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Corona-Hilfen: Fränkische Brauereigasthöfe im Stich gelassen | BR24

© BR/Uschi Schmidt

Keine Novemberhilfe für Brauereigasthöfe.

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Corona-Hilfen: Fränkische Brauereigasthöfe im Stich gelassen

Die Inhaber von fränkischen Brauereigasthöfen fühlen sich im Stich gelassen. Anders als reine Gasthöfe erhalten sie keine finanzielle Hilfe durch den Bund. Doch sie hoffen auf eine Kehrtwende in der Politik. Die könnte sich jetzt abzeichnen.

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Von
  • Ursula Schmidt
  • Simone Schülein

Als der Teil-Lockdown Anfang November in Kraft trat, hatte der Bund großzügige und unkomplizierte Unterstützung für die Gastronomie angekündigt - die sogenannte Novemberhilfe. Bis zu 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 sollten die Betriebe erhalten. Klang nicht schlecht – doch rund 300 Brauereigasthöfe in Bayern, davon die meisten in Oberfranken, sollen jetzt leer ausgehen.

Unter anderem auch der Brauereigasthof Seitz im oberfränkischen Thuisbrunn im Landkreis Forchheim. Seit mehr 400 Jahren gibt es den Gasthof – seit acht Jahren die hauseigene Brauerei. Beides in der Hand der Familie Kugler. Die Familie fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.

"Wir haben einen Facebook-Post geschickt, wo wir dieses unfaire Vorgehen beschrieben haben. Und der wurde innerhalb von einem Tag über 600 Mal geteilt, und er hat über 60.000 Leute erreicht - auch die Politik. Und da kam ein Landtagsabgeordneter auf uns zu und hat gesagt, ok da passt was nicht und er versucht uns zu unterstützen, uns zu helfen." Bianca Kugler, Brauereigasthof Seitz, Thuisbrunn
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Der Brauereigasthof Seitz ist auf die Corona-Novemberhilfe angewiesen. Diese soll ihnen jedoch verweigert werden.

Keine Novemberhilfe

Mit dem Gasthaus alleine erwirtschaftet die Familie zu normalen Zeiten im Jahresdurchschnitt mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes. Den Rest bringen Brennerei und Brauerei ein. Diese verschiedenen Standbeine werden den Kuglers nun zum Verhängnis: Die Corona-Unterstützung vom Staat gibt es nur, wenn wenigstens 80 Prozent der Einnahmen im Gasthaus anfallen. Weil beide Bereiche auch fiskalisch unter einem Dach wohnen, gehen die Kuglers in Sachen Novemberhilfe jetzt leer aus.

Dehoga kämpft für Brauereigasthöfe

So geht es insgesamt 300 Brauereigasthöfen in ganz Bayern – der Löwenanteil in Oberfranken. Der Landesverband des Deutschen Hotel und Gaststättenverbands (Dehoga) geht für die Betroffenen und auch für zahlreiche Härtefälle auf die Barrikaden. Die Politik soll ihre gegebenen Versprechen einhalten - ohne Ausnahme lautet die Forderung:

"Wenn der Bund jetzt nicht einsichtig sein sollte, so hoffen wir doch auf eine bayerische Lösung, denn das ist bayerisches Kulturgut. Diese Brauereigasthöfe müssen wir jetzt retten, müssen wir in dieser unverschuldeten Notlage helfen und unterstützen." Thomas Geppert, Dehoga Bayern

Außer ein paar Gutscheinverkäufe passiert im Gasthof Seitz gerade nichts. 65.000 Euro fehlen den Kuglers als Betreiber eines Mischbetriebs alleine an Einnahmen im November. Doch nicht jeder Mischbetrieb ist gleich – zumindest für den Bund.

"Die Bäckereien, die Metzgereien, die Konditoreien gelten jetzt als Gastronomiebetrieb und die dürfen jetzt diesen anteiligen Ausfall geltend machen. Aber ausgenommen davon sind Brauereigaststätten." Bianca Kugler, Brauereigasthof Seitz, Thuisbrunn

Hoffnung auf Kehrtwende der Politik

Nach der BR-Berichterstattung am vergangenen Freitag hat nun der CSU-Landtagsabgeordnete Michael Hofmann aus Forchheim Unterstützung angekündigt. Am Wochenende habe er noch nichts erreichen können. Dennoch würden bereits Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium laufen. Die Kuglers hoffen, dass das die Wende einläutet.

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