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Corona: Großer Unmut über geschlossene Bibliotheken | BR24

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Bibliothek (Symbolbild)

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    Corona: Großer Unmut über geschlossene Bibliotheken

    Seit heute sind die meisten Büchereien in Bayern zu - als eine von vielen Anti-Corona-Maßnahmen. Aber daran gibt es zunehmend Kritik. Der Schriftstellerverband PEN äußert sein Unverständnis, auch aus der Landtags-SPD kommt deutliche Ablehnung.

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    Von
    • Maximilian Heim

    Ein Buch oder eine DVD ausleihen, sich in den Gängen einer Stadtbibliothek inspirieren lassen - das ist in Bayern seit heute bis mindestens 20. Dezember nicht möglich. Der Grund dafür ist ein kurzer Satz in der aktuellen bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. "Bibliotheken und Archive sind geschlossen", heißt es dort unter Paragraf 22. Einzige Ausnahme: Wissenschaftliche Bibliotheken in Universitäten und Hochschulen dürfen weiter öffnen - sofern die Besucher grundsätzlich 1,5 Meter Mindestabstand zueinander einhalten können.

    Über diese nun weitgehende Schließung der Bibliotheken in Bayern wächst der Unmut. Schon Ende vergangener Woche, als die Staatsregierung die Weichen für Dezember stellte, gab es in sozialen Netzwerken wie Twitter etliche kritische Bemerkungen. "Wer bisher schon alleine zu Hause saß, der ist jetzt wirklich bedient", schrieb ein Nutzer. "Hier schießt Bayern übers Ziel hinaus."

    Und für eine andere Twitter-Nutzerin war sogar klar: "Dass in Bayern ab nächster Woche Bibliotheken und Volkshochschulen wieder schließen müssen, während Schulen weiter offen bleiben, zeigt, dass es nie um Bildung ging, sondern nur darum, dass Eltern für die Wirtschaft verfügbar bleiben."

    PEN kritisiert: Sexshops auf, Bibliotheken zu

    Auch das PEN-Zentrum, eine deutsche Schriftstellervereinigung, kritisiert die Entscheidung. Als einziges Bundesland wolle Bayern seine Stadt- und Gemeindebibliotheken sowie Archive schließen, um die Ausbreitung von Covid-19 weiter einzudämmen, heißt es in einem Offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Das löse "Besorgnis und Unverständnis" aus. Zudem seien Bibliotheken bisher nicht als Hotspots für die Corona-Verbreitung bekannt.

    Weshalb Büchereien nun trotz überzeugender Hygienekonzepte geschlossen würden, während Sexshops oder Dekorationsgeschäfte weiter geöffnet blieben, ist aus PEN-Sicht nicht nachvollziehbar. Die Vereinigung argumentiert darüber hinaus wie folgt: Jeder, der sich in einer Bibliothek Bücher ausleihe und damit in die eigene Wohnung zurückziehe, trage mustergültig dazu bei, dass sich Corona nicht weiter ausbreite.

    Huml: Bücherei "ein Ort, wo man sich trifft"

    Konfrontiert mit derlei Kritik betont Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), dass der Staatsregierung die Entscheidung, die meisten Bibliotheken zunächst zu schließen, "auch nicht ganz leicht gefallen ist". Zwar hätten die Bibliotheken zum Großteil gute Hygienekonzepte, dennoch bleibe ein Bücherei "ein Ort, wo man sich trifft" - und aktuell müsse man die Kontakte nun mal "wo es geht" reduzieren.

    Auch in der offiziellen Begründung der aktuellen Verordnung steht: Die Schließung der Bibliotheken und Archive sei "als Maßnahme zur Reduzierung der Kontakte erforderlich". Immerhin überlegt man laut Huml derzeit aber, ob man das Holen und Bringen von Büchern ermöglichen könne.

    Wild: "Ein gutes Buch ist ein guter Freund"

    Die Landtags-SPD hatte vergangene Woche gefordert, im Dezember Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Bibliotheken, Büchereien und Archive offen zu lassen. Auf BR-Anfrage legt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Margit Wild nun noch einmal nach: Die Schließung der Bibliotheken stößt nach ihrem Eindruck auf "absolutes Unverständnis" - zumal alle Büchereien funktionierende Hygienekonzepte hätten.

    Angesichts geöffneter Geschäfte sieht Wild auch eine Gerechtigkeitsfrage, weil sich nicht jeder nur neue Bücher leisten könne. "Es dürfen Bücher verkauft werden, aber ausleihen darf man sie nicht", kritisiert die SPD-Politikerin. Dabei seien Bücher derzeit besonders wichtig: "Ein gutes Buch ist ein guter Freund - gerade in diesen schwierigen Zeiten."

    Beispiel München: "Schwierig zu vermitteln"

    Auch bei den Münchner Stadtbibliotheken ist man über die ab heute verordnete Schließung nicht glücklich, denn der Bedarf sei da. "Das haben wir in den vergangenen Wochen immer wieder von unseren Nutzer*innen gespiegelt bekommen - und auch die aktuellen Rückmeldungen auf unseren Social Media Kanälen machen das deutlich", erklärt Klaus Dreyer, Pressereferent der Münchner Stadtbibliothek, auf BR-Anfrage. Außerdem sei es "schwierig zu vermitteln, dass die Stadtbibliothek zu sein muss - während die Uni-Bibliothek ein paar Meter weiter geöffnet bleibt".

    Aktuell werde geprüft, inwieweit etwa ein weiteres Mal das kostenlose Digital-Abo oder andere Services möglich seien, berichtet Dreyer. Bei den Veranstaltungen habe man zudem von vornherein auf digitale Formate gesetzt, so dass diese nun wie geplant stattfinden können.

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