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Corona-Impfung: Erlanger Professoren sind optimistisch | BR24

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Die Ständige Impfkommission ist das Gremium, das die Impfempfehlungen für Deutschland entwickelt. Zwei der insgesamt 18 Experten kommen aus Erlangen. Beide sind Professoren am Uni-Klinikum.

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Corona-Impfung: Erlanger Professoren sind optimistisch

Gleich zwei Professoren der Uniklinik Erlangen sind Mitglieder der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts in Berlin. Sie gehen davon aus, dass Anfang kommenden Jahres mit einer Impfkampagne in Deutschland begonnen werden kann.

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Von
  • Roland Zimmermann

Der Ständigen Impfkommission (STIKO) gehören derzeit 18 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland an. Dazu gehören der Virologe Professor Klaus Überla und der Immunologe Professor Christian Bogdan, die beide am Universitätsklinikum Erlangen tätig sind.

Erwartungen übertroffen

Derzeit arbeiten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit Wissenschaftler an rund 150 möglichen Impfstoff-Kandidaten gegen das Coronavirus. Davon befinden sich einige nach klinischen Tests an gesunden Freiwilligen bereits in der Zulassungsphase. Die beiden STIKO-Mitglieder aus Erlangen gehen davon aus, dass Anfang kommenden Jahres mit einer Impfkampagne in Deutschland begonnen werden kann.

Dass mögliche Impfstoffe eine Wirksamkeit von über 90 Prozent haben, hat die Erwartungen von Klaus Überla übertroffen und macht den Virologen zuversichtlich. Der Professor hofft, dass es nun gelingt, innerhalb von 90 Tagen nach Zulassung eines ersten Impfstoffes 90 Prozent der Hochrisikogruppen mit einem Impfstoff zu impfen. "Für mich sind das die 90 - 90 - 90 Ziele der Covid-19-Impfung, die uns Hoffnung machen können, vielleicht im Mai nächsten Jahres einen Teil der auferlegten Hygienemaßnahmen dann wieder ablegen zu können", sagt der Virologe im BR-Interview.

Sinnvoller Einsatz der Impfstoffe wird geprüft

Dafür müsse ein möglicher Covid-19-Impfstoff sicher, wirksam und von hoher Qualität sein. Ist dies gegeben, beschäftigt sich die STIKO mit der Frage: Wie können die zugelassenen Impfstoffe am sinnvollsten eingesetzt werden? Daraus leitet sie ihre Empfehlungen ab, die sich an folgenden Kriterien orientiert: Sicherheit, Wirksamkeit, Nutzen, Umsetzbarkeit, Akzeptanz sowie ethische Aspekte.

Der Impfstoff müsse besonders wirksam sein und möglichst ohne Nebenwirkungen, das sei die Erwartung der STIKO an den Impfstoff, erklärt Immunologe Christian Bogdan. "Wenn das jetzt in der Evaluation der Studien in Phase 3 (Anm. d. Red. an gesunden Menschen) herauskommen sollte, würde ich mich sofort impfen lassen, wenn ich zur Risikogruppe gezählt werden würde, die priorisiert geimpft werden muss", so Bogdan.

Corona hat die Arbeit der STIKO durcheinandergewirbelt

Die Abwägungen der Ständigen Impfkommission sind in der Regel ein aufwändiger Prozess, schließlich geht es um die Sicherheit und den Nutzen eines Impfstoffes. Doch weil die Menschen sich in dieser Pandemie nach einem Impfstoff sehnen, hat die STIKO schon im Mai eine Arbeitsgruppe gegründet, die die klinischen Tests der verschiedenen Impfstoffe begleitet, und parallel dazu an einer Impfempfehlung arbeitet.

Diese Arbeitsgruppe trifft sich wöchentlich virtuell, um die Impfempfehlung anzupassen und auszuarbeiten. Auf diese ungewöhnliche Weise hat die STIKO in ihrer 48-jährigen Geschichte noch nie arbeiten müssen.

STIKO gibt wegweisende Impfempfehlungen

Die Ständige Impfkommission ist das Gremium, das die Impfempfehlungen für Deutschland entwickelt und ausspricht. Von der Meinung des 18-köpfigen Gremiums hängt viel ab. Sie berücksichtigen nicht nur den Nutzen für den einzelnen, geimpften Menschen, sondern für die gesamte Bevölkerung.

Von ihrer Empfehlung hängt ab, ob eine Impfung zur Pflichtleistung der Gesetzlichen Krankenkassen wird und damit die Gemeinschaft der Beitragszahler für die Kosten dieser Maßnahme aufkommen soll. Aber: Die Ständige Impfkommission ist nicht zuständig für die Zulassung von Impfstoffen. Das macht das nationale Zulassungsinstitut, das Paul-Ehrlich-Institut mit Sitz in Langen bei Frankfurt.

💡 Die beiden Erlanger STIKO-Experten

Professor Dr. med. Christian Bogdan ist seit 13 Jahren Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsimmunologie der Friedrich-Alexander Universität (FAU) in Erlangen und Leiter des entsprechenden Instituts am Universitätsklinikum. In dieser Funktion ist er seit 2011 Mitglied der Ständigen Impfkommission und seit Mai in der Arbeitsgruppe für die Covid-19-Impfung.

Professor Dr. med. Klaus Überla leitet das Virologische Institut für Klinische und Molekulare Virologie am Universitätsklinikum Erlangen. Er ist seit vier Jahren Mitglied der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts in Berlin und seit Mai in der Arbeitsgruppe für die Covid-19-Impfung.

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