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Corona im Schlachthof: Arbeitskräfte und Anwohner verunsichert | BR24

© BR / Kontrovers 2020

Ein Schlachthof von Wiesenhof in Niedersachsen.

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Corona im Schlachthof: Arbeitskräfte und Anwohner verunsichert

Die mehr als achtzig mit dem Coronavirus infizierten Schlachthofmitarbeiter haben sich vermutlich in den beengten Unterkünften angesteckt. Der Subunternehmer, bei dem die osteuropäischen Arbeitskräfte unter Vertrag sind, weist jede Schuld von sich.

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Am Standort Bogen in Niederbayern wurden fast 90 Schlachthofmitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Sie stammen meist aus Osteuropa. Die Staatsregierung geht davon aus, dass sie sich nicht im Betrieb, sondern in den Gemeinschaftsunterkünften angesteckt haben. Dort leben die Menschen teils sehr beengt, berichten Nachbarn und Gewerkschafter. Zuständig für die Missstände fühlen sich aber weder der Schlachthof noch die beteiligten Subunternehmer.

Wenig Platz in den Unterkünften

In mehreren Unterkünften rund um den Bogener Standort sind osteuropäische Arbeitskräfte untergebracht. Früher bewohnten die Häuser ein bis drei Familien, jetzt finden sich bis zu dreißig Namenschilder am Briefkasten. Mehrere Menschen teilen sich ein Zimmer. Einige der Häuser seien zudem in sehr schlechtem Zustand, berichtet ein ehemaliger Arbeiter aus Rumänien.

"Das erste Haus war sehr schlecht. Wir hatten Kakerlaken und Ratten. Die Zimmer waren sehr einfach, nur Betten und maximal ein Schrank. Wir waren zu dritt oder zu viert im Zimmer." Mihai, ehemaliger Schlachthofmitarbeiter

Teure Miete

Gewerkschafter Marius Hagenau von der Beratungsstelle "Faire Mobilität" kümmert sich vor Ort um die osteuropäischen Arbeitskräfte. Obwohl die Unterkünfte teils in fragwürdigem Zustand sind, kostet dort ein Bett im Monat 250 Euro, erzählen die Arbeiter ihm. Da kommen mehrere tausend Euro für den Vermieter zusammen.

"13 mal 250 Euro für so eine Schrottimmobilie, dann kann man sich ausrechnen, was die Firma mit dieser Schrottimmobilie verdient. Das ist für mich empörend." Marius Hagenau, Gewerkschafter

Wer ist zuständig für die Unterkünfte?

Die Osteuropäer arbeiten nicht für Wiesenhof direkt, sondern für die MF Gruppe. Der Subunternehmer hat seinen Standort allerdings auf dem Werksgelände der Schlachterei. Wiesenhof erklärt, der Subunternehmer sei eigenständig. Und auch die MF Gruppe betreibe nicht die Vermietung, heißt es auf Anfrage.

Verbindung von Vermieter und Subunternehmen

Die Miete müssen die Arbeitskräfte bar bezahlen, erzählt der ehemalige Schlachthofmitarbeiter Mihai. Die Quittungen hat er aufgehoben. Dort ist ein Firmenname und eine Adresse angegeben: Firma Pazi. Es stellt sich in der weiteren Recherche heraus, dass die Betreiberin des Buchhaltungsbüros auch als Buchhalterin für den Subunternehmer MF Gruppe tätig ist. An der Vermittlung der Unterkünfte beteiligt zu sein, bestreitet der Subunternehmer allerdings.

Welche Rolle spielt der Subunternehmer?

Bei der Einsicht in die Grundbuchauszüge der Immobilien, auf denen die Gemeinschaftsunterkünfte stehen, fällt ein Name auf: Mike F. So heißt auch der Geschäftsführer der MF Gruppe. Ein Mike F. ist Miteigentümer einer Gemeinschaftsunterkunft. Wie Marius Hagenau von der Fairen Mobilität erfährt, steht dieses Haus unter Quarantäne.

"Wenn in einer Dreizimmerwohnung acht Leute leben, und acht Leute ist wenig, dann kann man sich vorstellen, dass die soziale Distanz nicht eingehalten werden kann." Marius Hagenau, Gewerkschafter

Verlegung in andere Unterkunft

Die mit dem Coronavirus infizierten Bewohner der Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis Straubing-Bogen wurden inzwischen von den Behörden verlegt. Unter anderem nach Niederwinkling. Das dort vorgesehene Haus für die Arbeiter stand bis Freitag leer. Der Bürgermeister kritisiert, dass er erst kurz vor den Verlegungen von den Behörden informiert wurde. Das Haus sei noch nicht in Stand gesetzt und Anwohner seien verunsichert gewesen.

"Die Vorgehensweise bedrückt uns. Es geht erstens mal um Menschen, und dann glaube ich, ist es angebracht, dass wir uns darauf vorbereiten. Sie sehen ja, die Fensterscheibe ist eingeschlagen. Das an einem Tag in Betrieb zu setzen, ist nicht einfach." Christoph Waas, Bürgermeister Niederwinkling

Beim Landratsamt kann man die Kritik nicht nachvollziehen, heißt es gegenüber dem BR-Politikmagazin Kontrovers. Ein Lichtblick zumindest für die Corona-Infizierten in den Gemeinschaftsunterkünften: Wiesenhof will andere Unterkünfte finden, hat die Firma angekündigt.

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