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Viele Landkreise sperren Ausflügler aus - Hohes Bußgeld droht | BR24

© dpa-Bildfunk/Armin Weigel

Etliche Corona-Hotspots sperren auswärtige Tagesausflügler aus

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Viele Landkreise sperren Ausflügler aus - Hohes Bußgeld droht

In Bayern haben sich etliche touristisch überlaufene Kommunen mit hohen Corona-Zahlen für eine Art Einreisesperre entschieden. Diese betrifft Tagesausflügler aus anderen Regionen. In diesen Landkreisen gilt diese Regelung derzeit oder demnächst.

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  • BR24 Redaktion

Etliche bayerische Regionen stehen für Auswärtige nicht mehr für touristische Ausflüge zur Verfügung. Offiziell sind es derzeit diese Gebiete (Stand 19.1.):

  • Landkreis Berchtesgadener Land
  • Landkreis Cham
  • Landkreis Deggendorf
  • Landkreis Freyung-Grafenau
  • Landkreis Miesbach
  • Landkreis Passau
  • Stadt Passau
  • Landkreis Regen (Ausnahme: Nachbarlandkreise im 15-km-Radius)

Landkreise in mehreren Regierungsbezirken nutzen Sonderregelung

Die niederbayerischen Landkreise Regen, Freyung-Grafenau, Passau und Deggendorf haben touristische Tagesreisen untersagt. Auch im Landkreis Regen gilt ein Verbot für touristische Tagesausflüge; ausgenommen sind hier Ausflügler aus benachbarten Landkreisen innerhalb des 15-Kilometer-Radius.

In Oberbayern hat der Landkreis Miesbach seit Donnerstag (14.1.) bis aus Weiteres für Tagesausflügler geschlossen, ebenso wie der Landkreis Berchtesgadener Land. Für die Miesbacher Landkreisbewohner gilt gleichzeitig die 15-Kilometer-Regel, da der Landkreis über der 200er-Marke liegt. Kontrolliert werden laut Landratsamt beide Regeln von der Polizei. Das Landratsamt Miesbach berichtet von einem diffusen Infektionsgeschehen durch alle Kommunen und alle Bevölkerungsgruppen.

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen prüft derzeit, ob er Tagestouristen an der Landkreisgrenze abweisen kann, um zu verhindern, dass es hier aufgrund der Beschränkung in Miesbach zu verstärktem Tagestourismus kommt.

Schwaben und Franken bisher ohne Touristen-Beschränkungen

In Schwaben sind bislang keine Beschränkungen für touristische Tagesreisen bekannt. In Franken will das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen touristische Tagesausflüge in den Landkreis vorerst weiterhin erlauben. Die Entscheidung sei gemeinsam mit dem Landkreis Roth getroffen worden, sagte eine Sprecherin des Landratsamts Weißenburg-Gunzenhausen dem BR. Der Touristenandrang sei im fränkischen Seenland nicht so stark wie aktuell in den Skigebieten, daher könne die Entwicklung abgewartet werden. Eine Abstimmung mit dem Landkreis Roth war deshalb notwendig, da die Ufer des Brombachsees in beiden Landkreisen liegen.

Bayerische Sonderregelung zu Ausflüglern

Diese "Einreisebeschränkung" für Ausflügler wird durch eine bayerische Sonderregelung ermöglicht. Landkreise mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 dürfen demnach eigenständig darüber entscheiden, ob sie noch Tagesausflüge in ihre Region erlauben.

Hintergrund ist die sogenannte 15-Kilometer-Regel für Corona-Hotspots. Diese Auflage führt dazu, dass Einwohner beliebte Freizeit-Gebiete im eigenen Landkreis, die mehr als 15 Kilometer entfernt liegen, nicht mehr nutzen können.

Landräte: 15-Kilometer-Regel würde Einheimische benachteiligen

"Es wäre den einheimischen Bürgern nicht zu vermitteln," sagte etwa Regens Landrätin Rita Röhrl, "dass Menschen aus Regionen wie Regensburg, Landshut oder München zum Wandern, Spazierengehen oder Skifahren in den Bayerischen Wald kommen könnten", die Menschen aus dem eigenen Landkreis sich aber an die 15-Kilometer-Begrenzung halten müssen.

