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Corona-Impfstoff: Virologe Keppler warnt vor zu viel Euphorie | BR24

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Der Virologe Prof. Oliver Keppler von der Münchner LMU erklärt, ob die hohen Erwartungen beim allersten Impfstoff überhaupt berechtigt sind.

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Corona-Impfstoff: Virologe Keppler warnt vor zu viel Euphorie

Die Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer wollen noch im November einen Antrag auf Zulassung eines Corona-Impfstoffs stellen. Der Virologe Oliver Keppler ist optimistisch, weist aber auch auf Unwägbarkeiten hin und fordert eingehende Prüfungen.

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Von
  • BR24 Redaktion

Angesichts der Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung der Unternehmen Biontech und Pfizer hat sich der Virologe Oliver Keppler von der LMU München im BR-Fernsehen vorsichtig optimistisch gezeigt. Es sehe so aus, als wäre dieser Impfstoff wirksam, so Keppler.

"Diese Art von Impfstoffen kennen wir bisher nicht"

Der von den Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer entwickelte Impfstoff soll 90 Prozent der Geimpften vor einer Infektion schützen. Gleichzeitig warnte Keppler aber vor zu viel Euphorie. Das Prinzip dieser Impfung sei ganz neu, auch wenn es in der Krebsmedizin ähnliche Ansätze gäbe. "Es gibt noch keine einzige Impfung auf der Welt, die wir haben, die so funktioniert."

Bei dem neuen Wirkprinzip werden nicht Erreger injiziert, sondern ein Bauplan für ein Eiweißmolekül. Daraus wird dann eine Immunantwort – zum Beispiel die Herstellung von Antikörpern. "Trotz des Optimismus, den wir hier heute sicherlich haben dürfen, und dem Lichtblick muss man sagen: Diese Art von Impfstoffen kennen wir bisher nicht."

Länge des Impfschutzes noch nicht absehbar

Zudem handle es sich bei den Informationen von Biontech und Pfizer um eine Zwischenauswertung. Wie lange der Schutz der Impfung anhalte, lasse sich bislang genauso wenig abschätzen wie mögliche negative Folgen. "Das wird noch Monate, wenn nicht ein Jahr oder länger dauern, bis wir das wirklich abschließend beurteilen können." Bevor man über die Produktion von 50 Millionen Impfstoffdosen spreche, müsse man weiter evidenzbasiert die Sicherheit und Effektivität des Impfstoffs prüfen – gerade in Bezug auf ältere Menschen und Risikopatienten.

Antrag auf Zulassung noch im November – Spahn will Liefervertrag

Die Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer wollen noch im November einen Antrag auf Zulassung ihres Impfstoffs stellen, der seit Jahresanfang entwickelt wird. Sehr ermutigend seien diese Nachrichten, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn. Er will erreichen, dass die EU so rasch wie möglich einen Vertrag über die Lieferung des Impfstoffes abschließt.

Bislang gebe es mit den beiden Unternehmen nur einen Vorvertrag, sagte Spahn am Montagabend im ZDF. Er wolle, dass die EU nun "in den nächsten Tagen" einen Abschluss mit Biontech und Pfizer erziele. "Ich könnte es als deutscher Gesundheitsminister jedenfalls schwer erklären, wenn in anderen Regionen der Welt ein in Deutschland produzierter Impfstoff schneller verimpft würde als in Deutschland selbst", betonte Spahn. Deshalb mache die Bundesregierung Druck bei der EU-Kommission, "dass der Vertrag jetzt zügig unterzeichnet wird".

Viele Experten zeigen sich hoffnungsvoll

Die ersten Reaktionen aus der Wissenschaftswelt waren am Montag fast durchweg positiv. "Interessante erste Signale", sagte die Hamburger Infektiologin Marylyn Addo vergleichweise vorsichtig. Von "großartigen und positiven Daten" sprach ihr Kölner Kollege Gerd Fätkenheuer.

Die Experten bezogen sich vor allem auf die Tatsache, dass der Impfstoff 90 Prozent der Geimpften schützen soll. Zum Vergleich: Im Fall von Corona können auch Impfstoffkandidaten die Zulassung beantragen, die nur einen 50-prozentigen Schutz bieten. "Die Daten zur Wirksamkeit sind wirklich beeindruckend. Das ist besser als von den meisten von uns erwartet. Ich wäre schon bei einer Effektivität von 70 oder 75 Prozent erfreut", sagte William Schaffner, Experte für Infektionskrankheiten am Vanderbilt Medical Center. "Ehrlich gesagt sind das die besten Nachrichten, die ich seit dem 10. Januar erhalten habe", erklärte der Virologe Florian Krammer von der New Yorker Icahn School of Medicine.

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