb weiter auf 321.600.

Der Lieferplan wurde entsprechend angeglichen, er sah nun die nächste Lieferung in Höhe von 151.200 Impfdosen für den Zeitraum 8. - 9. März vor. Diese Lieferung ist nach den Angaben des BMG am 9. März erfolgt. Die Gesamtmenge an eingeplantem Impfstoff hat sich zeitlich verschoben und liegt auch leicht unter den Angaben, wie sie noch in der Liste vom 3. März zu lesen waren. Dieses Muster von Nicht-Einhalten und Korrigieren der Lieferpläne setzt sich über den März hinweg fort:

Pläne für Impfungen werden laufend angepasst

Die Pläne werden laut einer Sprecherin des Bundesgesundheistministeriums laufend angeglichen, entsprechende Hinweise sind enthalten. So wird etwa in einer der Liste des Herstellers Biontech darauf hingewiesen, dass „ein Teil der März-Dosen noch nicht produziert“ sei. In einem Plan für Astrazeneca ist zu lesen: „Die endgültigen Liefermengen können aus logistischen Gründen abweichen.“

Zahl der Impfungen pro Tag weiterhin unter der Zielvorgabe

Das Volumen der Impfstofflieferungen hat sich in jedem Fall deutlich erhöht: Während im Januar insgesamt 338.535 Dosen nach Bayern geliefert wurden, waren es im Februar 830.100. Trotzdem ist noch immer nicht die Impfrate von 40.000 verabreichten Dosen pro Tag erreicht. Diese wurde seit Beginn der Impfkampagne immer wieder als Kapazität angegebenen, die mit den bayerischen Impfzentren und mobilen Impfteams gut möglich sei.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek brachte in der Zwischenzeit eine neue Zielmarke ins Spiel: Im April sollen pro Tag 110.000 Impfdosen in Bayern verabreicht werden. In der Kalenderwoche 9 waren es im Schnitt nur rund 36.000 pro Tag.

Mehr tägliche Impfungen durch Mitarbeit der Hausärzte

Ein Sprecher des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege bestätigte gegenüber dem BR: Die 110.000 verabreichten Impfdosen pro Tag stellen die neue Zielmarke dar. Die Impfzentren seien einsatzbereit und könnten, bei ausreichender Impfstoffverfügbarkeit, täglich über 49.000 Menschen impfen. Bedarfsgemäß könne die Kapazität der einzelnen Impfzentren, beispielsweise durch einen Ausbau oder längere Öffnungszeiten, kurzfristig sogar noch weiter gesteigert werden.

Darüber hinaus forciere man gegenwärtig die Integration weiterer Elemente im Impfkonzept, wie z.B. die Einbindung bestimmter Arztpraxen in die Infrastruktur der Impfzentren. Ziel sei es, möglichst viele Hausarztpraxen rasch einzubinden.

Um die Kapazität der Infrastruktur aber ausnutzen und ausbauen zu können, sei eine ausreichende Impfstoffverfügbarkeit notwendig. Diese Voraussetzung sei, trotz der Einhaltung der Lieferpläne, derzeit noch nicht durchgehend gegeben.

Bayern verimpft gelieferte Dosen schneller als andere Bundesländer

Könnte es auch daran liegen, dass der Impfstoff in Bayern zwar ankommt, aber zu zögerlich verimpft wird? Ende Februar häuften sich die Nachrichten, dass es vor allem gegen den Astrazeneca-Impfstoff Vorbehalte gebe und die Behörden nicht schnell genug auf die damals noch gültigen Einschränkung dieses Impfstoffes reagierten. (Die Empfehlung, den Astrazeneca-Impfstoff nur bei Personen unter 65 anzuwenden, hat die Ständige Impfkommission (Stiko) inzwischen verworfen.)

Stellt man die Zahl der gelieferten Impfstoffe mit der Zahl der verabreichten Impfdosen gegenüber, ergibt sich folgendes Bild:

Am 8. März waren in Bayern rund 84 Prozent der gelieferten Impfdosen verabreicht worden. Damit war der Freistaat an diesem Tag das Bundesland, dass den größten Anteil seiner insgesamt gelieferten Impfdosen auch verimpft hatte. Diese Zahl sinkt nach den Lieferungen von Biontech und Astrazeneca am 9. März wieder, dennoch zeigt die Momentaufnahme, dass der Impfstoff in Bayern nicht generell liegen bleibt.

