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Corona-Hilfe mal anders: Verein initiiert Bierlieferung | BR24

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Die "Ohrenbacher Schnupferjungs" wollen die heimischen Brauereien unterstützen und haben sich einen Bierlieferdienst überlegt. Sie liefern die bei regionalen Brauereien bestellten Kisten kostenlos.

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Corona-Hilfe mal anders: Verein initiiert Bierlieferung

Für gewöhnlich fördern örtliche Unternehmen lokale Vereine – doch zu Corona-Zeiten ist vieles anders. In Ohrenbach greifen die "Schnupferjungs" nun der Heimat-Brauerei unter die Arme – mit einer Sammelbestellung des ganzen Ortes. Nachahmer erwünscht.

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Von
  • Inga Pflug

Kleine Brauereien und Brauereigasthöfe haben es in der Corona-Krise nicht leicht. Im Umland von Rothenburg ob der Tauber (Lkr. Ansbach) wollten die "Ohrenbacher Schnupferjungs" und der "MC Scheiregiebl" daher ihrer örtlichen Brauerei, der Landwehrbräu aus Reichelshofen, unter die Arme greifen. Um während des Lockdowns den Umsatz zu steigern, haben die Vereine kurzerhand eine Sammelbestellung initiiert – und sind auf große Resonanz gestoßen.

Brauereigasthöfe in Not

Würde es nicht um Bier gehen, ließe sich wahrscheinlich von einer Idee aus einer Schnapslaune heraus sprechen. Zumindest ist der Gedanke, ihre Brauerei in Reichelshofen zu unterstützen, spontan entstanden, beschreibt Philipp Volkert von den "Ohrenbacher Schnupferjungs". Wenn die Jungs sich bei ihren Vereinstreffen zusammensitzen, fließt für gewöhnlich Bier der Landwehr-Bräu, erzählt er. Durch Berichte über die missliche Lage der Brauereigasthöfe sei daher der Wunsch entstanden, die Bevölkerung auf "ihre" Brauerei aufmerksam zu machen und dem regionalen Brauer einen zusätzlichen Umsatz zu bescheren – per Sammelbestellung.

Sammelbestellung für ganz Ohrenbach

Die Idee der "Schnupferjungs" ist im Grunde genommen ganz simpel: Die Ohrenbacher sollen nicht die großen Markenbiere kaufen, sondern ihre lokale Brauerei unterstützen – und das will der Verein der Kundschaft so einfach wie möglich machen, per Lieferung direkt vor die Haustür. Flux wird ein Infoflyer erstellt und noch am selben Tag in der Gemeinde Ohrenbach verteilt. Und schon am nächsten Tag gehen die ersten Bestellungen ein. Mehr als 70 Kästen sind allein bis Donnerstagmittag bestellt worden, berichtet "Schnupferjunge" Philipp Volkert. Bis Freitagnachmittag (05.02.21) will der Verein noch Bestellungen per Telefon, Whatsapp oder Zettel im Briefkasten entgegennehmen. Schon am Samstag (06.02.21) soll dann ausgeliefert werden.

Brauerei: Situation "sehr schwierig"

Bei der Landwehr-Bräu in Reichelshofen kommt die Aktion gut an: "Das ist super und wir freuen uns unbändig, dass die Vereine auf uns zugekommen sind und ihre Heimat unterstützen wollen", sagt Vertriebsleiter Markus Schoch. Selbst hat die Brauerei keinen Lieferdienst. Die Bring-Service-Aktion könnte der Brauerei aber tatsächlich helfen. Denn die Situation aktuell sei "sehr schwierig", so Schoch. Schließlich sei die Gastronomiekundschaft aktuell komplett weggebrochen.

"Umgekehrt haben wir lange Vereine unterstützt. Und es ist toll, dass jetzt vom Verein was kommt." Markus Schoch, Vertriebsleiter Brauerei Landwehr-Bräu

Die Brauerei und der Brauereigasthof in Reichelshofen sind in Kurzarbeit – insgesamt rund 70 Beschäftigte sind davon betroffen.

Kampf ums Überleben

Der Bierumsatz ist Schochs Worten zufolge deutlich eingebrochen. Statt wie für gewöhnlich einmal wöchentlich, werde aktuell nur noch einmal im Monat Flaschenbier abgefüllt, berichtet der Vertriebsleiter. Im Lager werde unterdessen das Fassbier schlecht. Denn das könne aktuell einfach nirgends verkauft werden.

"Es wird nur ungefähr ein Drittel noch gebraut. So kann kein Betrieb überleben." Markus Schoch, Vertriebsleiter Brauerei Landwehr-Bräu

Schochs Worten zufolge leiden Mischbetriebe wie die Landwehr-Bräu, also Brauereien mit Brauereigasthöfen, besonders unter der Corona-Krise, da sie bislang keine Nothilfen bekommen. Zwar waren Nachbesserungen angekündigt, doch angekommen ist bei den Betrieben davon noch nichts. Das Thema liege beim Bund – und da es Brauereigasthöfe vor allem im Süden Deutschlands gebe, sei das Problem oben wohl noch nicht angekommen, berichtet er leicht resigniert. "Wir hoffen, dass sich was tut."

Appell: Nachahmer in anderen Orten

Die Ohrenbacher Sammelbestellung mag nun nicht die Verluste der vergangenen Monate ausgleichen – doch sie ist ein Zeichen. Und als solches wollen es auch die "Schnupferjungs" verstanden wissen. Dort haben sie auch die Hoffnung, dass andere Ortsgruppen auf die Idee aufmerksam werden und sie aufgreifen und "damit vielleicht zu diesem fränkischen Mehrwert, dem Erhalt unserer Brauereigasthöfe auch nach Corona, beitragen". Wenn sich der Erfolg der Sammelbestellung bestätigt, wollen die Vereine schon bald eine zweite Bestellrunde machen.

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Den fränkischen Brauereigasthöfen muss zügig von der Bundesregierung geholfen werden, damit die Bierkultur nicht durch die Corona-Krise gefährdet wird. Das haben Inhaber von fränkischen Brauereigasthöfen gefordert.

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