Dies sieht auch Freyungs Landrat Sebastian Gruber (CSU) genauso. "Der Bayerische Wald freut sich über jeden Besucher, wenn es das Infektionsgeschehen wieder erlaubt und wenn noch dazu Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel usw. auch wieder etwas davon haben", so Gruber. Eine Ausnahme gibt es: Bürger aus Nachbarlandkreisen, die so nah an einem Freyunger Ausflugsziel dran wohnen, dass es innerhalb ihres 15-Kilometer-Umkreises liegt, dürfen nach wie vor "einreisen".

Der Landrat des Landkreises Roth Herbert Eckstein (SPD) argumentierte in einem Schreiben an die Staatsregierung ebenso. Die Regelung bezeichnete er zudem darin als nicht kontrollierbar. Grundsätzlich sei er dafür, Tagesausflüge in touristische "Hotspots" zu begrenzen. Doch es müssten praktikablere Maßnahmen gefunden werden, um eine bessere Verteilung der Erholungssuchenden zu erreichen, etwa Parkgebühren auch im Winter.

Teils nur noch wenige Intensivbetten in den Krankenhäusern

Der Passauer Landrat Raimund Kneidinger (CSU) begründet die Entscheidung für seinen Landkreis mit der angespannten Situation in den Landkreis-Krankenhäusern: "Wir haben momentan oft schon Probleme, noch freie Intensivbehandlungsplätze zu finden. Um diese Situation und die hohen Infektionszahlen wieder besser in den Griff zu bekommen, sind diese Maßnahmen notwendig, um Kontakte zu reduzieren und damit Infektionen zu verhindern."

Bernreiter begründet Einreisebeschränkung für Deggendorf

Am Montag äußerte sich dazu auch der Landrat von Deggendorf, Christian Bernreiter, der auch Präsident des Bayerischen Landkreistags ist. Er betonte, wie wichtig es sei, Mobilität und Kontakte einzuschränken, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Dazu gehöre jetzt auch die Maßnahme, Ausflüglern die Einreise in den Landkreis zu verwehren. Gerade erst am Wochenende habe sich gezeigt, dass auch wieder viele Auswärtige die Freizeitmöglichkeiten im Landkreis genutzt hätten. Etwa ein Drittel der Kennzeichen auf den Parkplätzen von interessanten Ausflugszielen seien von eingependelten Fahrzeugen gewesen. Deshalb halte er die Maßnahmen für geeignet, erforderlich und auch verhältnismäßig.

© BR

Christian Bernreiter, Landrat von Deggendorf, zu Beschränkung von auswärtigen Tagesausflüglern.

500 Euro für Verstöße fällig - Kontrollen schon angekündigt

Die Einhaltung der Einreisesperre soll einem Sprecher des Innenministeriums zufolge ebenso von der Polizei kontrolliert werden wie die Einhaltung der seit dem 11. Januar geltenden, umstrittenen 15-Kilometer-Regel.

Wer künftig unerlaubt in die betroffenen Landkreise fährt - je nachdem, ab wann die Regelung genau gilt - riskiert ein Bußgeld von 500 Euro. So viel wird laut Polizeipräsidium Niederbayern verhängt, wenn etwa ein Regensburger oder Münchner künftig am Großen Arber erwischt wird. Dort, weitab von Ortschaften, ist es schwer glaubhaft zu machen, dass man andere, erlaubte Gründe wie etwa Beruf oder Arztbesuch hatte, um herzufahren.

Die Polizei will in nächster Zeit, verstärkt auch durch Kräfte von der Bereitschaftspolizei, stichprobenartig Wanderparkplätze kontrollieren. Wichtiger Anhaltspunkt, so das Polizeipräsidium Niederbayern, ist dabei natürlich das Autokennzeichen. Wer aus anderen Gründen in einen "Risikolandkreis" gefahren ist, muss das gegenüber den Polizeibeamten glaubhaft machen.

Video: Hier gilt die 15-Kilometer-Regel (Stand: 12.1.)

© BR

Hier gilt die 15-Kilometer-Regel

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