BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona: Hochbetrieb beim Krisendienst Psychiatrie | BR24

© BR

Die Coronakrise bringt nicht nur die Wirtschaft an ihre Belastungsgrenze. Auch beim "Krisendienst Psychiatrie" des Bezirks Oberbayern herrscht derzeit Hochbetrieb. Viele

15
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Corona: Hochbetrieb beim Krisendienst Psychiatrie

Die Coronakrise bringt nicht nur die Wirtschaft an ihre Belastungsgrenze. Auch beim "Krisendienst Psychiatrie" des Bezirks Oberbayern herrscht derzeit Hochbetrieb. Viele Menschen suchen dort Hilfe, weil sie Angst vor Corona haben.

15
Per Mail sharen

Seit drei Jahren bietet der "Krisendienst Psychiatrie" Hilfesuchenden aus ganz Oberbayern Unterstützung bei akuten psychischen Problemen. Die Leitstelle ist unter der Telefonnummer 0180 / 655 3000 rund um die Uhr erreichbar. Außerdem werden dort auch persönliche Beratungsgespräche vermittelt. Und im Notfall hilft der Krisendienst dabei, eine passende Klinik zu finden.

Neben Menschen, die schon vorher an Depressionen oder an anderen psychischen Krankheiten litten, suchen beim "Krisendienst Psychiatrie" derzeit auch verstärkt Personen ohne Vorerkrankungen Hilfe. Und immer wieder steht dabei ein Thema im Zentrum: Die Angst vor Corona.

Doppelt so viel Notrufe wie im vergangenen Jahr

Derzeit haben die rund 20 Mitarbeiter der Leitstelle besonders viel zu tun, denn die Coronakrise ist für viele Menschen eine enorme seelische Belastung. Waren es im vergangenen Jahr nach vorläufigen Schätzungen im Durchschnitt etwas mehr als 70 Anruferinnen und Anrufer, die pro Tag die Nummer der Notfall-Hotline wählten, so sind es aktuell im Schnitt etwa doppelt so viele.

Als die Ausgangsbeschränkungen für Bayern bekannt gegeben wurden, schnellte die Zahl besonders deutlich in die Höhe: 186 Menschen suchten an diesem Tag akute Hilfe beim Krisendienst. Und weil die Beschränkungen nun noch länger gelten, rechnet die Leitstelle mit einer weiteren Zunahme der Anrufe.

"Wir hören zu, fragen nach und klären gemeinsam die Situation"

Denn nicht nur Menschen, die ohnehin schon an psychischen Erkrankungen leiden, stehen durch die aktuelle Lage unter großem seelischen Druck, auch Personen ohne Vorerkrankungen erleben die derzeitige Situation als extrem belastend.

Beim "Krisendienst Psychiatrie" bekommen auch sie Hilfe, betont die Psychiaterin Dr. Petra Brandmaier von der Leitstelle des Krisendienstes: "Meist bringt ein sortierendes Gespräch mit uns eine gute Entlastung. Wir hören zu, fragen nach und klären mit den Anrufenden gemeinsam die Situation."

Hilfe am Telefon oder Treffen im Freien

Sollte die Hilfe am Telefon nicht ausreichen, dann können Betroffene über die Notfall-Nummer auch ein persönliches Gespräch mit den regionalen sozialpsychiatrischen Diensten vereinbaren, die es in jedem Landkreis gibt und die mit extra geschulten Psychologen, Psychiatern oder Sozialpädagogen zusammenarbeitet.

Rund 600 solcher Helfer gibt es in Oberbayern, die jeweils in Zweier-Teams Hilfsbedürftige aufsuchen und beraten. Da persönliche Treffen in Corona-Zeiten nicht unproblematisch sind, finden diese derzeit meist im Freien statt, um Helfer und Klienten nicht zu gefährden. Und natürlich sind alle Beteiligten gehalten, die geltenden Hygienevorschriften einzuhalten.

Hilfe per Videosprechstunde

Wem auch durch solche persönlichen Gespräche nicht geholfen werden kann, dem hilft manchmal nur ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Trotz der Coronakrise gibt es laut der Regierung von Oberbayern an den Kliniken des Bezirks derzeit keine Probleme bei der Versorgung von akut und schwerer erkrankten Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Allerdings werden Patienten, bei denen dies trotz ihrer Erkrankung möglich erscheint, derzeit bevorzugt ambulant oder per Videosprechstunde versorgt.

Noch keine zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete

In Oberbayern gibt es aktuell noch keine zentrale Anlaufstelle für Migrantinnen und Migranten mit psychischen Problemen, deren Sprachkenntnisse nicht ausreichend sind für ein Beratungsgespräch auf deutsch.

Ihnen bieten allerdings einige freie Träger spezielle Beratungsmöglichkeiten, etwa der psychologische Dienst für Ausländer der Caritas, die Münchner Arbeiterwohlfahrt oder das Frauentherapiezentrum München.

Wichtig: Soziale Kontakte aufrechterhalten

Grundsätzlich rät der Bezirk Oberbayern, sich nicht ständig mit dem Thema Corona zu beschäftigen, damit Ängste und Sorgen nicht überhand nehmen. Außerdem empfiehlt Bezirkstagspräsident Josef Mederer, sich im Rahmen des Erlaubten regelmäßig zu bewegen oder Sport zu treiben, sich selbst eine verbindliche Tagesstruktur zu geben und auch angesichts der Ausgangsbeschränkungen die sozialen Kontakte über Telefon oder Internet so weit wie möglich aufrechtzuerhalten.

Tipp der Redaktion: BR24 bietet aktuelle Infos rund um die Coronakrise auch in anderen Sprachen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!