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Impfstoff wird in eine Spritze aufgezogen

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    Johnson & Johnson-Impfstoff: Sein Einsatz und die Probleme

    Neben Astrazeneca ist Johnson & Johnson das zweite Präparat, mit dem eine Corona-Schutzimpfung für alle möglich ist. Da das Vakzin nur einmal verabreicht wird, sollen unter anderem Obdachlose und Flüchtlinge damit geimpft werden – etwa in Nürnberg.

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    Von
    • Claudia Grimmer

    Das Besondere am Impfstoff von Johnson & Johnson ist, dass nur eine Impfung davon ausreicht. Der volle Schutz tritt dann nach vier Wochen ein. Deshalb soll bei Risikogruppen, die schwer erreichbar sind oder bei denen es schwer ist, zuverlässig einen zweiten Impftermin zu vereinbaren, dieser Impfstoff verabreicht werden. Verimpft werden soll das Vakzin vornehmlich in Arztpraxen und bei Betriebsärzten.

    Johnson & Johnson-Impfstoff für sozial benachteiligte Bürger

    In Deutschland sind bisher rund 20.000 Johnson & Johnson-Impfungen durchgeführt, 450.000 Dosen seien aber insgesamt bereits geliefert worden. Primär soll das Vakzin in Obdachloseneinrichtungen verimpft werden, da oft eine Terminvereinbarung mit den Betroffenen schwer ist und eine Einmalimpfung vieles erleichtern könnte.

    Vorbehalte gegen den Impfstoff

    Das stimme zwar, doch vor allem bei diesen Menschen seien Angst und Vorbehalte extrem groß, so Jörg Seiler, der seine Praxis in der Straßenambulanz Nürnberg hat. Zudem handle es sich bei der überwiegenden Zahl der Drogenabhängigen oder Obdachlosen oft um Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen – und meist seien diese unter 60 Jahre alt.

    Drogenkonsumenten, die sich die Substanz spritzen, hatten oft bereits Thrombosen, erklärt Allgemeinarzt Seiler. Für all diese Patienten käme der Johnson & Johnson-Impfstoff nicht in Frage – und das sei bei ihm nun mal der überwiegende Teil.

    Impftermine in Arztpraxen schwierig zu planen

    Bis jetzt hat Seiler in Nürnberg rund 100 Obdachlose oder Drogenabhängige erstgeimpft und zwar ausschließlich mit Biontech. Die Zweitimpfungen sollen in der nächsten Woche starten und er hofft darauf, dass möglichst viele kommen, denn manche seien nicht gerade zuverlässig.

    Und so werde es auch schwierig, Impftermine für Johnson & Johnson in der Praxis zu vereinbaren, denn für jedes Fläschchen müssen fünf impfwillige Patienten erscheinen, um keine Vakzindosis zu verschwenden.

    Viele Impfungen in Obdachlosenunterkünften

    In den Obdachlosenunterkünften der Stadt Fürth ist die Impfquote sehr hoch. 48 Prozent der Menschen in den Einrichtungen sind bereits zweimal geimpft, erklärt Thomas Bergsch vom Sozialamt. Frühestens Ende Mai rechnet die Stadt Nürnberg mit Lieferung des Vakzins von Johnson & Johnson. In der Ökumenischen Wärmestube der Stadtmission Nürnberg sind erst Impftermine für Obdachlose Ende Mai geplant.

    Das Johnson & Johnson-Vakzin soll dann vor allem von mobilen Impfteams eingesetzt werden, die auch Anlaufstellen für Drogenkonsumenten anfahren und Impfungen anbieten. In einem Pilotprojekt wird die Stadt Nürnberg ab nächster Woche zudem die Ausgabestellen der Tafeln nutzen, um Menschen in schwierigen sozialen Lagen eine Impfung anzubieten. In den sechs Ausgabestellen soll dann mehrsprachig aufgeklärt und geimpft werden.

    Priorisierung für Impfstoff von Johnson & Johnson aufgehoben

    Jedem steht der Impfstoff von Johnson & Johnson zur Verfügung, denn für das Vakzin wurde die Priorisierung aufgehoben. Verimpft wird Johnson & Johnson jedoch in der Regel an Menschen ab 60 Jahren. Diese Empfehlung hat die Ständige Impfkommission abgegeben. Bei jüngeren Menschen darf das Vakzin nur nach ärztlicher Aufklärung verabreicht werden. Das hat die Gesundheitsministerkonferenz am Montag beschlossen.

    "Ähnlich wie bei dem Impfstoff von Astrazeneca war es auch bei Johnson & Johnson bei jungen Menschen zwar zu sehr seltenen, aber zu schweren Nebenwirkungen von Hirnvenenthrombosen im Zusammenhang mit einer Impfung gekommen." Bundesgesundheitsministerium

    Der Vorteil bei dem Impfstoff von Johnson & Johnson sei, dass der Wirkstoff bereits nach einmaliger Impfung seine volle Wirksamkeit entfalte. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn verweist auf die aus den USA gemeldeten "sehr, sehr seltene, aber auch sehr ernsthafte Nebenwirkungen". "Eine Hirnvenenthrombose ist sehr ernst zu nehmen", so Spahn wörtlich.

    Wirksamkeit der Impfstoffe unterschiedlich

    Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts liegt die Wirksamkeit des Impfstoffs von Johnson & Johnson bei 70 Prozent. Im Vergleich zu den anderen Vakzinen hat er damit die geringste Impfwirkung. Astrazeneca wurde mit einer Wirksamkeit von 80 Prozent, das Vakzin von Moderna und Biontech/Pfizer mit 95 Prozent Impfeffektivität durch das Berliner Institut eingestuft.

    Bei dem Johnson & Johnson-Präparat handelt es sich um einen Vektorimpfstoff. Er basiert auf einem harmlosen Virus, das so modifizierte wurde, dass es das Gen des Coronavirus enthält. Der Impfstoff enthält jedoch keine vermehrungsfähigen Viren. Transportiert wird die genetische Information für ein einzelnes Eiweiß des Coronavirus, das sogenannte Spikeprotein. Der Körper soll das dann selbst herstellen und dagegen Abwehrzellen aufbauen. Eine schützende Immunantwort entsteht.

    Spahn will Tempo bei Impfungen erhöhen

    Derzeit seien erst 60 Prozent der über 60-Jährigen mindestens einmal gegen das Sars-Cov-2-Virus geimpft. Mit dem zusätzlichen Impfstoff erwartet der Bundesgesundheitsminister, dass bis Ende Mai oder Anfang Juni alle aus dieser Altersgruppe geimpft seien. Spahn geht von einer Lieferung des Impfstoffs Johnson & Johnson von 1,1 Millionen Dosen bis Ende Mai aus. Weitere acht Millionen Dosen sollen bis Ende Juni kommen.

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