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Corona-Hotspot Mitterteich: RKI-Mitarbeiter suchen Antworten | BR24

© picture alliance/Nicolas Armer/dpa

Ortsschild von Mitterteich im Landkreis Tirschenreuth.

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    Corona-Hotspot Mitterteich: RKI-Mitarbeiter suchen Antworten

    Im Landkreis Tirschenreuth sind Mitarbeiter des Robert-Koch-Institus (RKI) und suchen nach Antworten auf die schlimmen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Sie wollen die hohe Sterblichkeitsrate klären und weshalb der Landkreis zum Hotspot wurde.

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    Drei Mitarbeiter des Robert Koch Instituts sind seit dieser Woche im Landkreis Tirschenreuth, um verschiedene Aspekte der Corona-Pandemie im Landkreis zu untersuchen. Das bestätigte ein Mitarbeiter des Landratsamts auf Anfrage. Die drei Epidomologen sollen vor allem Antworten auf zwei Fragen finden: Warum die Sterberate nach Covid19-Infektionen im Landkreis besonders hoch ist, und wie es dazu kommen konnte, dass sich das Virus im Landkreis und in der Stadt Mitterteich besonders schnell und stark ausgebreitet hat.

    Starkbierfest als Infektionsherd?

    Dabei gilt es auch, die Rolle des Mitterteicher Starkbierfests Anfang März zu klären: Schon seit Beginn der Corona-Krise steht das Gerücht im Raum, dass dieses Fest einer der Gründe für den extremen Verlauf der Infektionen im Landkreis sein könnte. Seit Wochen wird das Starkbierfest immer wieder als Infektionsherd genannt, obwohl es dafür bisher keine belastbaren Untersuchungen gibt.

    Auch Ministerpräsident Söder erwähnte das Fest bereits mehrmals öffentlich als mögliche Ursache für die Ausbreitung der Covid19-Erkrankungen im Landkreis - zuletzt sowohl in der Bundespressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel am 15. April als auch in der Pressekonferenz zu den bayerischen Kabinettsbeschlüssen am Tag darauf.

    Im Landkreis kommen Spekulationen nicht gut an

    Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert (Freie Wähler) zeigte sich in einer Kreisausschusssitzung im Anschluss an die beiden Pressekonferenzen deutlich erstaunt darüber, dass sich Ministerpräsident Söder an derartigen Spekulationen beteiligt und solcherlei Aussagen ohne verlässliche Informationen in den Raum stellt.

    Damit eine zuverlässige Aussage darüber getroffen werden kann, woran die starke Verbreitung des Virus im Landkreis lag, wandte sich Wolfgang Lippert daraufhin direkt an das Robert Koch-Institut (RKI) und bat um Hilfe bei der Aufklärung. Bereits zuvor war dem Landkreis eine Untersuchung durch das Berliner Institut zugesichert worden. Mit seinem Schreiben vom 17. April appellierte der Tirschenreuther Landrat noch einmal eindringlich zur Aufnahme dieser Arbeit, damit so bald wie möglich gesicherte Fakten vorliegen könnten. Das Robert Koch-Institut reagierte nach Aussage des Landratsamtes auf dieses Schreiben sofort und entsandte drei Mitarbeiter nach Tirschenreuth, die nun seit Montag (27.4.20) vor Ort sind.

    Hohe Sterberate im Landkreis Tirschenreuth

    Der Landkreis Tirschenreuth ist nach wie vor der am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffene Landkreis Deutschlands. Neben der Frage zum Infektionsherd sollen die drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RKI auch klären, warum die Sterberate im Landkreis überdurchschnittlich hoch ist: Während deutschlandweit im Durchschnitt 3,9 Prozent der Covid19-Infektionen tödlich verlaufen, sind es im Landkreis Tirschenreuth nach den aktuellen Zahlen des RKI 10 Prozent der Fälle.

    Die drei Epidomologen haben nun zunächst für eine Woche ein Büro im Tirschenreuther Gesundheitsamt bezogen. In dieser Zeit werten sie Unterlagen aus und sprechen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landkreises. Am Donnerstag wollen sie anhand der daraus gewonnenen Erkenntnisse entscheiden, ob sie weiter vor Ort bleiben werden oder ob sie ihre Arbeit im Anschluss von Berlin aus fortsetzen. Auch auf Informationen darüber, in welchem Zeitraum mit Ergebnissen der Untersuchungen zu rechnen ist, hofft das Landratsamt für Donnerstagabend.

    Wissenschaftsministerium mit eigener Studie

    Parallel zu den Untersuchungen des Robert Koch-Instituts laufen im Landkreis Tirschenreuth auch Erhebungen für eine Studie des Bayerischen Wissenschaftsministeriums. Diese bemühen sich jedoch um Informationen zu den allgemeinen Infizierten-Zahlen, zum Aspekt der Dunkelziffer sowie um Fragen der Immunität.

    Die Punkte, die das Robert Koch-Institut untersuchen soll, werden von der Studie des bayerischen Wissenschaftsministeriums nicht abgedeckt, weshalb diese Arbeit nach Ansicht des Landratsamtes für die Aufarbeitung der Corona-Krise im Landkreis unbedingt notwendig ist. Wer für die Kosten der RKI-Studie aufkommen soll, ist laut Aussage des Landratsamtes noch nicht geklärt.

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