Lena lässt sich im Impfzentrum Ebersberg zum ersten Mal impfen.

Bildrechte: BR: Anna Dannecker
  • Artikel mit Video-Inhalten
>

Warum sich Menschen jetzt zum ersten Mal impfen lassen

Warum sich Menschen jetzt zum ersten Mal impfen lassen

Die Zahl der Corona-Erstimpfungen nimmt zu: Anfang November waren es noch knapp 56.000 Menschen in Deutschland pro Tag - vier Wochen später schon über 90.000 täglich. Warum lassen sich Menschen jetzt zum ersten Mal impfen? Wir haben nachgefragt.

Lena ist ungeimpft. Bis jetzt. Die 32-Jährige arbeitet als Heilerziehungspflegerin und kommt aus dem oberbayerischen Wasserburg. "Ich wäre ja eine der ersten gewesen, die gedurft hätten. Und es hat sich einfach ein Stück weit so angefühlt: Sind wir jetzt Versuchskaninchen in der Pflege?" Ihr schlechtes Bauchgefühl hat sie in den letzten Monaten nicht verlassen.

"Ich bin generell jemand, der ganz wenig Medikamente nimmt.", erzählt Lena. "Das geht schon mit Schmerztabletten los, von denen ich ja auch keine Angst habe. Aber wo ich einfach versuche, von außen so wenig wie möglich Einfluss auf mein Immunsystem zu nehmen." Doch heute wird sie das ändern. Sie bekommt ihre erste Impfung gegen Corona.

Einschränkungen für Ungeimpfte oft ausschlaggebend

Für Lena war der ausschlaggebende Grund für ihre Impfung: die Einschränkungen. "So Sachen wie: keine Lohnfortzahlung, wenn man in Quarantäne muss." Da auch ihr Partner ungeimpft ist, könnte das im schlimmsten Fall an ihre finanzielle Existenz gehen. "Das kann ich mir schlichtweg nicht leisten, da weiter stur dagegen zu sein."

Stur dagegen, und jetzt doch. Es gibt einige Menschen, die jetzt noch umdenken. Auch in München gibt es einige späte "Erstimpflinge". In der Schlange am Marienplatz - für Impfungen ohne Termin. "Als 3G in der U-Bahn kam, dachte ich: ich lasse mich auch impfen", sagt ein junger Mann. Er nennt auch die hohen Inzidenzen als Mitgrund für seine Corona-Impfung. "Alles ist schwierig. In die Arbeit kannst du nicht gehen, ins Restaurant kannst du nicht gehen. Was hast du für eine andere Möglichkeit?"

Andere wollen reisen, oder haben jetzt einfach aufgegeben. "Der Grund hauptsächlich ist ehrlich gesagt: Drängen meiner Mutter", sagt ein anderer junger Mann. "Ich hätte es lieber ausgesessen." Dass man am Marienplatz auch ohne Termin zur Impfung kommen kann, scheint hier viele zusätzlich motiviert zu haben.

Hotspot-Regionen: Hohe Inzidenz auch Grund für Impfung

"Ich denke, dass der Schreck der hohen Inzidenz in den letzten zwei Wochen sowie die 2G-Einschränkungen noch einmal Leute mobilisiert hat, die noch am Zweifeln waren", meint Mathias Kempf, Sprecher des Landkreises Rottal-Inn. Der Landkreis war wegen einer Inzidenz von über 1000 noch bis vor ein paar Tagen in einem "Hotspot-Lockdown" gewesen. Lange waren bei den Erstimpfungen nur noch vereinzelt Leute gekommen. Seit etwa zwei Wochen lassen sich jedoch laut Landratsamt rund 100 Menschen am Tag erstimpfen.

In Ebersberg ist Lena an diesem Tag eine von 48 Menschen, die sich im Impfzentrum zum ersten Mal impfen lassen. 523 sind an diesem Tag für ihre dritte Impfung hier. Eigentlich alle nur mit Termin. Als aber ein Mann ohne Termin am Tresen steht und seine erste Corona-Impfung möchte, drückt eine Mitarbeiterin ein Auge zu: "Sie haben Glück, es ist gerade ein Termin frei geworden."

Für Lena geht die Impfung ganz schnell. "Wohler würde ich mich natürlich fühlen, wenn es eine Herz- oder eine Bauchentscheidung wäre, als eine Kopf-Entscheidung." Aber am Ende steht für die 32-Jährige dann doch die Erleichterung: "Es ist schon irgendwie ein befreiendes Gefühl. Muss ich dann ganz ehrlich sagen."

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!