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In Bayern wird ab Donnerstag die Priorisierung für alle Corona-Impfstoffe in Arztpraxen aufgehoben. Damit kann sich jeder impfen lassen - wenn genug Impfstoff da ist. Bundesweit soll die Freigabe am 7. Juni erfolgen, auch in den Impfzentren.

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Impfstoff-Freigabe in Bayern ab Donnerstag, bundesweit am 7.6.

In Bayern wird ab Donnerstag die Priorisierung für alle Corona-Impfstoffe in Arztpraxen aufgehoben. Damit kann sich jeder impfen lassen - wenn genug Impfstoff da ist. Bundesweit soll die Freigabe am 7. Juni erfolgen, auch in den Impfzentren.

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Von
  • Gabriele Dunkel
  • BR24 Redaktion

Bayerns Haus- und Fachärzte dürfen ab Donnerstag, 20. Mai, alle Corona-Impfstoffe unabhängig von der Priorisierung verabreichen. Diesen Termin nannte das Gesundheitsministerium dem BR auf Anfrage. Grundsätzlich angekündigt hatte diesen Schritt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits vergangene Woche.

Bislang sind lediglich die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson unabhängig von der Priorisierung freigegeben. Jetzt dürfen Praxen auch die Präparate von Biontech und Moderna nach eigenem Ermessen verwenden. Damit kann sich nun - je nach Impfstoff - jeder ab 16 oder ab 18 Jahren beim Haus- oder Facharzt gegen Corona impfen lassen.

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Diese Corona-Impstoffe sind in Deutschland zugelassen

Minister: Impfstoff noch immer "knappes Gut"

Von der Aufhebung der Priorisierung erhofft sich die Staatsregierung eine "noch flexiblere und raschere Verimpfung der vorhandenen Impfstoffe", wie Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) vergangene Woche erläuterte. Zugleich bat er die Bürger aber auch um Verständnis, "dass in den Praxen zunächst anstehende Zweitimpfungen durchgeführt werden müssen und dass die Umsetzung der neuen Strategie auch in den Praxen noch etwas Vorlauf braucht". Impfstoff sei immer noch ein sehr knappes Gut.

Priorisierung in Impfzentren bleibt

In den bayerischen Impfzentren bleibt es vorerst bei der Priorisierung. Dort erhalten laut Holetschek in der Regel aktuell vor allem Menschen aus der Priorisierungsgruppe 3 ein Impfangebot. "Hiervon profitieren vor allem die 60- bis 69-Jährigen", sagte der Minister. Darüber hinaus gehören zur Gruppe 3 Lehrkräfte an Gymnasien, Real- und Mittelschulen, Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel, Personen, die in besonders relevanter Position in Einrichtungen der kritischen Infrastruktur tätig sind, sowie Menschen mit Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes mellitus oder Asthma ohne Komplikationen.

"Die über 70-Jährigen sind bereits weitgehend geimpft oder ihnen wurde zumindest ein Impftermin angeboten", betonte Holetschek. Selbstverständlich würden auch weiterhin in allen Impfzentren Personen der ersten oder zweiten Priorisierungsgruppe geimpft, wenn diese sich jetzt erst für eine Impfung entscheiden.

KVB begrüßt Impfstoff-Freigabe, warnt aber vor Engpässen

Die KVB (Kassenärztliche Vereinigung Bayern) begrüßte die Aufhebung der Priorisierung. Sie wies aber auch darauf hin, dass damit keine Erhöhung der verfügbaren Impfdosen verbunden sei. Der KVB-Vorstand bat die impfenden Ärzte deshalb ausdrücklich darum, weiterhin diejenigen Patienten zu impfen, die den Impfschutz auf Grund der bekannten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf am dringendsten benötigten.

Die KVB befürchtet, dass auch die für Juni angekündigten größeren Impfstoff-Mengen sich nur bedingt bemerkbar machen werden, da von heute an vor allem Dosen für die Zweit-Impfungen ausgeliefert würden, "um den Impfschutz zu vervollständigen."

Experten kritisieren Freigabe der Impf-Priorisierung

Einige Experten sehen die Entscheidung der Staatsregierung kritisch. Die Chefin des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna, warnte vor der Aufhebung der Priorisierung. Dadurch gebe es nicht mehr Impfstoff, "sondern einfach noch mehr Menschen, die um ein knappes Gut konkurrieren".

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie hatte schon vergangene Woche kritisiert, die rasche Aufhebung der Impfpriorisierung sei eine Gefahr für viele Menschen aus Risikogruppen: "Wenn wir jetzt zu schnell freigeben, schützen wir nicht gut und früh genug die Menschen, die den Schutz am nötigsten haben."

Ende der Impf-Priorisierung in ganz Deutschland ab 7. Juni

Bundesweit soll die Impf-Priorisierung am 7. Juni aufgehoben werden. Das haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern heute beschlossen. Die seit dem Impfstart vor fünf Monaten eingeführten Vorranglisten nach Alter, Erkrankungen und Beruf sollen dann nicht nur in Praxen, sondern auch in regionalen Impfzentren und bei Betriebsärzten wegfallen. Mit Blick auf die Impfzentren heißt es in dem Beschluss aber: "Den Ländern ist es unbenommen, die Priorisierung im Rahmen der ihnen zugewiesenen Impfstoffdosen aufrechtzuerhalten."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bat weiterhin um Geduld. Das Ende der Priorisierung bedeute nicht, dass nun alle unmittelbar innerhalb weniger Tage auch einen Termin bekommen könnten. Die Impfungen würden wie angekündigt "bis weit in den Sommer hinein" fortgesetzt. Bereits vereinbarte Termine würden nun auch nicht hinfällig, sondern sollten wahrgenommen werden.

Neben Bayern waren auch andere Bundesländer mit der Impfstoff-Freigabe in Arztpraxen vorgeprescht. So dürfen sich in Baden-Württemberg seit Montag die Menschen bereits ohne Eingruppierung impfen lassen.

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