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Corona-Impfung: Ärger bei Senioren und Probleme bei Auslieferung | BR24

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Seniorin Edith Bauer mit einem Brief der Stadt

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Corona-Impfung: Ärger bei Senioren und Probleme bei Auslieferung

Zwar gibt es die Möglichkeit, dass sich jeder für einen Impftermin online vormerken lassen kann, aber die wenigsten Senioren können damit etwas anfangen. Sie warten auf die Briefe der Kommunen. Doch die bringen nicht immer Licht ins Dunkel.

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Von
  • Claudia Grimmer

Die Ü-80-Jährigen, die zuhause leben, warten geduldig auf weitere Briefe ihrer Kommunen und damit auf weitere Informationen zur Corona-Impfung. Einige haben wie etwa in Amberg und Nürnberg bereits Anschreiben erhalten, andere noch nicht. Doch jede Kommune hält es unterschiedlich mit der Vereinbarung der Impftermine. Ein großes Problem für Senioren, zumal die wenigsten einen PC besitzen oder bedienen können.

Edith Bauer und das Schreiben der Stadt Nürnberg

Am Freitag kam er dann, der Brief der Stadtverwaltung. Die 82-jährige Edith Bauer aus Nürnberg erhielt gleich mehrere Seiten. Unter anderem wurden darin Online-Plattformen und die Hotline des Impfzentrums Nürnberg aufgeführt. Die wichtigste Information fehlte aber und zwar, wie Edith Bauer denn nun ihren Termin bekommt. Die Stadt schreibt lediglich:

"Wir hoffen, dass wir mit den Personen aus ihrer Bevölkerungsgruppe Anfang Februar 2021 Termine im Impfzentrum Nürnberg vereinbaren können." Brief an Seniorin von der Stadtverwaltung Nürnberg

Für die 82-Jährige ist damit klar: Es wird ein weiteres Schreiben der Stadt mit einem genauen Impftermin an sie geben. Doch dem ist nicht so. Auf Nachfrage des BR in der Pressestelle werden wir ans Impfzentrum verwiesen. An der Hotline erklärt ein Mann, die Seniorin müsse die genannte Nummer des Impfzentrums anrufen. Dort werde sie registriert und erhalte dann einen Rückruf, wenn ein Termin feststeht.

Im Anschreiben der Stadt fehlt eine so eindeutige Erklärung jedoch komplett. Edith Bauer weiß zudem nicht einmal genau, was eine Online-Plattform ist, um sich eventuell detaillierter informieren zu können. Abgesehen davon, dass sie, wie viele Senioren, gar keinen Computer hat.

Andere Städte – einfachere Lösungen

In Fürth hat der dortige Oberbürgermeister eine andere Lösung gewählt. Er hat ebenfalls Briefe an die Ü-80-Jährigen verschicken lassen, aber mit einem Rückantwortschreiben. Das kennen Senioren und können auch damit umgehen: Ausfüllen, Briefmarke drauf und zurückschicken.

Zudem werden darin bereits sämtliche Erkrankungen erfasst und nicht erst vor Ort im Impfzentrum, wo viele vor lauter Aufgeregtheit genaue Angaben nicht mehr geben können. Nach dem Eingang der Rückantwort erhalten die Senioren dann einen Telefonanruf des Impfzentrums, bei dem ihnen ein genauer Impftermin genannt wird.

Die nächsten Probleme warten beim Transport

Für Edith Bauer ist die Fahrt ins Impfzentrum kein Problem, denn sie nimmt das Taxi. Zwar habe sie noch ein eigenes Auto, aber alleine die Anfahrt zum genauen Parkplatz auf dem Messegelände mache ihr Probleme. Die 82-Jährige ist noch relativ fit, kommt mit ihrem Rollator überall hin. Anders verhält es sich mit schwerer gehbehinderten Menschen. Sie sind auf Angehörige oder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Oft eine Zumutung und große Strapaze für die älteren Menschen.

