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Hygiene in Ferienwohnungen: Vermieter am Limit | BR24

© picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bayern, Lindau: Eine Packung mit medizinischem Mundschutz liegt auf dem gedeckten Tisch einer Ferienwohnung.

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    Hygiene in Ferienwohnungen: Vermieter am Limit

    Ein bis drei Tage Reinigung für eine 90-Quadratmeter-Wohnung: Die Corona-Hygieneregeln bescheren Vermietern von Ferienwohnungen in Bayern deutlich mehr Arbeit. Doch sie interpretieren die Vorgaben der Behörden und der Dehoga unterschiedlich streng.

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    Sabine Hlavon aus Pöcking hat ganz klar beschlossen: Abreise und Ankunft von Feriengästen an einem Tag, das macht sie in Corona-Zeiten nicht mehr. Und Rolf und Martina Wittmann aus Percha haben sogar drei Tage Vorbereitungszeit eingerechnet, wenn ein Gästewechsel ansteht. Sabine Hlavon und Familie Wittmann sind Vermieter von Ferienwohnungen – und diese sind aktuell sehr begehrt in Bayern.

    Bis in den Spätsommer hinein sind die meisten von ihnen ausgebucht – anders als die Hotels in Bayern. Das freut die Vermieter natürlich einerseits. Aber in Corona-Zeiten reicht es andererseits bei Weitem nicht, alles so gründlich zu putzen wie sonst und die Betten frisch zu beziehen.

    Umfangreiche Hygiene-Regeln für Ferienwohnungen

    Die Vorgaben des Gesundheitsministeriums sind umfassend: Alle wischbaren Flächen sollen desinfiziert werden. Alles Überflüssige muss aus der Wohnung raus. Bettwäsche muss bei mindestens 70 Grad gewaschen werden, das gesamte Geschirr bei höchster Stufe in der Spülmaschine.

    Rolf und Martina Wittmann interpretieren die Vorgaben sogar noch enger. Sie nehmen nach jedem Gast alle Vorhänge ab und waschen sie. Sie desinfizieren die Kleiderbügel, die Innenflächen der Schränke und sogar die Bücher im Regal überm Bett werden mit Desinfektionsmittel besprüht und dann vorsichtig mit Küchenkrepp getrocknet.

    Hygiene in Corona-Zeiten: "Es wird wohl niemand über den Boden schlecken"

    Aber muss das alles wirklich sein? Sabine Hlavon hat lieber gleich alle Bücher entfernt. Bei Geschirr hat sie früher nur das Benutzte in der Spülmaschine gewaschen – nun kommt alles, was in den Schränken steht, nach jeder Buchung in die Spülmaschine. Die Handtücher hat sie immer schon mit Waschpulver aus dem Hotelbedarf gewaschen, in dem Desinfektionsmittel steckt.

    Muss sie nun nach jedem Gast nicht nur die Bettbezüge, sondern auch immer die Bettdecken waschen? Das wird auch in Hotels nicht gemacht. Darf sie Tischdecken und Kissen im Wohnzimmer liegen lassen oder nicht? Und muss sie den Fußboden desinfizieren, obwohl doch sicher "niemand mit der Zunge über den Boden schlecken wird"?

    Drei Tage Reinigungsdauer für 90 Quadratmeter

    Wittmanns gehen da auf Nummer extrasicher: Sie desinfizieren auch die Böden. Und freuen sich, dass sie keine Teppichböden haben – das wäre ja eine echte Katastrophe mit Corona, sagen sie.

    Desinfektionsmittel haben sie ohnehin in die Bäder gestellt. Genervt sind die Wittmanns schon, aber sie sagen auch: "Das muss jetzt eben sein!" Also reinigen sie ihre Ferienwohnung – und das so gründlich, dass sie dafür drei ganze Tage brauchen.

    Fazit: Es bleiben offene Fragen

    Für die privaten Anbieter ist es nicht ganz einfach, Detailfragen rund um die Corona-Hygiene zu klären. Oft lassen sie den gesunden Menschenverstand walten, so der Eindruck. Denn auch wenn es Infomaterial des Gaststättenverbandes und der Ministerien gebe, sagt Sabine Hlavon: "Es ist einfach schwierig, was für einen selber dann passt. Es kommt ja keiner und sagt: Frau Hlavon, machen Sie das so und das so – man muss sich schon seine Informationen für sich zurechtschneiden".

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