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Corona-Impfung: Zurückhaltung bei Pflegenden in Bayern | BR24

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Symbolbild: Impfen von medizinischem Personal

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    Corona-Impfung: Zurückhaltung bei Pflegenden in Bayern

    Von den 90.000 Personen, die bislang in Bayern geimpft worden sind, gehört rund ein Drittel zur Gruppe der Pflegekräfte, so die Vereinigung der Pflegenden in Bayern. Sie beobachtet beim Pflegepersonal allerdings eine deutliche Impf-Zurückhaltung.

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    Von
    • Daniel Knopp

    Im Altersheim St. Klara in Altötting ist jetzt rund ein Drittel der Pflegekräfte geimpft. Es könnten alle sein, doch der Leiter der Einrichtung, Georg Sigl-Lehner, der auch Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern ist, sieht eine deutliche Zurückhaltung bei seinem Pflegeteam.

    "Bei uns war es so: Ein Drittel hat sich sofort und spontan zur Impfung bereit erklärt. Wurde auch sofort geimpft. Ein Drittel ist noch etwas abwartend, aber nicht generell gegen die Impfung und bei einem weiteren Drittel, stellen wir fest, ist momentan keine Impfbereitschaft vorhanden." Georg Sigl-Lehner, Leiter Altersheim in Altötting

    Diese Einschätzung teilen auch andere Träger von Altenheimen in Bayern, wie Doris Schneider, Geschäftsführerin der Caritas im Bereich Altenheime in der Erzdiözese München und Freising. Sie ist verantwortlich für 27 Altenheime. Ein Drittel der Pflegenden in ihren Altenheimen sei ebenfalls generell ablehnend gegenüber der Corona-Impfung. Was helfen könnte, wären Erleichterungen für die geimpften Mitarbeiter, so Doris Schneider. Derzeit müsse jeder Pfleger zweimal in der Woche getestet werden und dies sei auch nicht unbedingt angenehm.

    Keine Alternative zu Impfungen

    Für Doris Schneider von der Caritas ist klar: Die Bewohner können sich nur noch sehr eingeschränkt bewegen. Aus ihrer Sicht gibt es keinen anderen Weg als die Impfung, um wieder mehr Normalität in den Heimen zu erlangen. Es ist also ein Problem, wenn sich die Pflegenden so zurückhaltend gegenüber der Corona-Impfung verhalten.

    Was sind die Gründe für die Impf-Zurückhaltung?

    Gründe für die hohe Impf-Zurückhaltung bei Pflegenden sind für Georg Sigl-Lehner unzureichende Informationen über und Erfahrungen mit der Covid-Impfung. Das Problem mit zu wenig, aber auch falschen Informationen sieht auch Dirk Spohd von der Münchner Diakonie–Tochter "Hilfe im Alter".

    Impfskepsis geht auf Angst zurück

    Dirk Spohd ist zuständig für zehn Altersheime in München. Die Impfbereitschaft seiner Pflegeteams sei sehr unterschiedlich, sagt Dirk Spohd. Die Skepsis gegenüber der Impfung gehe meist auf Angst zurück. "Es ist etwas, was man noch nicht kennt. Es gibt viele Fehl- und wenig sachlich fundierte Informationen. Ich denke, dass das ein wesentlicher Grund ist. In dem Moment, in dem man die Mitarbeiter mitnimmt, sie aufklärt, sie abholt und die Ängste nimmt, kann man sie auch überzeugen. Was ich sehr oft in den Gesprächen gehört habe, sind Aussagen wie 'Ich bin doch nicht das Versuchskaninchen.' Das muss man eben ernst nehmen.“ Etwas anderes bleibt den Einrichtungen momentan auch kaum übrig, denn die Personalsituation in den Altersheimen bleibt weiterhin sehr angespannt.

    Fehlinformationen meist aus dem Internet

    Fehlinformationen über die Impfungen kommen laut Dirk Spohd fast immer aus dem Internet. Dies sei in den Gesprächen schnell erkennbar. Ihm ist es wichtig, dass auch die Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen wollen, nicht als Querulanten abgetan werden, sondern dazu gehören, auch wenn man sie noch überzeugen müsse.

    Impfbereitschaft wächst mit Covid–Erkrankungen

    Generell stellt Dirk Spohd fest, dass die Impfbereitschaft in Altersheimen, die bereits Covid–Erkrankungen durchgemacht haben, deutlich höher ist. Diese Beobachtung macht auch der Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern, Georg Sigl-Lehner. Um noch mehr zu überzeugen, wird die Vereinigung der Pflegenden in Bayern in den nächsten Wochen regelmäßig Online-Veranstaltungen anbieten, um aufzuklären, zuzuhören und Fragen zu beantworten.

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