Doch während vom Biontech-Pfizer-Impfstoff 95 Prozent verabreicht wurden, bleiben von den Herstellern Moderna und Astrazeneca größere Reserven. Hier verimpften andere Bundesländer deutlich mehr. Auf die Frage nach der Ursache dieses Phänomens antwortete ein Sprecher des Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege:

"Aktuell wird von jedem Impfstoff ein prozentualer und variabler Anteil für eine erforderliche zweite Impfung zurückgestellt, um beispielsweise auf etwaige Lieferschwankungen kurzfristig reagieren zu können. Mit steigenden und verlässlicheren Lieferzahlen sind weniger umfangreiche Rückstellungen erforderlich und es kann somit mehr verimpft werden."

Doch obwohl die Zahl der gelieferten Impfdosen sich zwischen Januar und Februar mehr als verdoppelte, stieg die Anzahl der verabreichten Impfdosen zwischen diesen Monaten lediglich um rund 37 Prozent. Die Entwicklung wird in der folgenden Grafik gezeigt:

Wie geht es mit Impfstoff und Impfgeschwindigkeit weiter?

Das erste Quartal 2021 geht am 31. März zu Ende. Bis dahin sollen laut den aktuellen Lieferlisten der Hersteller insgesamt etwas über drei Millionen Impfdosen nach Bayern geliefert worden sein. Eine Prognose, die das Bundesgesundheitsministerium im Februar veröffentlichte, zeigt, wie es im Laufe des Jahres weitergehen könnte.

Sollten die nach dieser Prognose 10.021.086 Impfdosen der bereits zugelassenen Impfstoffe im zweiten Quartal in Bayern eintreffen, wären rein rechnerisch rund 110.000 Impfungen pro Tag möglich. Nimmt man die noch nicht zugelassenen Impfstoffe der Hersteller Johnson&Johnson und CureVac hinzu, könnten es sogar knapp 133.000 werden. Diese Impfstoffe könnten vor allem auch helfen, das bundesweite Ziel zu erreichen, jedem Impfwilligen bis zum Sommer ein Impfangebot zu machen.

Über die Daten

Die Zahlen zu den verabreichten Impfdosen, aufgeschlüsselt nach Bundesländern und Herstellern, werden täglich vom Robert Koch-Institut bereitgestellt.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) stellt seit Mitte Februar über das Impfdashboard (ein Angebot in Kooperation mit dem Robert Koch-Institut) die Anzahl der erfolgten Lieferungen in die einzelnen Bundesländer zur Verfügung. Die Daten werden laut einer Sprecherin des BMG nach Eingang und Verteilung der Lieferungen an die Länder aktualisiert. Dies geschehe ein bis zweimal in der Woche, je nach Zugang der Lieferung und Verteilung an die Länder.

Die Lieferlisten der Hersteller und die Prognose für 2021 stellt das BMG als PDF-Dateien zur Verfügung. Die Lieferlisten werden laut einer Sprecherin des BMG regelmäßig aktualisiert und mit den aktuellen Lieferungen abgeglichen. Dabei werden die vorherigen Dateien überschrieben und der Datenstand, der in den Dateien selbst angegeben wird, teilweise nachträglich verändert.

Für die vorliegende Analyse wurden die Listen zu verschiedenen Zeitpunkten gesichert, um im Rückblick vergleichen zu können, wie die geplanten Zahlen sich im Vergleich zu den tatsächlichen Lieferungen verhielten. Die angegebenen Tage beziehen sich immer auf das Datum der Sicherung.

Die Listen unterscheiden sich im Format je nach Hersteller. In der aktuellen Biontech-Lieferliste etwa werden Liefertermine durchgängig mit einer Zwei-Tages-Zeitspanne (8. - 9. März) angegeben. In der aktuellen Moderna-Lieferliste werden Kalenderwochen aufgeführt, in der aktuellen Astrazeneca-Liste variieren die Angaben. Für die vorliegende Datenanalyse wurde immer der erste Tag einer Zeitspanne/Kalenderwoche als Stichtag gewählt.

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