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Corona: Homepage berechnet persönliches Ansteckungsrisiko | BR24

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Wie hoch ist mein Risiko, mich mit Corona zu infizieren? Diese Frage will ein Informatiker aus Hauzenberg im Landkreis Passau mit seinem Programm beantworten: Auf seiner Internetseite kann jeder kostenlos sein persönliches Corona-Risiko berechnen.

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Corona: Homepage berechnet persönliches Ansteckungsrisiko

Wie hoch ist mein Risiko, mich mit Corona zu infizieren? Diese Frage will ein Informatiker aus Hauzenberg im Landkreis Passau mit seinem Programm beantworten: Auf seiner Internetseite kann jeder kostenlos sein persönliches Corona-Risiko berechnen.

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Von
  • Martin Gruber
  • BR24 Redaktion

Wie hoch ist das Risiko einer Corona-Infektion? Wie groß ist die Gefahr, schwer krank zu werden oder gar an Covid-19 zu sterben? Wie groß ist die Chance auf Impfung ohne Komplikation? Das sind Fragen, die sich derzeit viele Menschen stellen. Khosrau Heidary aus dem Landkreis Passau hat ein Programm entwickelt, das Antworten liefern soll.

Jeder kann sein persönliches Corona-Risiko berechnen

Auf der Internetseite www.my-covid-risk.org kann sich jeder kostenlos sein persönliches Corona-Risiko berechnen. "Erfinder" ist der IT-Spezialist und Informatiker Khosrau Heidary. Der 44-Jährige hatte bereits vor einigen Monaten mit seinem intelligenten Smart-Home Schlagzeilen gemacht.

Studien, Zahlen, Formeln, Algorithmen

"Was bedeuten die vielen Zahlen, Statistiken und Informationen zu Corona für mich persönlich?", hatte sich der Hauzenberger vor einigen Monaten gefragt. Vor allem beschäftigte ihn das Problem: Eine Infektion riskieren - oder doch impfen lassen? Er begann zu recherchieren. Monatelang las er Studien, sammelte Zahlen, schrieb Formeln und programmierte Algorithmen. Die Ergebnisse wollte er der Welt mitteilen - auf der eigens erstellten Webseite, auf die mittlerweile schon über 80.000 MAl zugegriffen wurde.

Risikoberechnung – einfach und schnell

Die Risikoberechnung geht einfach und schnell: Der User macht Angaben unter anderem zu Alter, Bundesland, Vorerkrankungen, Art und Anzahl der Kontakte. Der Algorithmus im Hintergrund berechnet daraus unterschiedliche Werte. Beispiel: Eine 45-jährige Frau, berufstätig, verheiratet, zwei Kinder, 15 Kontakte in Familie und Job, dazu als Vorerkrankung leichtes Asthma. Die Internetseite spuckt auf die Schnelle 30 Werte aus.

So liegt die Wahrscheinlichkeit einer Covid-19-Infektion in den nächsten sieben Tagen beispielsweise bei 6,5 Prozent. In den nächsten zwölf Monaten steigt das Infektionsrisiko auf erschreckende 98 Prozent. Berechnet wird auch die Sterbewahrscheinlichkeit. Im vorliegenden Fall: 0,01 Prozent. Heidary: "Einen Vergleich finde ich besonders interessant: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau eine schwere Erkrankung erleidet, ist etwa 3.200 Mal höher, als dass es bei einer Impfung Komplikationen gibt."

Keine Impfempfehlung, nur Statistik

Als Impfempfehlung will der 44-Jährige seinen Corona-Kalkulator nicht verstanden wissen: "Ich bin kein Politiker, kein Arzt und spreche auch nicht für die Pharmaindustrie. Ich mache nur Statistik. Deshalb darf die Seite nie als medizinische Empfehlung gesehen werden." Entscheiden müsse jeder für sich, was er mit dieser Statistik anfange. An einer Vermarktung seiner Seite hat der verheiratete Familienvater mit zwei Kindern kein Interesse.

Bundesgesundheitsministerium interessiert

Im Gesundheitsamt Passau ist die Webseite, die auch einen Facebook-Auftritt hat, bekannt. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Grundsätzlich sind Initiativen zu begrüßen, die die Sensibilität für eine Ansteckungsgefahr erhöhen. Das Programm ist (…) in hohem Maße abhängig von einer korrekten Selbsteinschätzung der Anwender. Die Erkenntnis, dass mehr Kontakte zu mehr Risiko führen, ist allerdings nicht neu."

Auch das Bundesgesundheitsministerium sei auf sein Programm aufmerksam geworden, berichtet Heidary: "Die wollen sich in den nächsten Tagen bei mir melden und sich genauer informieren. Das hat mich natürlich schon etwas überrascht und gefreut."

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Die Berechnungen erfolgen anhand persönlicher Daten

BR Data: Grundaussage positiv, Transparenz wichtig

Das datenjournalistische Team von BR Data hat die Seite ebenfalls unter die Lupe genommen. Steffen Kühne begrüßt die Grundaussage, dass weniger Kontakte und eine Impfung das Ansteckungsrisiko reduzieren. Allerdings schränkt Kühne ein: "Jede Statistik ohne Angaben von Datenquelle und Methode ist erstmal mit Vorsicht zu genießen, auch wenn die Ergebnisse stimmig erscheinen. Das gilt vor allem dann, wenn künstliche Intelligenz zur Berechnung von individuellen Risiken zum Einsatz kommt. Transparenz ist hier das oberste Gebot."

Programm wird weiterentwickelt

Khosrau Heidary, der für einen Automobilzulieferer in Regensburg arbeitet, ist weiter Feuer und Flamme für seine Sache. Obwohl ihn die Webseite viel Geld kostet. Lizensierte Daten müssten laufend gekauft und die Online-Präsenz finanziert werden. 400 Stunden hätten er und seine Frau in ihrer Freizeit dafür aufgewendet. Und der Aufwand wird nicht weniger: Der IT-ler will das Programm verfeinern und weitere Fragen statistisch beantworten, beispielsweise wie hoch das Infektionsrisiko in Schulen oder in Büros ist.

"Ich bin echt erschrocken"

Ihn selber hätten die Ergebnisse auf www.my-covid-risk.org zum Nachdenken gebracht: "Nachdem ich berechnet habe, mit welcher Wahrscheinlichkeit ich in den nächsten zwölf Monaten an Corona erkranke, bin ich echt erschrocken. Ich bin noch vorsichtiger geworden und schaue auch, dass meine Familie sich auch entsprechend verhält." Seine größte Hoffnung? Dass das Programm in ein paar Monaten nicht mehr gebraucht wird.

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