- Interaktive Karte: Hier ist Ihr Impfzentrum

Erreichbarkeit der Impfzentren ist ein Problem

Während Israel oder Großbritannien wohnortnahe Impfangebote in Kliniken und Arztpraxen anbieten, hat sich Deutschland für den Aufbau von Impfzentren entschieden. In Bayern gibt es derzeit 99 davon. Wie die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in einer Ad-hoc-Befragung feststellt, wollen sich mehr als 70 Prozent der Hochbetagten impfen lassen. "Jedoch fühlt sich nur ein Viertel der Impfwilligen in der Lage, die Impfzentren auch eigenständig aufzusuchen und sich dort impfen zu lassen", heißt es in einer Mitteilung der DGG.

"Die Anmeldung für die Impfung, die Erreichbarkeit der Impfzentren sowie die erforderliche Mobilität, stellt viele in der derzeit wichtigsten Zielgruppe der Impfstrategie vor eine nahezu unlösbare Aufgabe." Prof. Hans Jürgen Heppner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie

Krankenkassen übernehmen teils Fahrtkosten

In Fällen, in denen die Schutzimpfung gegen das Coronavirus nicht durch ein mobiles Impfteam oder beispielsweise durch Impfbusse sichergestellt werden kann, kommt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für die Fahrkosten des medizinisch notwendigen Transportmittels bis zum nächst erreichbaren Impfzentrum auf, heißt es von der AOK Bayern.

Das gilt jedoch nur für Betroffene, die auch sonst einen Anspruch auf Fahrtkostenübernahme zu ambulanten Behandlungen hätten. Darunter fallen beispielsweise Schwerbehinderte mit Merkzeichen (aG, BI oder H) oder Versicherte mit einem Pflegegrad 3, 4 oder 5. Für die Fahrten kann ein Taxi oder ein Mietwagen benutzt werden. Auch die Inanspruchnahme eines Krankentransports durch Hilfsorganisationen ist dann möglich.

Aber auch wenn Impfwillige derzeit einen Impftermin haben und der Transport steht, ist noch lange nicht sicher, dass es mit der Impfung auch wirklich klappt.

Biontech baut Produktion aus

Vor allem die Kommunen zeigen sich angesichts der Verspätungen bei der Auslieferung des Corona-Impfstoffs verärgert. Die Stadt Schwabach hat sämtliche Termine für die kommende Woche abgesagt. Lediglich die Zweitimpfungen könnten stattfinden, teilt die Verwaltung mit. 230 Impfwillige wurden vertröstet.

"Wir würden uns sehr wünschen, dass die Versorgung mit Impfstoff mittlerweile fast vier Wochen nach Impfstart eine gewisse Verlässlichkeit erreicht", so Peter Reiß, der Oberbürgermeister der Stadt Schwabach. "Unser Schwabacher Impfzentrum könnte täglich wesentlich mehr Impfdosen als schon zuletzt geliefert verimpfen, doch statt vorwärts zu kommen, müssen die Mitarbeitenden vor Ort doppelte Arbeit leisten."

Ursache der neuerlichen Verspätungen ist, dass der Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer die Produktion in Belgien erhöhen will. Deswegen wird laut Unternehmen die dortige Fabrik umgebaut, was zunächst zu einer Reduzierung der Lieferungen führt, bevor die Produktion ausgeweitet werden kann.

Am Freitag hatte bereits der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) "chaotische Zustände" beklagt. Das bayerische Gesundheitsministerium hat die Kritik von Münchens OB zurückgewiesen. "Zutreffend ist, dass die bisher an Bayern gelieferte Impfstoffmenge begrenzt ist. Der Bund und die EU-Kommission stehen hier in der Verantwortung, für mehr Impfstoffe zu sorgen und die Auslieferungen auf eine sichere und verlässliche Grundlage zu stellen", heißt es aus der Behörde.

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Impfdschungel für Senioren

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