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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Bernd Wüstneck

8.500 Hausärzte impfen jetzt in Bayern

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Impfen in Bayern: Ab heute in weiteren 8.500 Arztpraxen möglich

Rund 1.600 Arztpraxen beteiligen sich bereits an der bayerischen Impfkampagne. Ab heute sollen 8.500 weitere hinzukommen. Bayernweit wurde laut Gesundheitsministerium rund 1,6 Millionen Menschen die erste Impfung verabreicht.

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Von
  • Claudia Grimmer

Nach ersten Impfungen vor Ostern sollen im Freistaat ab heute rund 8.500 Hausarztpraxen mit dem Impfen beginnen, so die Kassenärztliche Vereinigung Bayern. Es werde jeden Tag besser, auch wenn das Impfen nur langsam vorwärtskomme und es immer wieder Rückschläge gebe, erklärte Bayerns Ministerpräsident Söder in seiner Osteransprache. Jeden Tag werde die Größe einer Kleinstadt in Bayern geimpft.

Beginn mit niedriger Zahl an Dosen

Laut dem bayerischen Gesundheitsminister Holetschek (CSU) sollen die Impfzentren im Freistaat im April pro Woche mit 350.000 Dosen Impfstoff beliefert werden. Darüber hinaus gehende Lieferungen sollen an die Praxen gehen. Impfstoff erhalten nach Maßgabe des Bundesgesundheitsministeriums derzeit nur Vertragsärzte, die eine Zulassung haben und mit der Gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen können.

In einem nächsten Schritt sollten Betriebsärzte miteinbezogen werden. Der Bayerische Hausärzteverband zeigt sich optimistisch. Nach wie vor sei aber die Geschwindigkeit der Impfung abhängig von den Lieferungen der Impfstoffe, so Dr. Markus Beier vom Bayerischen Hausärzteverband: "Die Abläufe in den letzten zehn Tagen waren so, dass wir nach der Bestellung bei der Apotheke so etwa nach zwei bis drei Tagen erfahren, wie viel Impfstoff wir bekommen und bisher haben wir es immer vorher erfahren. Jetzt werden wir mal sehen, ob der Prozess stabil ist oder ob es da Schwankungen gibt."

Impfzentren erhalten kein Astrazeneca mehr

Ab dem 19. April sollen nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministers in den Impfzentren auch keine Erstimpfungen mit Astrazeneca mehr durchgeführt werden. Ab dann werden nach Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums auch über 60-Jährige in den Impfzentren nur noch mit den Impfstoffen von Biontech oder Moderna erstgeimpft. Für anstehende Zweitimpfungen sollen die Impfzentren jedoch noch Astrazeneca-Impfstoff "zurückstellen".

Die Arztpraxen sollen dann die Impfungen mit dem Vakzin Astrazeneca übernehmen. Das hatte bereits der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, gefordert. Doch der will auch vom Bund erst einmal genaue Auskunft darüber, welche Vorerkrankungen beispielsweise die Patienten hatten, bei denen Hirnvenenthrombosen aufgetreten seien.

Online-Petition der KV Baden-Württemberg

Die Kassenärztliche Vereinigung in Baden-Württemberg geht noch einen Schritt weiter. Sie hat eine Online-Petition gestartet, mit der Forderung, die Impfungen komplett in die niedergelassenen Arztpraxen zu verlegen. Sie will damit bewirken, dass die Impfdosen nicht vorrangig an die Impfzentren geliefert werden, sondern in die Arztpraxen.

"Für die niedergelassenen Haus- und Fachärzte und Fachärztinnen sind Impfungen Alltag", heißt es in der Online-Petition der Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg. "Jedes Jahr werden Millionen an Impfungen in den Praxen verabreicht – geräuschlos, effizient und kostengünstig. Genau diese Struktur muss nun genutzt werden."

Die Impfzentren seien teuer und erforderten einen riesigen Personalaufwand. Vor allem aber könnten sie für viele Patienten und Patientinnen kein adäquates Impfangebot bereithalten, heißt es in der Petition. Denn die Patienten und Patientinnen müssten in die Zentren kommen, was für viele entweder gar nicht möglich ist, oder nur mit hohem Aufwand. Zudem sei die Vorgeschichte des Patienten beim Arzt bekannt.

Spahn rechnet mit 20 Prozent an Geimpften

Im ersten Quartal seien aufgrund der Impfstoff-Knappheit lediglich zwölf Prozent der Deutschen gegen das Coronavirus geimpft worden, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. "Wir werden die nächsten zehn Prozent jetzt in einem Monat schaffen können", sagte der CDU-Politiker noch am Montag.

Er rechnet damit, dass bis Ende April 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine erste Impfdosis erhalten haben. Und Bundeskanzlerin Merkel konkretisiert: Bis zum Ende des Sommers solle jeder, der wolle, ein Angebot zur Impfung gegen Corona bekommen.

Mit 15,1 Millionen Impfdosen haben konkret 12,7 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens eine Erstimpfung. Unter diesem Wert liegt die Quote beim Schlusslicht Sachsen mit 11,2 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Über dem Bundesschnitt liegt Spitzenreiter Bremen mit 15,2 Prozent, es folgen Schleswig-Holstein, das Saarland, Thüringen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Hamburg. Bayern liegt beim Anteil der Geimpften genau im Bundesschnitt.

Impfdosen für Hausarztpraxen noch gering

35.000 Hausärzte gehen insgesamt ab heute bundesweit regulär an den Start, um schrittweise stärker mitzuimpfen. In den ersten drei Aprilwochen sollen sie laut Bund-Länder-Plan je rund eine Million Dosen erhalten. Das wären rechnerisch zunächst nur gut 26 Dosen oder eine Impfsprechstunde pro Woche. Ein Schub soll dann aber in der Woche vom 26. April mit mehr als drei Millionen Dosen erfolgen. Das wäre erstmals mehr als für die Impfzentren.

Der Bundesgesundheitsminister hat zudem vollständig gegen Corona geimpften Menschen Hoffnung auf mehr Freiheiten gemacht. Gleichzeitig verwies er aber auch auf die Lage auf den Intensivstationen, wo die Belegung von Betten durch Covid-Patientinnen und -Patienten wieder deutlich ansteigt.

Keine Überfüllung der Intensivstationen befürchtet

Die Zahl sei vor allem über die Osterfeiertage wieder angestiegen. Die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) befürchtet trotzdem keine Überfüllung der Stationen. Im Vergleich zum Monat Februar seien zwar 20 Prozent mehr Menschen auf den Intensivstationen, aber die Situation sei nicht vergleichbar mit der Lage rund um Weihnachten, so BKG-Chef Engehausen. Durch Impfungen und Schnelltestes sei die Situation eine andere.

Aktuell (Stand: 06.04.21) werden derzeit bundesweit 4.355 Menschen auf Intensivstationen behandelt, 2.397 oder rund 50 Prozent davon müssen beatmet werden. Die Zahl ist damit kontinuierlich steigend.

Bürger hegen Zweifel am Impfkonzept

In der Bevölkerung herrscht dagegen Skepsis, bis Ende des Sommers überhaupt eine Impfung zu erhalten. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur erwartet nur knapp ein Viertel (23 Prozent), dass das Ziel eingehalten wird, bis zum 21. September jedem Impfwilligen eine Corona-Impfung anzubieten. 62 Prozent rechnen nicht damit. 15 Prozent machten keine Angaben.

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