BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Hotspot: Anfeindungen gegen Menschen aus Mamming | BR24

© BR

Die Corona-Teststation in Mamming hat ihren Betrieb aufgenommen und wird von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Polizei und Feuerwehr regeln den Verkehr.

60
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Hotspot: Anfeindungen gegen Menschen aus Mamming

Wenn der Wohnort zum Problem wird: Immer mehr Menschen im niederbayerischen Mamming berichten von Anfeindungen, nachdem der Corona-Ausbruch in einem landwirtschaftlichen Betrieb die Gemeinde zu einem Corona-Hotspot in Deutschland gemacht hat.

60
Per Mail sharen

Großer Andrang herrscht auch heute wieder bei der Corona-Teststation am Ortseingang von Mamming im Landkreis Dingolfing-Landau. Während kurz vor der Öffnung nur ein paar wenige Autos anstanden, bildete sich innerhalb von Minuten eine kilometerlange Auto-Schlange in den Ort hinein. Selbst auf den Nebenstraßen bildeten sich Staus. Ein Sicherheitsdienst sowie Polizei und Feuerwehr sind in Mamming vor Ort, regeln den Verkehr und sorgen für einen geordneten Ablauf bei den Tests.

Anfeindungen nehmen zu

Ein Grund für den Andrang liegt in den zunehmenden Anfeindungen gegen die Bürgerinnen und Bürger aus Mamming. "Ich höre oft, ihr seid hier nicht mehr willkommen", erklärt eine Mammingerin im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Auch Landrat Werner Bumeder machte sich ein Bild von der Situation vor Ort und berichtete, dass bereits die ersten bayerischen Campingplätze einen negativen Corona-Test von Mammingern einfordern.

"Passierschein" für den Urlaub

Auch um den geplanten Urlaub in Österreich oder Italien antreten zu können, stellten sich am Dienstag viele Bürger bei der Teststation an. "Ich möchte einen negativen Test in der Tasche haben, wenn wir bald nach Südtirol fahren", sagte ein Mamminger zum BR. Andere hatten etwa beim Einkaufen Kontakt mit Erntehelfern und wollen durch den Corona-Test das mulmige Gefühl loswerden.

Auch mehrere Bundesländer fordern negativen Test

In immer mehr Bundesländern gelten Reisebeschränkungen für Menschen aus dem Landkreis Dingolfing-Landau. Neben Schleswig-Holstein gelten in Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz entsprechende Auflagen. Einreisende nach Mecklenburg-Vorpommern brauchen seit Dienstag einen negativen Coronatest. Dieser darf nicht älter als 48 Stunden sein, wie eine Sprecherin des zuständigen Landesamtes sagte.

Eine entsprechende Verordnung in Rheinland-Pfalz schreibt unter anderem vor, dass Einreisende aus Risikogebieten im Inland verpflichtet sind, sich nach der Einreise auf direktem Wege in eine geeignete Unterkunft zu begeben und dort 14 Tage zu bleiben. Das Land selbst weise keine Risikogebiete aus, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums.

Die Regierung von Schleswig-Holstein stufte den Dingolfing-Landau am Montag explizit als Risikogebiet ein. Urlauber aus dem Landkreis müssen sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben und sich beim zuständigen Gesundheitsamt melden, wenn sie ins Bundesland einreisen wollen. Ausgenommen davon sind Menschen mit einem negativen Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Ursprung der Infektionen unklar

Bereits gestern war die erste Teststation in Mamming in Betrieb genommen worden. Innerhalb weniger Stunden waren rund 400 Personen getestet worden, erklärt der Dingolfinger Landrat Werner Bumeder im BR-Interview. Die Ergebnisse sollen innerhalb von 24 Stunden vorliegen. "Es ist völlig offen, wer das Virus nach Mamming gebracht hat", sagte Bumeder mit Blick darauf, dass nun sowohl die Erntehelfer, als auch die Mamminger außerhalb des Landkreises angefeindet werden. Er bitte alle besonnen mit der Situation umzugehen.

Mitgefühl mit den Erntehelfern

Der Dingolfinger Landrat bat auch um mehr Verständnis für die Erntehelfer, von denen sich gerade Hunderte in Quarantäne befänden und viele die Krankheit in sich trügen. "Ich erinnere mich noch an Zeiten, als Einheimische als Erntehelfer tätig waren. Die vergangenen Jahre waren wir alle sehr froh darüber, dass wir die ausländischen Erntehelfer bei uns haben", so Bumeder. "Das sollten wir in dieser schwierigen Situation tatsächlich nicht vergessen."

Bereits gegen Mittag soll die zweite Teststation in der Nähe des BMW-Werks eröffnet werden. Außerdem laufen schon Planungen für eine dritte Teststation in Landau an der Isar. Für Landrat Bumeder ist es wichtig, für die Bürger nun ausreichend Testmöglichkeiten zu bieten, damit diese schnelle Gewissheit über eine mögliche Infektion haben.

© BR

Großer Andrang an den Corona-Teststellen in Mamming: Viele Einwohner und Einwohnerinnen des Landkreises Dingolfing-Landau wollen sich auf das Virus testen lassen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!