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Die bevorstehenden Pfingstferien und die zunehmende Aussicht auf Lockerungen für Geimpfte setzen Hausärzte unter Druck. Eine Ärztin aus Bayreuth impft seit März ihre Patientinnen und Patienten und beklagt die Bürokratie und den Impfstoff-Mangel.

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Druck auf Hausärzte steigt: Impfen neben der Sprechstunde

Viele Menschen wollen sich schnellstmöglich gegen Covid-19 impfen lassen - am besten beim eigenen Hausarzt. Doch der Ansturm auf die Praxen übt Druck auf die Mediziner aus, denn neben den Impfungen muss der Regelbetrieb weiterlaufen.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Markus Feulner

Petra Reis-Berkowicz wirbelt durch ihre Praxis: Sie impft im ersten Behandlungszimmer, im zweiten Behandlungszimmer, dann muss sie eine Ultraschall-Untersuchung machen. Überall sitzt jemand und wartet. Seit März impft die Hausärztin aus Gefrees im Landkreis Bayreuth ihre Patientinnen und Patienten. Mit vielen ist sie per Du, kennt sie seit Jahren, das erleichtert die Aufklärung.

In den Hausarztpraxen stehen die Patienten Schlange

Die Arbeitstage sind lang. Um sechs Uhr früh beginnt das Aufziehen der Spritzen. Eineinhalb Stunden später kommen die ersten Patienten.

"Dann wird aufgeklärt und nachgefragt, dann geimpft. Und so geht das den ganzen Vormittag getaktet durch." Petra Reis-Berkowicz, Hausärztin in Gefrees

Bis ins Treppenhaus stehen die Patienten und warten auf ihre Impfung. Seit acht Wochen geht das so. Am Montag kommt die Lieferung mit den Impfdosen. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag wird geimpft.

Abhängig von der Impfstoffmenge werden die Impfwilligen in die Praxis bestellt. Zwischen 80 und 120 Patienten werden so pro Woche geimpft.

Ärzte verbringen mehr Zeit mit Bürokratie als mit Impfen

Die Schreibarbeit übernimmt Mitarbeiterin Patrizia Schubert. Sie meldet auch die Impfzahlen an das Robert Koch-Institut für die deutschlandweite Statistik. Alle Patienten über 60 Jahre hat Hausärztin Petra Reis-Berkowicz bereits geimpft. Jetzt ist die Altersgruppe zwischen 55 und 60 Jahren dran. Die niedergelassene Ärztin könnte mehr Menschen impfen, doch die Bürokratie bremst.

"Wir verbringen mehr Zeit mit Einscannen von Papieren, ausfüllen lassen, nachgucken, ob auch alles verstanden wurde, unterschrieben ist, die Kreuze gesetzt sind. Mehr Zeit als mit dem Impfakt selbst, der ist in wenigen Sekunden vollzogen." Petra Reis-Berkowicz, Hausärztin in Gefrees

Sprechstunde und Impfen gleichzeitig in Gemeinschaftspraxen

Wenn in Gefrees Impftag ist, wird es eng in der Praxis. Denn neben den Impfungen gibt es ja auch die "normalen" Patienten, die Termine wollen und brauchen. "Wir sind eine Gemeinschaftspraxis mit zwei Ärzten, da kann man das ganz gut aufteilen: Einer macht Regelsprechstunde, einer impft. Das ist bei uns sehr gut durchgetaktet", so Petra Reis-Berkowicz.

Impfstress für Hausärzte nimmt weiter zu

Auch andere Kollegen würden das so machen, sagt die Ärztin, das habe sie nach Rücksprache erfahren. In Einzelpraxen sei das natürlich problematischer, so die Hausärztin weiter. Hausarztpraxen mit nur einer Ärztin oder nur einem Arzt bestellen daher weniger Impfstoff oder impfen gar nicht und überlassen das Ganze ihren Kollegen.

Der Stress für Petra Reis-Berkowicz wird wohl noch mehr werden. In der kommenden Woche beginnt die Ärztin mit den Zweitimpfungen und später auch in ihrer Eigenschaft als Betriebsärztin mit Impfungen in Gefreeser Firmen.

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