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Corona-Hilfen: Woher sollen die Milliarden kommen, Theo Waigel? | BR24

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BR-Sendung "jetzt red i" im Juni 2020

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Corona-Hilfen: Woher sollen die Milliarden kommen, Theo Waigel?

Die Schulden nach der Corona-Pandemie wieder zurück zu zahlen sei eine "riesige Aufgabe", sagt Ex-Finanzminister Theo Waigel, "aber sie ist zu bewältigen". Bei "jetzt red i" erklärt er, warum. Und fordert eine europaweite CO2-Steuer zur Finanzierung.

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Familienvater Jochen Wild aus Schierling im Landkreis Regensburg stellte die Frage, die viele Bürgerinnen und Bürger momentan interessiert: "Wie zahlen wir das zurück?". Die Frage bezieht sich auf das 130 Milliarden schwere Corona-Konjunkturpaket, das die Bundesregierung beschlossen hat. "Ein Batzen Geld", wie Jochen Wild feststellt. "Jeder hat ja auch seinen eigenen Haushalt mit Kosten und Ausgaben. Wo man vielleicht sagt, man kann schon einmal übertreiben, aber man kann das nicht jedes Mal machen." Auf dem Podium bei "jetzt red i" stellten sich der ehemalige Finanzminister Theo Waigel und Pfarrer Rainer Maria Schießler dieser und anderen Bürgerfragen.

Theo Waigel: "Finanzminister bekommen das Geld geschenkt"

Tatsächlich sei es eine "riesige Aufgabe", die Schulden nach der Corona-Pandemie wieder zurück zu zahlen, gab Theo Waigel zu. Der CSU-Ehrenvorsitzende meinte aber: "Sie ist zu bewältigen." Er verglich die Situation mit der Zeit der Deutschen Wiedervereinigung, als er Finanzminister war. Die habe im Laufe von 20 Jahren rund zwei Billionen Euro gekostet. Aktuell sei Deutschland in ähnlicher Höhe verschuldet.

"Als ich damals die Wiedervereinigung finanzieren musste, mussten wir fast neun Prozent Zinsen zahlen. Jetzt müssen die Finanzminister nichts zahlen, sie bekommen das Geld sogar geschenkt. Deshalb ist die Bedienung dessen, was jetzt geschuldet wird, leichter als vor 30 Jahren." Theo Waigel, CSU-Ehrenvorsitzender

Umgerechnet auf den einzelnen Bürger koste das deutsche Hilfspaket etwa 2.500 Euro pro Kopf, das europäische Hilfspaket nochmals 1.500 Euro. "Das ist zu bewältigen, wenn wir nach der Krise wieder Wachstum generieren. Unser Land ist sehr leistungsfähig", erklärte Waigel. Die beschlossenen Maßnahmen seien "vernünftig".

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Der ehemalige Bundesfinanziminister Theo Waigel und der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler äußern sich bei Moderator Tilmann Schöberl zu Corona-Folgen für Staat, Kirche und Gesellschaft.

Diskussion um die Art des Wachstums

An dieser Stelle brachte der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler einen anderen Gedanken zum Thema Wirtschaftswachstum ein. Seiner Meinung nach müsse man sich jetzt mehr auf die während der Krise entstandene Solidarität konzentrieren. "Jeder vernünftige Gesprächsteilnehmer wird in diesen Wochen gelernt haben, dass es nicht um ein endloses Wachstum gehen kann. Dass diese Türme nicht in den Himmel wachsen. Wir müssen alle lernen, wenn wir aus dieser Krise rauskommen, uns selber zu bescheiden", so Schießler.

Dem stimmte grundsätzlich auch Waigel zu und knüpfte noch eine Bedingung an die Corona-Hilfsmaßnahmen. Es dürfe nicht nur um quantitatives, sondern müsse auch um qualitatives Wachstum gehen. Daher forderte er, an die Corona-Hilfsgelder eine europaweite CO2-Steuer, sowie eine Finanztransaktionssteuer hinzuzufügen. "Sodass wir ein Zukunftsprogramm, das die Konjunktur anbelangt, verbinden mit Umweltpolitik der Zukunft", sagte der ehemalige Bundesfinanzminister.

Schießler fordert "emanzipatorische Wende" in der katholischen Kirche

In der Sendung meldeten sich viele junge Menschen per Video und Kommentarfunktion zu Wort, auch mit deutlicher Kritik an der katholischen Kirche. Dass diese in "alten Strukturen" gefangen sei, habe sich in der Krise besonders gezeigt. "Wir sind da als Kirchen voll und ganz getroffen worden", antwortete Pfarrer Rainer Maria Schießler. Er leitet die Gemeinde St. Maximilian in München und meinte: "Ich hoffe, dass viele in der Kirche jetzt aufwachen". Frauen müssten endlich mit Männern gleichgestellt werden. "Was in der Gesellschaft die ökologische Wende sein muss, muss bei uns vielleicht die emanzipatorische Wende sein", erklärte Schießler.

Corona sei auch keine Strafe Gottes, betonte er und distanzierte sich damit deutlich von Kardinal Müllers Äußerungen. Im Gegenteil, die Krise biete eine Chance für positive Veränderungen. Beispielsweise für die Stärkung von Pflegeberufen oder privater Initiativen, die jetzt Solidarität zeigen. "Das ist nicht nur Gutmenschentum, das ist eine Strategie", sagte Schießler.

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