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Ein Mann bekommt eine Schutzimpfung gegen Covid-19

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    Flüchtlinge zurückhaltend bei Corona-Impfung

    In bayerischen Flüchtlingsunterkünften hat mehr als jeder zweite Asylbewerber das Angebot zur Corona-Impfung angenommen. Mehr als 40 Prozent hätten es abgelehnt, sagt das Innenministerium. Sie fürchteten nach einer Impfung die Abschiebung.

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    • BR24 Redaktion

    Mehr als 40 Prozent der impffähigen Asylbewerber in bayerischen Flüchtlingsunterkünften haben laut bayerischen Innenministerium eine Impfung gegen Covid-19 durch mobile Teams abgelehnt. Das erklärte eine Sprecherin des bayerischen Innenministeriums.

    Im bundesweiten Vergleich ist die Impfbereitschaft der Asylbewerber in Bayern mit knapp 60 Prozent eher hoch.

    Bundesweit bewegen sich die Corona-Impfquoten in den Einrichtungen zwischen 33 und 60 Prozent, wie eine Umfrage des evangelischen Pressedienstes (epd) ergab. Die mobilen Impfteams stießen mitunter auf recht große Skepsis, erklärten die zuständigen Landesministerien.

    Angst, als Geimpfte leichter abgeschoben zu werden

    Auch in Bayern werde immer wieder gemeldet, dass nicht nur bei Asylbewerbern, sondern bei Menschen mit Migrationshintergrund insgesamt spezifische Hemmnisse bestünden, die Schutzimpfung anzunehmen, sagte eine Sprecherin des bayerischen Innenministeriums.

    Manche hätten Angst, dass sie geimpft leichter abgeschoben werden könnten. "Fakt ist, dass die Impfung keine Auswirkungen auf den Aufenthaltsstatus hat", betont das Ministerium.

    Impfungen im Fastenmonat Ramadan abgelehnt

    Auch dass die Impfstoffe unfruchtbar machten, gehöre zu den vor allem in sozialen Netzwerken kursierenden Fehlinformationen, Verschwörungstheorien und Gerüchten, die viele abschreckten. Hinzu komme die Sprachbarriere. Um Sprachbarrieren und kulturelle Hürden zu überwinden, werden die Impfteams vielerorts von Sozialarbeitern und Dolmetscherinnen unterstützt

    Teilweise lehnten muslimische Asylbewerber das Impfangebot ab, weil es in die Zeit des Fastenmonats Ramadan fiel, hieß es aus anderen Bundesländern. Auch negative Medienberichte ließen die Skepsis wachsen - etwa über das Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson, das nur einmal verimpft werden muss und deshalb bei den Behörden für Impfungen in Flüchtlingsunterkünften eine gewisse Priorität hat.

    Informationsmaterial in den Herkunftssprachen

    Die Organisation Pro Asyl führt die geringe Impfbereitschaft in Flüchtlingsunterkünften auf eine verfehlte Aufnahmepolitik zurück. Die Menschen dort seien vielfach zu spät kontaktiert und nur unzureichend aufgeklärt worden, sagte der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt.

    Bayern bemühe sich intensiv, die Impfbereitschaft gezielt bei Menschen mit Migrationshintergrund und Asylbewerberinnen und Asylbewerbern zu erhöhen, sagte die Sprecherin des Innenministeriums. Hierfür stelle man etwa Infomaterial in den Herkunftssprachen der untergebrachten Asylbewerber bereit, das sachlich über den Zweck der Impfung sowie über Risiken und Nutzen aufkläre.

    Außerdem würden Info-Veranstaltungen in den Anker-Einrichtungen ("Anker" ist die Kurzform für "Ankunft, Entscheidung, Rückführung") durchgeführt. Integrationslotsen sowie Flüchtlings- und Integrationsberater hätten Informationen bekommen, wie man Falschinformationen rund um das Thema Impfen begegnen kann.

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