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Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren dürfen nun gegen Corona geimpft werden. Empfohlen wird das jedoch nur für Kinder mit Vorerkrankungen, und die Meinungen dazu gehen unter Medizinern auseinander.

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Impfung für Kinder ab zwölf Jahren: "Keine leichte Entscheidung"

Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren dürfen nun gegen Corona geimpft werden. Empfohlen wird das jedoch nur für Kinder mit Vorerkrankungen - und die Meinungen dazu gehen unter Medizinern auseinander.

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Von
  • Kilian Neuwert

Kinderarzt Guido Judex sprüht Desinfektionsmittel auf einen Tupfer. Er bereitet alles für eine Impfung vor - eine Routinehandlung. Doch das Mädchen, das ihm in seiner Regensburger Praxis gegenübersitzt, ist gewissermaßen eine besondere Patientin: Nathalie ist die erste, die er an diesem Montag gegen Corona impft. Denn ganz offiziell dürfen nun auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren die Impfung erhalten.

Piks, Abtupfen und Marienkäferpflaster drauf

Ein kleiner Piks in den linken Oberarm, Abtupfen, Marienkäferpflaster drauf - das war es am Ende. Fast unspektakulär, meint Arzt Guido Judex und lacht.

Nathalie hingegen war aufgeregt: Sie habe sich impfen lassen, damit sie bei einer Infektion besser geschützt sei, sagt sie unter ihrer FFP2-Maske. Ein wenig schüchtern wirkt sie an der Seite von Mutter Ramona.

Nathalies Vorerkrankung: Blutkrebs

Doch was so einfach klingt, hat noch einen ganz anderen Grund: Bei Nathalie wurde Leukämie diagnostiziert, als sie acht war - also Blutkrebs. Damit gilt sie als vorerkrankt. Sie zählt zu jener Gruppe von Kindern und Jugendlichen, für die auch die Ständige Impfkommission die Impfung empfiehlt. Doch ihre Mutter Ramona war bis zuletzt verunsichert, ob sie ihre Tochter impfen lassen sollte oder nicht:

"Das war keine leichte Entscheidung. Ich als normaler Verbraucher weiß nicht, was ist richtig und was ist falsch. Ich kenne mich nicht aus, verlasse mich auf die Ärzte. Ich hoffe, dass alles gut wird und Nathalie die Coronazeit auch gut übersteht." Ramona, Mutter von Nathalie

Impfempfehlung von anderen Ärzten bekommen

Ramona Jung suchte Rat bei den Ärzten, die ihre an Leukämie erkrankte Tochter behandelt hatten. Dort bekam sie eine klare Empfehlung für die Impfung. Doch so unsicher wie sie waren oder sind viele Eltern angesichts der kontrovers geführten Debatte rund um die Impfung von Kindern und Jugendlichen.

Sie könnte nun einmal mehr hochkochen, jetzt wo Kinder und Jugendliche ab zwölf theoretisch geimpft werden können. Zugelassen für sie ist nur das Präparat von Biontech/Pfizer. Dieses ist laut Kassenärztlicher Vereinigung in Bayern aber auch bei Erwachsenen am gefragtesten.

Stiko: Impfung für junge Risikopatienten empfohlen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) wird den Erwartungen von Beobachtern zufolge auch weiter bei ihrer auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Haltung bleiben. Demnach wird sie die Impfung eben nur für junge Risikopatienten empfehlen, obwohl der Impfstoff grundsätzlich für alle Kinder und Jugendlichen zugelassen ist.

Im Laufe der Woche wird eine neue Stellungnahme der Stiko dazu erwartet. Die Kommission argumentiert zum einen, dass aus ihrer Sicht noch nicht ausreichend Daten vorliegen. Auch mögliche Risiken und Nebenwirkungen spielen bei der Erwägung eine Rolle. Zum anderen hieß es zuletzt wiederholt, das Risiko für Kinder, schwer an Corona zu erkranken, sei so gering, dass das keinen Eingriff in Form einer Impfung aufwiege.

Meinungen zu Impfungen gehen auseinander

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Bayern folgt klar der Empfehlung der Stiko. Dessen Vorsitzender Dominik Ewald bekräftigte im Gespräch mit dem BR, dass zunächst nur junge Risikopatienten geimpft werden sollen. Und zwar ausschließlich in den Kinderarztpraxen, wo gut beraten werden könne, so Ewald.

Sein Regensburger Berufskollege Guido Judex zählt hingegen zu jenen Medizinern, die für eine umfassendere Impfung sind, die Kinder und Jugendliche ab zwölf also grundsätzlich impfen wollen. Die Risiken einer Infektion seien auch bei Kindern nicht zu leugnen, sagt Judex - und auch die Gesellschaft profitiere:

"Je weniger Möglichkeiten dieses Virus hat, in der Gesellschaft zu zirkulieren, umso weniger Möglichkeiten gibt es, dass Mutationen sich entweder festsetzen oder auch entstehen." Guido Judex, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
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Ab heute dürfen in Deutschland auch Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden. Die Europäische Arzneimittelbehörde hatte Ende Mai das Präparat von Biontech/Pfizer ab 12 Jahren freigegeben.

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